Ein Film, bei dem man über die gesamte Laufzeit hinweg unweigerlich die drei großen W's vor sich hat: Warum, wieso, weshalb? "Halloween 3" sollte der Beginn einer neuen Serie sein, die mit jedem Jahr um eine neue Geschichte erweitert werden sollte. Schluss mit Michael Meyers, dessen Morde schon ab Teil 2 leichte Verbrauchsspuren aufwiesen. Und doch tauchte Meyers wenig später im dritten Aufguss wieder auf - warum? Tja, der nicht gerade triumphale Erfolg vom ewigen, verhassten Sohn der Halloween-Franchise war ausschlaggebend.
Schon Im Vorspann wird so ziemlich alles auf modern getrimmt, um die Zukunft der Serie einzuleiten. Kein Kürbis auf einer alten Veranda mehr, sondern ein computeranimierter - sprich: schlicht mit Linien nachgezeichneter . Kürbis auf einem Monitor erscheint, dazu passend die kultverdächtige Dudel-Musik von John Carpenter. Ernüchterung bei Fans, die Michael Meyers verzweifelt suchen und den Film allein deswegen schon zum Tode verurteilen. Aber auch, wenn man den Film als normales Horrorwerk der 80er sieht, kommt das alles nicht über das untere Mittelmaß hinaus.
Schon der Plot an sich ist ein erschreckend einfallsloser Quark aus der Feder von Tommy Lee Wallace. Ein offensichtlich verrückter Halloweenmasken-Hersteller entwickelt drei "gruselige" Masken, um den Kindern eine Freude zu machen. Dazu wird aber an jeder Maske ein Chip inklusive einem Stück aus einem Stonehenge-Stein befestigt, um genau zu Halloween den Kindern eine böse Überraschung zu bieten. Um Punkt 9 Uhr abends sollen alle den Fernseher anmachen und sich einen Werbesspot ansehen, der die "magischen" Kräfte des Steins aktiviert und den Kinderkopf unter der Maske zum platzen, schmelzen, was auch immer bringt.
Wer hat sich denn das ausgedacht? Allein schon die Idee, mit Masken Kinderköpfe zu sprengen, erinnert eher an die Serie "Geschichten aus der Gruft" als an einen ernst zunehmenden Horrorfilm. Dazu auch noch dieser unsägliche Unsinn mit dem magischen Stonehenge-Stein, den man wegen seiner schwarzen Magie gestohlen hat. Da drängelt sich doch einem die Frage auf: Warum das alles? Warum will ein sadistisch veranlagter Jugendlicher im Körper eines Opas millionen von Kindern in Amerika im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf platzen lassen? Warum argumentiert er das später mit der mangelhaften Aussage "Es soll ein böser Scherz werden"? Fragen über Fragen, und keine wird beantwortet.
Ausgerechnet Tom Atkins (Der schon weitreichende Carpenter-Erfahrungen in The Fog sammeln durfte) soll hier der Gegenspieler in Form eines Arztes sein, der sich gegen diese spontante Wir-bringen-alle-Kinder-um Aktion wehren will. Als Zusatz bekommt er die junge Ellie an die Seite gestellt, die ihren Vater verloren hat, der von den Untertanen des bösen Industriellen getötet wurde. Da haben wir auch wieder das altbekannte Mann/Frau Gespann.
Leider müssen sich diese beiden Hauptcharaktere aber durch ein Drehbuch kämpfen, was von Unlogik nur so trieft. Atkins selbst kann aus seinem Dr. Daniel nicht mehr als einen unsympathischen Arsch rauskitzeln. Obwohl er Frau und Kinder hat, knutscht er ohne groß zu überlegen in einer völlig aufgesetzten Szene Hals über Kopf mit Ellie rum, um nachher dann auch noch Sex mit ihr zu haben. Das einzige, was Atkins wenigstens ein bisschen nett wirken lässt, ist seine deutsche Synchronstimme, die viele noch vom guten alten ALF kennen werden. Aber auch Ellie (Stacey Nelkin) agiert so logisch wie eine Sauna in der Wüste. Obwohl ihr Vater auf unschöne Art und Weise ums Leben gekommen ist, stellt sie ein fröhliches Mädel da, hat mit Atkins besagten Geschlechtsverkehr und scheint generell keine Sorgen zu haben. Na klar.
Auch der Spannungsbogen will nicht so recht zünden. Gut, die ein oder andere, für Carpenter typische Schock-Szene kann immer noch für den ein oder anderen Schrecken sorgen, aber abseits solcher Momente langweilt der Film fast über die ganze Länge. Die ganze Zeit rennt Atkins fragend durch die Stadt, der furchtbare Halloween-Werbesspot erscheint gefühlte 356mal auf dem Bildschirm und die Nebendarsteller zerren gewaltig an den Nerven. Einzig das Ende ist in seinen Ansätzen ganz ordentlich geworden, besonders, wenn eine mechanische Ellie in einem schier endlosen Endkampf gegen Atkins antritt, der ihr ordentlich eins über die Rübe gibt. Das offene Ende soll dann wohl apokalyptisch wirken... nun ja.
Der Gewaltgrad hält sich in normalen Grenzen, ekelt nicht allzu oft und ist eigentlich immer recht anschaulich dargestellt. Hier werden ganze Schädel gebrochen, Köpfe werden vom Hals abgetrennt und ein lustiger, blauer Blitz schießt einer unschuldigen Frau ein saftiges Loch ins Gesicht. Na gut, ganz so appetitlich ist es dann doch wieder nicht. Fragezeichen nur bei dem Tod eines Kindes, was die Maske aufhatte, während der hypergefährliche Werbesspot im Fernsehen läuft. Der Junge kippt um, die Maske verfault an seinem Gesicht und aus dem Nichts erscheinen aus der Maske Krabbelviecher, ja sogar eine Schlange! Langsam zweifel ich daran, dass Tommy Lee Wallace beim schreiben des Drehbuchs stocknüchtern war.
Am Ende hat man das ausgestoßene Kind einer weltberühmten Franchise vor Augen, was zwar in Verruf geriet, weil es keinen Michael Meyers beinhaltete, aber auch als eigenständiger Film kaum zu überzeugen weiß. Das einzige unheimliche ist wirklich die Musik - danke, Mr. Carpenter.
Fazit
Völlig grenzdebiles Filmchen ohne jeden Sinn, mit müden Darstellern und einem fantasielosen Drehbuch. Maximal geeigent für Leute, die auch "Tales From The Darkside" oder "Creepshow" fazinierend fanden.
2/10