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Der Hongkong Regisseur Yonfan muss ein unverschämt gutes Standing bei vielen Festivalkuratoren haben. Er. Persönlich. Nicht so zwingend seine Filme. Denn ehrlich, jenseits von festivalpolitischen Schieberein ist der Weg, den sein COLOUR BLOSSOMS ins Programm der diesjährigen Berlinale gefunden hat, ganz und gar nicht nachvollziehbar. Seit Werken wie „Bishonen“ für seine hochästhetische Visualität hofiert, die ich viel lieber nur aalglatt nennen würde, bedient Yonfan auch mit seinem aktuellen Werk eine verklemmtes Erwachsenenpublikum, denen er seine albernen Anspielungen auf Sexualpraktiken abseits des Mainstream: S/M, Genderbending, Bi- und Homosexualität als wild und verwegen vormacht. Wirklich anstößig ist hier nichts, die Kategorie III Freigabe in Hongkong mindestens genau so Marketing wie weltfremde Prüderie. Dieser Film ist nicht einen Zoll lang geil. Unter der betont lasziv aufgeladenen Atmosphäre dieses COLOUR BLOSSOMS verschwimmen Realitäts- und Zeitebenen zu einem schwülstigen Farbeneimer, seicht gerührt mit gekünstelter Passion. In diesem kunterbunten Sog gerieren sich die obszönsten Phantasien seines Publikums zu entschuldbaren Traumbildern. Und nur die – und der wie von Michael Cretu verbrochene Ethno-Soundtrack (tatsächlich von Surender Sodhi) – kleistern über dem schwarzen Loch, das Yonfan seine Handlung nennt. Nur eines noch ist peinlicher als COLOUR BLOSSOMS – so einen Schmonzes ins Programm eines Filmfestivals zu selektieren.

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