Review

„Sie kommen...“

Die erste Fortsetzung des genredefinierenden Slashers „Halloween – Die Nacht des Grauens“ machte im Jahre 1981 dem bösen Schlitzer Michael Myers allem Anschein nach den Garaus. Produzentenseitig wurde daraufhin das Konzept der Reihe modifiziert: Ab 1982 sollte jährlich ein neuer „Halloween“-Teil in die Kinos kommen, der jeweils eine eigenständige Geschichte ohne Beteiligung Michael Myers‘ erzählt. Gesagt, getan: Man verpflichtete den britischen Autor Nigel Kneale, der zu seligen „Hammer Film Productions“-Zeiten bereits einige erfolgreiche Drehbücher verfasst hatte, eine Geschichte zu ersinnen, und betraute den US-Amerikaner Tommy Lee Wallace („Es“), der bereits den Schnitt des ersten Teils verantwortete (und auch selbst schon das Myers-Kostüm trug), damit, auf dem Regiestuhl zu debütieren. Als Kneals vom Gewaltgehalt des Films erfuhr, wollte er als Autor nicht mehr genannt worden, dafür legten John Carpenter und Wallace noch einmal Hand ans Skript. Das neue Konzept floppte jedoch an der Kinokasse, die Fans vermissten schmerzlich „ihren“ Michael Myers. Daraufhin lag die Reihe erst einmal auf Eis, bis sie 1988 mit „Halloween IV“ ebenso klassisch wie fulminant zurückkehrte. Über die Jahrzehnte hinweg wurde „Halloween III“ von einem Teil des Publikums wiederentdeckt und neu bewertet, so auch vom Verfasser dieser Zeilen.

„Keiner spaltet einen Schädel mit der bloßen Hand, wenn er nicht verdammt stark ist!“

Nordkalifornien, 23.10.: Ein eine Kürbismaske umklammernder Mann wird schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert und faselt etwas von einer tödlichen Gefahr. Kurz darauf wird er ermordet, sein Mörder richtet sich selbst. Der diensthabende Arzt Dr. Dan Challis (Tom Atkins, „The Fog – Neben des Grauens“) versucht zusammen mit Ellie (Stacey Nelkin, „Affen, Gangster und Millionen“), der Tochter des Toten, in Erfahrung zu bringen, weshalb der Mann sterben musste. Die Spur führt zu Conal Cochran (Dan O’Herlihy, „Robinson Crusoe“), der in der Kleinstadt Santa Mira die Silver-Shamrock-Fabrik betreibt, in der jene Halloween-Masken hergestellt werden, die gerade landesweit beworben werden. Cochran hat einen der Monolithen aus Stonehenge entwendet und will wegen der aktuellen Planetenkonstellation zu Halloween wieder Menschenopfer bringen. Dabei sollen ihm die mit einer perfiden Elektronik versehenen Masken helfen…

„Hast du gar nichts für Halloween übrig?!“ – „Nein.“

Der Stilwille des Films ist bereits im Vorspann erkennbar, der nach Art geringauflösender Fernsehbilder gestaltet ist. Unheilschwangere Synthieteppiche und Variationen des klassischen Carpenter-Themas ziehen sich musikalisch durch den Film, ergänzt um das immer wiederkehrende „Silver Shamrock“-Werbe-Jingle. Während der Exposition um den gejagten Mann lässt man es jedoch kräftig blitzen und donnern und greift damit tief in die Klischeekiste. Der Mord an ihm ist brutal und kurze Zeit später wird ein Tippelbruder, der zu viel weiß, garstig enthauptet; den Härtegrad schraubt man also schon früh recht hoch. Schnauzbartarzt Challis‘ Ehefrau lernt man ausschließlich als hysterische Meckerziege, meist übers Telefon, kennen, dafür schläft er bereits in der ersten Nacht mit der jungen, attraktiven Tochter des Toten – ein weiteres Handlungsutensil aus besagter Klischeekiste. Den Arzt nimmt man Atkins in seiner eher an „Tatort“-Kommissar Schimanski erinnernden Rolle ohnehin nicht so recht ab. Umso überzeugender ist O’Herlihy, tatsächlich ein Ire, als sinistrer Herrscher über eine Siedlung und nichts Gutes im Schilde führender Fabrikant, der eine menschlich aussehende Roboterbelegschaft beschäftigt, wie bei einer Führung durch die Maskenfabrik erkennbar wird.

„Geh nicht zu nah an den Fernseher!“

Dass Ellie plötzlich verschwindet, macht Challis zum Einzelkämpfer. Die Roboterfrau, die er zerstört, erinnert an E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“-Geschichte, angeblich wurde sie 1775 in München hergestellt. Cochran erklärt sich Challis gegenüber schließlich überaus freimütig und macht keinen Hehl mehr aus seinem finsteren Plan, für den er die Familie eines erfolgreichen Maskenhändlers zu Versuchskaninchen instrumentalisiert. Eine Nachbarin hatte es bereits durch eine spektakuläre „Fehlzündung“ eines Maskenchips dahingerafft; in einer beeindruckenden Machtdemonstration kriechen sodann unter Einfluss des Werbesports Insekten und Schlangen unter einer Maske hervor; das Kind, das diese trägt, stirbt. Dass hier tatsächlich Kinder ihr Leben lassen, unterstreicht die Grimmigkeit der Handlung, an deren Klimax Challis die Fabrik mit ihren eigenen Waffen zu bekämpfen versucht. Das offene Ende lässt sich zwar mühelos in der eigenen Fantasie weiterdenken, enttäuscht aber etwas – man hätte gern mehr gesehen.

„Ich bin ein Freund von deftigen Scherzen – und das ist der beste von allen!“

Hätte man zumindest am Slasher-Konzept festgehalten, wäre „Halloween III“ vermutlich ein Erfolg geworden. So aber hat man immerhin einen originellen Horrorfilm mit einem der fiesesten Ohrwürmer, die jemals auf die Zuschauerschaft losgelassen wurden: dem „Silver Shamrock“-Werbe-Jingle des penetranten, omnipräsenten Werbespots. Die Einblendungen des jeweiligen Handlungsdatums verschaffen nicht nur einen Überblick über die Chronologie der Ereignisse, sondern haben auch etwas von einem Countdown zum Halloween-Fest respektive zur Apokalypse. Die Spezialeffekte und die Make-up-Arbeiten sind gelungen; der Film hat seine düstere Stimmung und bemüht sich viel um Spannungsaufbau, wirkt dabei aber manchmal etwas langatmig. „Halloween III“ verbindet Stonehenge-Mystik und heidnische Opferrituale mit einer Allegorie auf Medienmanipulation, Konsumterror und schurkenhafte Großindustrielle mit zu viel Macht – und nicht zuletzt eine Welt, in der permanent irgendwo aggressiv Werbung dudelt. Der Elektronik-Science-Fiction/Mystery-Horror-Mix ist ambitioniert, aber durchaus gewöhnungsbedürftig – nicht gänzlich geglückt, aber besser, als die Verrisse manch Michael-Myers-Fans nach der Erstsichtung vermuten lassen.

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