Review

Hui, wer macht denn so was?
Manchmal wagt man ja gar nicht zu glauben, das es ein paar Filmemacher im Cheapo-Bereich gibt, die noch so etwas wie Gefühl für Stil oder (abseitigen) Geschmack im kleinen Zeh haben.
Ryan Schifrin ist offensichtlich so einer, denn er hat mit „Abominable“ seinen ersten Langfilm fertig und das ist doch schon mal was, wenn Papi (Lalo) einer der einflussreichsten Kompositeure von Tinseltown war und ist.
Das sich ein Erstlingsregisseur aber dann gleich so frech in der Filmgeschichte bedient und alte Sache zu solch angenehmen Cocktails mischt, das hat Gesicht.

Wir fassen zusammen: ein nach einem Bergunfall an den Rollstuhl gefesselter Witwer namens Preston wird zwecks Therapie mitsamt Pfleger für drei Tage an den Ort des Geschehens verschickt, was ihn gar vergrätzt, geriet seine Holde doch vor einem Jahr bei einem Halteseilriß zu einem Klumpen Matsch. Nun hockt der Neurosenbehaftete in seiner abgelegenen Berghütte und sein Aufpasser Otis (no shit!), ist auch nicht gerade der Typ, der einem den Aufenthalt versüßt. Ruhe ist auch nicht, denn im Hüttchen nebenan versammeln sich fünf Schickeria-Bratzen zwangs Junggesellinnen-Abschied und lassen es ordentlich krachen. Daß Preston baldigst mit dem Fernglas auf dem Balkone hockt, hat aber dann doch mehr mit einem gar findigen Bergmonster zu tun, das Big-Foot gleich sämtliche Anwesenden nach und nach verfrühstückt.

Heißa, hier kommt aber wirklich alles zusammen.
Da wäre der Grundplot, den sich Schifrin samt Schreiberling mal eben von „Das Fenster zum Hof“ geborgt hat. Der wird schön solide in einen seligen Monster-Exploiter aus den herben 70ern eingebaut, wo die Hinterwäldler noch zu Dutzenden durch den Tann stolperten, ohne je in der Maske gewesen zu sein. Alle wie sie breit sind, chargieren natürlich auf Teufel komm raus, das muß auch sein. Preston guckt mit seinen Kulleräugchen durch die böse Realität, der Chauvi-Sheriff reagiert nicht auf Hilfe, Otis ist ein schmieriger Rowdy und die Blondbratzen benehmen sich so hohl, als hätten sie bisher ihre Kohle in billigen Soaps verdient (was sie auch allesamt haben).
Und dazwischen stapft der Hüne im akkuraten Fusselkostüm und sieht aus wie ein Mischung aus Yogi-Bär nach dem dritten Tollwutbiss und einer Aubergine. Beknackt – wenn das Vieh nicht gerade zum Fangbiß ansetzt und das tut er reichlich.

Angerührt wird das mit viel Spaß für die ganze Familie: da wird einem Model der Bauch aufgeknuspert, einer anderen Figur in Großaufnahme das Gesicht weggebissen und eine Holde wird flott mal durch ein Mini-Badezimmerfenster gezogen mit der Taille voran („Knick-die-Alte!). Mein persönlicher Liebling ist das Ende der Heiratswilligen, die das Dreimetervieh doch glatt mit Pfefferspray angeht. Ergo legt er sie erst auf den Rücken und haut ihr dann mit geballter Faust die Eingeweide aus dem Solarplexus, was allerdings aussieht, als hätte sie auf einem dicken Hundehaufen gelegen, der nun unter ihr hervorspritzt.

Garniert das alles mit einem Gast-Cast, nachdem sich jeder Filmemacher die Finger lecken dürfte. In einem relativ sinnfreien Subplot schauen Rex Linn (der Bulle aus CSI-Miami), Jeffrey Combs (als Kettenraucher mit Sauerstoffflasche) und Lance Henriksen (furchtbar synchronisiert) als Jagdgesellschaft auf, die nach stabilen acht Filmminuten verfrühstückt werden. Gleich am Anfang taumelt kurz Cujo-Veteranin Dee Wallace-Stone durch den Schnee, Phil Morris (aus der unsäglichen Mission Impossible-TV-Neuauflage) schaut als Deputy vorbei und Paule „Breakfast Club“ Gleason möckert sich wie vor 20 Jahren als Arschloch durch seine letzte Rolle.

Dem Film gehen nie ganz die Gäule durch, wofür ich Mr.Schifrin sehr loben muß, er schafft es aber, für Monsterfilmfreunde den Interesselevel durchgehend konstant zu halten, auch wenn das Yeti-Kostüm einfach kacke aussieht. Die saublöden Hühner nebenan (jaja, mit Duschszene) sieht man immer nur aus Prestons Perspektive und das erhöht den Voyeurfaktor und die Erträglichkeit ungemein. Außerdem stellt sich Matt McCoy in der Rolle des Rollifahrers sehr patent an, wenn es darum geht, den eigenen Arsch zu retten, wenn ihm sowieso sonst niemand zuhört, für Spannung und kleine Schocks ist also gesorgt.
Dazu hat Daddy Schifrin noch ein paar Seventies-Retro-Klänge spendiert, die tatsächlich an so glorreiche Heuler wie „Grizzly“ zurück erinnern.
Und selbst verfreilich gibt’s böse Überraschungen ohne Ende, der Schlußgag mit der Polizei macht da sicher am meisten Spaß.

Insgesamt ein Film, den man zum Bringdienst einfach dazu haben muß, nichts Weltbewegendes, aber niemals so ungemein bemüht, an alte Filme zu erinnern, sondern den Stil halbwegs selbst zusammen bekommend.
Ein fröhliches B-Picture gegen den modernen Formelsound. (6/10)

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