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Prinzipiell ist es ja begrüßenswert, wenn die Macher einer erfolgreichen Film-Reihe bei einer weiteren Fortsetzung einen neuen Weg einzuschlagen gedenken, um so das Spektrum zu erweitern und/oder Monotonie zu vermeiden – wie ein derartiger Versuch jedoch gründlich misslingen kann, beweist „Halloween 3: Season of the Witch“ von Regisseur und Drehbuchautor Tommy Lee Wallace (Stephen King´s“It“/“Vampires 2“) aus dem Jahre 1982.

Nachdem man Michael Myers am Ende von Teil 2 das Zeitliche segnen ließ, kam „Schöpfer“ John Carpenter auf die Idee, jedes Jahr einen neuen „Halloween“-Film auf den Markt zu bringen, wobei jeder eine unterschiedliche Geschichte erzählen, aber auf gewisse Weise mit dem Titel-gebenden Feiertag in Verbindung stehen sollte. „Season of the Witch“ war also das erste Werk dieses Konzepts – kein gradliniger Slasher (mehr), sondern eher im Stil klassischer „Twilight Zone“-Episoden gehalten – aber nach einem mehr als enttäuschenden Einspielergebnis entschieden sich die Macher, für die nächsten Sequels doch lieber Michael zurück zu bringen, was sich zumindest aus ihrer Perspektive als eine gute (also lukrative) Entscheidung herausstellte…

23.Oktober – 8 Tage noch bis Halloween: Ein Mann läuft, gehetzt von zwei Männern in einem Wagen, durch die Nacht. Auf einem abgelegenen Schrottplatz sucht er Zuflucht, wird aber trotzdem kurz darauf von einem der Verfolger entdeckt. Es kommt zu einem Kampf, in dessen Verlauf der Angreifer auf unschöne Weise getötet wird. Regen setzt ein. Der Flüchtende kann sich zu einer nahe gelegenen Tankstelle retten, ein Angestellter fährt ihn daraufhin rasch ins Krankenhaus. Dort angekommen, trifft er auf den Arzt Dan Challis (Tom Atkins), der ihn ruhig stellt und auf ein Zimmer bringt. Keiner kann sich erklären, was der Mann durchgemacht hat – er faselt nur von irgendwelchen Tötungsabsichten und hält verzweifelt eine Kürbis-Halloweenmaske fest in Händen. Wenig später erreicht auch der zweite Verfolger das Gebäude, zieht sich Handschuhe über, betritt den Raum, in welchem seine Zielperson liegt, schreitet an ihn heran und drückt ihm regungslos die Augen in den Schädel, bevor er seine Hände am Vorhang abwischt und die Klinik genauso seelenruhig wieder verlässt. Derweil hat der Schrei einer Krankenschwester Dan alarmiert, worauf dieser den Killer hinaus zu dessen Auto verfolgt, in welches sich jener setzt, einen Kanister zur Hand nimmt, sich mit Benzin überschüttet sowie ohne mit der Wimper zu zucken anzündet…

Der Anfang des Films ist wahrlich gelungen – atmosphärisch, spannend und mit einem stimmungsvollen Score unterlegt. Das Interesse ist da, und man ist neugierig darauf, wie es wohl weitergehen wird. Leider kann das Niveau schon kurze Zeit später nicht mehr gehalten werden, denn die nun folgenden Ereignisse entfalten sich wenig aufregend: Ellie Grimbridge (Stacy Nelkin), die Tochter des Opfers, will sich mit den mysteriösen Umständen nicht so ohne weiteres abgeben, weshalb sie Dan um Hilfe bittet, der wegen der merkwürdigen Vorfälle ebenfalls neugierig geworden ist. Allem Anschein nach hatte ihr Vater gerade eine Lieferung Halloween-Masken abgeholt, als sich die Sache ereignete – nur ist die Ware seitdem nicht mehr auffindbar. Gemeinsam fahren sie in den kleinen Ort Santa Mira, in welchem die Masken der Firma „Silver Shamrock“ hergestellt werden. Es handelt sich um ein merkwürdiges Örtchen, welches von der Fabrik dominiert wird. Abends gibt es zudem ab 6 Uhr eine Ausgangssperre, die Straßen sind allesamt Kamera-überwacht. Vor allem der Firmenbesitzer Conal Cochran (Dan O´Herlihy) erweckt ihr Misstrauen, denn alles, was sie herausfinden, lässt nichts Gutes erahnen – und tatsächlich soll pünktlich zu Halloween ein grauenhafter Plan umgesetzt werden, welcher direkt mit den „Silver Shamrock“-Produkten in Verbindung steht…

Nach dem vergleichsweise ruhigen Mittelteil gewinnt der Verlauf im letzten Drittel wieder deutlich an Fahrt – was aber auch nicht weiter ins Gewicht fällt, denn inzwischen hat die Story dermaßen abstruse Züge angenommen, dass sie das ursprüngliche Interesse nicht mehr zu tragen vermag sowie schon fast die Grenze zur Lächerlichkeit überquert. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die Auflösung eingehen, doch im Laufe der Handlung kommen als entscheidende Elemente Insekten, Roboter, ein nerviger TV-Werbespot und sogar ein Teil von Stonehenge (!) vor…

Tom Atkins („Lethal Weapon“) kann in der Hauptrolle einigermaßen überzeugen, während seine Partnerin Stacy Nelkin („Bullets over Broadway“) nicht viel mehr macht, als ihr spitzes Näschen und die großen Augen auf die Kamera zu richten – allerdings besitzt sie (in der Originalfassung) eine wirklich schöne Stimme. Dan O´Herlihy („Waterloo“) hingegen konnte sich mit dieser Rolle sicherlich gut für seinen Part in den späteren „Robocop“-Filmen empfehlen.

Die Regie von Tommy Lee Wallace ist unspektakulär, was sicher zum Teil an dem geringen Budget liegt, doch er schafft es an einigen Stellen durchaus, Spannung zu erzeugen. Die wenigen F/X sind bestenfalls mäßig, der Goregehalt hält sich stark in Grenzen. Einen Schockmoment empfand ich als gelungen, auch wenn er direkt mit einem schwachen Effekt gekoppelt ist. Auf der „Haben“-Seite kann „Halloween 3“ auf jeden Fall den stimmungsvollen Score von John Carpenter und Alen Howarth verbuchen, genauso wie die Absicht, die Ereignisse mit den keltischen Ursprüngen des Feiertags in Verbindung zu setzen – nur scheitert letzterer Ansatz eindeutig am schwachen Skript.

Leider kommen da noch eine Reihe Kleinigkeiten hinzu, die negativ ins Gewicht fallen: Einige Ableben sind etwas unfreiwillig komisch ausgefallen, die Zuneigung zwischen Dan und Ellie wirkt übereilt. Okay, sie hat gerade ihren Vater verloren und benötigt Trost – aber bitte nicht so! Zudem ist ein führender Masken-Anbieter, der nur 3 Varianten im Sortiment hat, ziemlich unglaubwürdig, der Sinn von Cochran´s Plan lässt sich kaum ausmachen – und die Idee, dass alle Kinder pünktlich um 9 landesweit vorm TV sitzen sollen, um eine große Verlosung (Achtung: Köder!) verfolgen zu können, geht zwar in Ordnung, ist aber nicht wirklich durchdacht worden, denn allein aufgrund der verschiedenen Zeitzonen innerhalb der USA ist das arg unlogisch, besonders da die Ereignisse unbedingt simultan ablaufen müssen…

Fazit: „Halloween 3: Season of the Witch“ ist der gescheiterte Versuch, der beliebten Reihe eine neue Ausrichtung zu verleihen. Der Einstieg sowie stimmungsvolle Score ragen positiv aus dem Gesamteindruck heraus, kommen aber in keiner Weise gegen die leidlich spannende Entfaltung der Ereignisse und die extrem abstruse Story an. Als eigenständiger Film wäre er zwar noch immer schwach, doch man müsste sich zumindest nicht zwangsweise darüber ärgern, dass es sich offiziell um eine Fortsetzung des John Carpenter Klassikers handelt … „3 von 10“

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