Review

Wenn es mal wieder ein schön altmodischer Monsterfilm sein soll, liegt man bei „Abominable“ genau richtig. Da macht ein bigfootartiges Wesen Jagd auf die Bewohner eines einsam gelegenen Waldfleckchens und nebenbei darf die Hauptfigur in die Fußstapfen eines James Stewart aus „Rear Window“ schlüpfen. Garniert wird das Ganze mit gelungenen Gastauftritten, ein paar kurzen, aber derben Gewaltszenen und einer nackten Tiffany Shepis.

Körperlich eingeschränkter Held ist Preston (Matt McCoy), der seit einem Absturz beim Klettern, der für seine Frau tödlich endete, im Rollstuhl sitzt. Nun kehrt er, begleitet vom Physiotherapeuten Otis, nach sechs Monaten in sein nahe am Wald gelegenes Heim zurück.
Und während sich im Nachbarhaus ein paar junge Frauen zwecks Verlobungsfeier treffen, bemerkt Preston per Fernglas, dass hier sprichwörtlich etwas im Busch ist.

Bereits der Einstieg könnte kaum klassischer ausfallen: Älteres Paar hört von draußen merkwürdige Geräusche, er schnappt sich sein Gewehr, man geht hinaus, entdeckt ein zerfetztes Reh(?), der Hund reißt sich von der Leine, kurz darauf Grummeln und ein kurzes Jaulen, man verschanzt sich schnell im Haus, bis die Luft wieder rein ist und entdeckt vor der Haustür große Fußspuren. Erstaunlicherweise bleiben die beiden verschont, na ja, sie zumindest auf Dauer.

Mit der Einführung von Preston und seinem Pfleger entsteht leider für einige Zeit etwas Leerlauf und auch die Girlies von nebenan entfalten sich rasch als typische Metzelbratzen ohne Charakterzeichnung. Zumal hier die äußerst unprofessionelle Synchro einmal mehr bitter aufstößt und besonders bei den weiblichen Stimmchen gewaltig nervt.
Jedoch, als Preston durch sein Fernglas zu sehen glaubt, dass eines der Girlies von einer Kreatur verschleppt wird, nimmt der Streifen wieder Fahrt auf und lässt die Spannungskurve fortwährend stets ein bisschen ansteigen.

Dem kommt natürlich auch zugute, dass unser Held kaum eine Möglichkeit hat, körperlich aktiv zu werden. Er versucht die Frauen im Nachbarhaus zu warnen, wird aber lange Zeit für einen Spanner gehalten. Die Telefone funktionieren mal wieder nicht und seine E-Mail an die Polizei wird nicht ernst genommen. Darüber hinaus zeigt sich sein Betreuer alles andere als kooperativ, der besäuft sich lieber, glaubt Preston ohnehin kein Wort und will ihm am Ende sogar eine Beruhigungsspritze verpassen.
Sicher hätte man aus der hilflosen Situation Prestons noch mehr herauskitzeln können, es macht im Gesamtbild aber einen positiven Eindruck gegenüber konventionellen Helden, die außer einem Love Interest und dem finalen Showdown gegen die Kreatur kaum mit Problemen zu kämpfen haben.

Und so meuchelt sich das Wesen, von dem wir nicht erfahren, woher es kommt und warum es ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt zuschlägt, durch die Reihe von Anwesenden.
Dafür konnte man sogar Lance Henriksen und Jeffrey Combs gewinnen, die bei Lagerfeuerstimmung mit einer Geschichte über einen Tierpfleger und einem Nashorn einen deutlichen Schmunzler verbuchen können.
Ein Dauerschmunzler ist auch die Kreatur, gänzlich frei von CGI und herrlich handgemacht kostümiert. Der Kerl wirkt wie eine Mixtur aus Yeti, Rübezahl und Samson aus der Sesamstraße. Wenn der mit seinen langen Zähnen grimmig dreinschaut, sind kleine Lacher unausweichlich, nur wenn der richtig zuschlägt, gerät man zuweilen ins Staunen.

Denn die Bluteffekte sind nicht ohne, sie kommen zwar meist kurz, dafür aber deutlich. Da gibt es eine offene Bauchwunde, einen aufgerissenen Hals, eine Körperfaltung per Herausziehen durch ein kleines Fenster und gegen Ende sogar einen zur Hälfte abgebissenen Kopf.
Kann sich auf technischer Ebene alles sehen lassen.

Ja, und es hat schon so seine Vorteile, wenn man als junger Regisseur einen weltberühmten Komponisten als Vater hat. Denn Macher Ryan Schifrin kann somit auf den Score seines Vaters Lalo Schifrin zurückgreifen, der sich in mancher Hinsicht von gängiger Musikuntermalung abhebt. Orchestral, variabel und superb auf einzelne Szenen zugeschnitten, verleiht er dem Geschehen in mancher Situation mehr Atmosphäre, als die einfach gehaltenen Kulissen – Wald mit Nebel, Geräumige Holzhäuser – es eigentlich hergeben.

Mit den Darstellern kann man insgesamt zufrieden sein. Hauptdarsteller Matt McCoy gibt einen soliden Part als zumeist hilfesuchender Typ, nur die rührselige Geschichte mit der Erzählung des Absturzes und von wegen ein Zeichen und Überlebenswille, nimmt man ihm nicht so recht ab. Jeffrey Combs überzeugt mit seinen kurzen Auftritten als ketterauchender Tankwart an der Sauerstoffflasche und Lance Henriksen als raubeiniger Geschichtenerzähler. Demgegenüber fällt keine der weiblichen Mitwirkenden auf, da sie vom Drehbuch nahezu vernachlässigt wurden. Selbst Haley Joel, die fürs Finale unserem Helden zur Seite gestellt wird, bleibt ziemlich blass.

Aber insgesamt ist das ein feiner Spaß, sofern man denn Creature-Features mag, die inhaltlich kaum Überraschungen beinhalten. Man erahnt den Verlauf, weiß, dass die Sache nach dem Showdown noch nicht abgeschlossen ist und dass die Cops entweder zu spät kommen oder nur weitere Opfer der Kreatur darstellen.
Dafür schlägt das Vieh ein paar Mal ordentlich zu und die Rasanz im letzten Viertel kann mit einigen spannenden Szenen aufwarten.
Netter Monsterhorror zum Wohlfühlen,
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme