Robert de Niro spielt einen Psychologen, der nach dem Tod seiner Frau mit seiner kleinen Tochter, gespielt von Dakota Fanning, in eine neue Gegend zieht. Dort muss de Niro feststellen, dass seine Tochter einen Fantasie-Freund namens Charlie erschaffen hat, der ihm die Schuld am Tod seiner Frau gibt. Als sich seine Tochter immer weiter in ihren Hass auf ihn hineinsteigert, weiß de Niro nicht mehr weiter.
Zugegebenermaßen: So gut, wie ich ihn bewertet habe, ist der Film eigentlich gar nicht, aber ich sehe Mystery- und Psycho-Thriller dieser Art nun mal sehr gern. Der Film ist ziemlich düster und die ganze Zeit über spannend. Nach einer Exposition, die kaum kürzer sein könnte, beginnt der Film sofort Spannung aufzubauen und zieht dies bis zum Herzschlagfinale ohne größere Aussetzer durch. Regisseur John Polson leistet also in seiner zweiten größeren Regie-Arbeit nach "Swimfan" gute Arbeit. Die Musik ist die ganze Zeit über entsprechend dumpf und mit ein paar gezielten, plötzlichen Ton-Effekten der Film die ganze Zeit über gespannt. Die Kulisse ist ebenfalls sehr düster und das Haus in dem die beiden Leben ist sehr finster und wirkt mit der spärlichen Ausleuchtung recht unheimlich. Das Erzähltempo hält Polson die ganze Zeit über ziemlich hoch, dennoch wirkt der Film zu keinem Zeitpunkt überhastet. Bei dieser Umsetzung tritt die schwache Story in den Hintergrund und wer, wie ich, solche Filme mag, wird auch mit "Hide and Seek" gut bedient sein.
Psychisch gestörte bzw. terrorisierte Kinder und Jugendliche kommen in Horror-, Psycho- und Mystery-Thrillern immer gut, wie das Musterbeispiel eines gelungenen Mystery-Thrillers "The Sixth Sense" zeigte. Dazu braucht es natürlich auch ein unschuldig wirkendes Kind, dass sympathisch genug ist, dass der Zuschauer Mitleid bekommt, wenn ihm Schaden zugeführt wird, dass aber andererseits ein bisschen suspekt und furchteinflössend wirkt. Und mit Dakota Fanning, die bereits in der TV-Serie "Taken" eine ähnliche Rolle spielte wird die perfekte Besetzung für die Rolle gefunden. Fanning, zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal 11 Jahre alt, stellt ihr Talent unter Beweis und ihre intensive, furchteinflössende Darstellung steht der von Haley Joel Osment in "The Sixth Sense" in nichts nach. Nach "Ich bin Sam" und "Man on Fire" stellt sie erneut unter Beweis, dass sie zu den aussichtsreichsten Talenten in Hollywood gehört. Oscar-Preisträger Robert de Niro spielt solide, aber dennoch bleibt die ganze Zeit über der bittere Beigeschmack, dass er es eigentlich besser können müsste. De Niro, der zuvor in "City by the Sea" und "The Score" brillieren konnte, wirkt stellenweise gelangweilt und ist vor allem in den Szenen, in denen er einen Psychopathen spielen soll, nicht so überzeugend, wie er es sein könnte. Seine Leistung ist damit ordentlich, aber nicht gut. "X-Men"-Darstellerin Famke Janssen kann in einer Nebenrolle überzeugen und auch der übrige Cast ist ebenfalls nicht schlecht.
Wenn man als Zuschauer "Hide and Seek" wirklich genießen will, sollte man sich nicht an der Story stören, denn diese ist definitiv der Schwachpunkt des Films. In der ersten Hälfte macht die Handlung noch Sinn, auch wenn die Charakterkonstruktion besser sein könnte und der tiefere Grund für die psychischen Schäden des Mädchens nicht dargestellt wird. In der zweiten Hälfte wird es dann jedoch zunehmend abenteuerlicher und unwahrscheinlicher. Das Ende wirkt, als hätten die Drehbuchautoren mit aller Macht ein schockierendes Ende, wie man es aus anderen Filmen des Genres kennt, einbauen wollen. Zugegebenermaßen ist das Ende durchaus überraschend, aber dafür ist es nicht allzu logisch. Alles in allem ist die Story unterdurchschnittlich.
Fazit:
Mit einer düsteren und gespannten Atmosphäre und den guten darstellerischen Leistungen, insbesondere von Dakota Fanning, ist "Hide and Seek" ein ordentlicher Mystery-Psycho-Thriller, bei dem lediglich die schlechte Story nervt. Als Fan des Genres hat der Film mir persönlich sehr gut gefallen.
91%