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Christian Bale spielt einen 12-jährigen Engländer, der in einem luxuriösen Vorort von Shanghai aufwächst, bis schließlich die Japaner im Rahmen des japanisch-chinesischen Kriegs 1941 angreifen und der Junge von seinen Eltern getrennt wird. Nun beginnt für ihn eine lange und einsame Suche nach seinen Eltern, bis ihn schließlich zwei Schwarzhändler, gespielt von Joe Pantoliano und John Malkovich, unter ihre Fittiche nehmen.

Stephen Spielberg kennt man eigentlich als kommerziell erfolgreichen Regisseur, der bereits Meilensteine des Unterhaltungskinos wie "Jäger des verlorenen Schatzes", "E.T.", "Der weiße Hai" und "Jurassic Park" setzte, wobei aus seinem Profitkalkül auch schwächere Filme wie "Krieg der Welten" resultierten. Gelegentlich jedoch widmet sich Spielberg ernsten Themen und nach "Die Farbe Lila" ist dies bei "Das Reich der Sonne" ein zweites Mal der Fall, damit riskierte Spielberg sogar einen Flop und mit einem Einspielergebnis von gerade einmal 22 Millionen Dollar kann man "Das Reich der Sonne" auch als solchen bezeichnen. Und auch wenn dem Blockbuster-Experten kein Meilenstein gelingt, zumal Kult-Regisseur Bernado Bertolucci im selben Jahr mit "Der letzte Kaiser" einen besseren Film mit ähnlicher Thematik in die Kinos brachte, ist "Das Reich der Sonne" auf jeden Fall ein gelungenes Kriegsdrama.

Christian Bale liefert schon hier, im Alter von 13 Jahren eine hervorragende, nahezu überlebensgroße Leistung ab. Bale denkt sich tief in seine Figur hinein und leistet sich keinen einzigen schwachen Moment. Damit zieht er die Sympathie und das Mitgefühl des Zuschauers auf sich und kompensiert durch sein realistisches Spiel Spielbergs überzogene Melodramatik teilweise. Neben Haley Joel Osments Leistung in "The Sixth Sense" ist dies definitiv eine der besten Leistungen, eines jungen Nachwuchsdarstellers, die ich jemals sehen durfte. Dennoch dauerte es noch 13 Jahre an, bis Bale schließlich mit "Shaft" und "American Psycho" den endgültigen Durchbruch schaffte und mit seiner "Batman"-Rolle zu einem der gefragtesten Darstellern der Welt aufstieg. John Malkovich macht sich in seiner Charakterrolle ebenfalls gewohnt gut und auch der spätere "Matrix"-Darsteller Joe Pantoliano kann durchaus überzeugen. Der übrige Cast ist ebenfalls durchweg gut besetzt.

Auch an der Inszenierung gibt es nichts zu bemängeln. Mit der Komponisten-Legende John Williams hatte Spielberg seinen gewohnten Komponisten und die Filmmusik ist definitiv gewohnt gut und kann spannende, sowie tragische Momente hervorragend unterlegen und damit spielend leicht eine melancholische und verstörende Atmosphäre aufbauen, von denen Kriegs-Dramen oftmals leben. Spielberg setzt die Kulisse von Shanghai gekonnt in Szene und bietet vom Ausbruch des Kriegs, bis zum Atombombeneinschlag einen realistischen Verlauf des Krieges und zeigt dessen Schrecken gekonnt auf. Seine Darsteller setzt Spielberg dabei perfekt in Szene und lässt sich genug Zeit, um den Zuschauer an das Schicksal der Hauptfigur zu fesseln. Handwerklich leistet Spielberg also gewohnt starke Arbeit.

Leider unterlaufen der Regie-Legende aber auch einige Fehler. Teilweise kurbelt Spielberg das Erzähltempo zu weit herunter und verursacht vor allem zum Ende hin teilweise längere handlungsarme Phasen, die er leider nur mit melodramatischen Dialogen und Ereignissen füllen kann, womit er Leerläufe produziert. Der Unterhaltungswert von "Das Reich der Sonne" ist somit leider nicht so hoch wie er sein könnte, da aber bis zum Schluss Dramatik aufgebaut werden kann und vor allem der Atombombeneinschlag weitere Spannung erzeugt, geht der Unterhaltungswert auch nie gen null und so ist "Das Reich der Sonne" alles in allem überdurchschnittlich und bietet ordentliche Unterhaltung, auch wenn Spielberg sich selbst später mit "Der Soldat James Ryan" noch einmal überbieten konnte.

Die Handlung ist im Großen und Ganzen realistisch, stellenweise zu melodramatisch, mit diesen Problemen haben aber auch dutzende andere Kriegs-Dramen zu kämpfen. Der wirkliche Schwachpunkt der Story liegt darin, dass einfach zu wenige Hintergrundinformationen zu dem japanisch-chinesischen Krieg geliefert werden und während der Verlauf des zweiten Weltkriegs in Europa und Amerika ziemlich geläufig ist, hätte Spielberg hier einige, dem breiten Publikum nicht bekannte Fakten liefern können, lässt diese Möglichkeit seinen Film interessanter zu gestalten aber aus. Die Charakterkonstruktion ist ordentlich, die Handlung unvorhersehbar, stellenweise ergreifend und damit ist die Story alles in allem ordentlich, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Teilweise lässt der Film leider neue Ideen vermissen und setzt nur auf Altbewährtes.

Fazit:
Auch wenn es Stephen Spielberg stellenweise mit der Melodramatik übertreibt und zu wenige Informationen zu dem japanisch-chinesischen Krieg liefert, ist "Das Reich der Sonne" mit seiner handwerklich hervorragend gelungenen Inszenierung, der überlebensgroßen Leistung des jungen Christian Bale und seiner gelungenen Story ein überdurchschnittliches, wenn auch etwas sperriges Kriegs-Drama, dass leider nichts Neues liefern kann, aber durchaus unterhalten kann, auch wenn es zum Ende hin viel Geduld abverlangt.

65%

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