Daß der Output von Robert de Niro sich seit der Jahrtausendwende immer weiter dem absoluten Beliebigkeitslevel annähert, hat sicher auch etwas damit zu tun, daß Martin Scorsese den guten di Caprio als Sohnemann adoptiert hat, aber manche Filme hat auch der souveränste Schauspieler nicht verdient, selbst wenn es sich mal nicht um Komödien handelt.
Was den Oscarmimen bewogen hat, an einem Murks wie "Hide and Seek" teilzunehmen (Kopfschüsse wie "Rocky and Bullwinkle" handele ich gern ab, wenn ich mal wieder stockbesoffen bin), bleibt jedoch enorm rätselhaft, möglicherweise mit Langeweile zu erklären.
Genretechnisch irgendwo zwischen Horror und Psychothriller pendelnd, erzählt John Polsons Film die Geschichte einer gebeutelten Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, wobei sowohl de Niro als auch Amy Irving deutlich zu alt sind, für so eine junge Tochter wie Dakota Fanning. Daddy ist Psychiater, Mom seufzt schwer und die Art, wie de Niro sie in der ersten Szene verliebt anschmachtet, deutet schon an, daß die Idylle nicht lang halten wird. Kurz darauf säbelt sie sich die Pulsadern in der Badewanne auf, was die "happy family" in ein Trauma stürzt, denn just als Vater David die Leiche aus der Wanne hievt, steht die kleine Emily in der Tür.
In der Folge starrt die kleine folgsam in die Ferne starrend so lange aus dem Krankenhausfenster, bis David eine enorm gesellschaftsfähige Idee kommt: er zieht mit seiner Tochter an den Podex des Planeten, ein großes Haus am Wald, irgendwo im Norden Neuenglands. Dort hat man natürlich jede Menge Möglichkeiten, eine Psychose zu verarbeiten: das Kind spielt da fast immer allein, Nachbarn kann man mißtrauisch begutachten und die Kommunikation zwischen Vater und Kind entspricht so etwa meinem Austausch mit meinen Zimmerpflanzen, was das Reden auf beiden Seiten betrifft.
Es dauert keine paar Tage, da marschiert Emily in eine seltsame Felsenhöhle und hat ab da dann einen imaginären Freund namens Charlie, mit dem sie spielt und der wohl dazu angetan ist, Daddy zu ärgern. Und so gehts dann auch baldigst los: Alpträume wecken den Vati zu Todeszeit seiner Frau, mit Wachsmalstiften stehen Anklagen auf dem Duschvorhang, den Puppen der Kleinen wird das Gesicht eingeschlagen und schließlich nimmt die Familienpussy ihr letztes Wannenbad.
Man ahnt es schon: der ganze Film ist a) pseudowissenschaftlicher Psychomumpitz und b) ein "shitstorm" von roten Heringen, die ununterbrochen auf den Zuschauer abgefeuert werden. Da haben wir die seltsamen Nachbarn mit dem toten Kind; die nette Nachbarin (Elisabeth Shue mit einer ABM-Rolle); den unheimlichen Vermieter und viele seltsame Ereignisse wie die genannten und andere Phänomene wie sich öffnende Fenster, die zuvor verriegelt waren oder Geräusche im Keller. Als Zuckerguß dazu gibt es Dakota Fanning, die über den halben Film irgendwo zwischen gelangweilt, hintergründig und grenzdebil durch die Gegend starrt, sich mal nett und mal biestig gibt und auch sonst soviel schweigt, daß man sie gern an die Wand klatschen würde.
Das sind dann aber immer noch genügend Versatzstücke für einen immerhin passablen Standardgrusler, da das Interesse noch einmal geweckt wird, als gegenwärtig wird, daß "Charlie" wohl doch nicht so imaginär (oder geisterhaft?) ist, wie wir uns das noch einreden wollen. Allerdings steuert der Film - und das ist der Kardinalfehler - viel zu früh und viel zu oft in leergefischte Gewässer, als die stakkatohaften Rückblenden von de Niro uns nahelegen, daß in der Ehe wohl so einiges neben der Spur lief.
Wie uns etablierte Medien mitteilen, tat man dann mit der finalen Filmrolle das, was man immer tun will, wenn man einen dicken Twist in der Tasche hat, der uns alle mit "Wow"-Effekt auf die letzten 15 Minuten wegblasen soll, aber angesichts der Backflashs verwandelt sich der Film mit dem finalen "Coming Out" zu einem großen Haufen Kacke.
Ja, ganz recht, es ist uns ja schon viel psychotherapeutischer Wirrsinn über den Weg gelaufen, der dann als Grund für Mordserie, Amoklauf oder Selbstverstümmelung herhalten mußte, aber der Käse, der hier die Auflösung darstellt, hätte de Niro beschämt die Koffer packen lassen, während alle Psychiater im Publikum hysterisch vor Lachen vom Stuhl rutschen. Wie weilend bei unserem liebsten indischstämmigen Starregisseur wird hier fröhlich alles auf den Kopf gestellt, was wir vorher gesehen haben (oder gesehen haben glaubten), nur daß es rückwirkend irgendwie nicht so recht zu den Handlungen und Aktionen der Beteiligten passen will.
Miss Fanning müht sich angesichts ihres sehr jungen Alters zwar redlich, warum sie wann was machen soll, hat ihr aber wohl niemand erklärt, bzw. es hat sich wohl auch niemand dafür interessiert.
Wer rote Heringe mag, wird trotzdem einen gewissen Spaß an dem Film haben, die Ausstattung und die Kameraarbeit sind solide und niemand spielt sich hier eine absolute Peinlichkeit zusammen, aber was als DVD-Premiere mit unbekannten Gesichter noch funktioniert hätte, geht als Starvehikel (neben de Niro, Fanning, Shue und Irving auch noch Famke Janssen) wie Blei auf den Meeresgrund, wobei die netten Parallelen des Showdowns zu einem anderen bekannten Familienfilm, der in einer Bergidylle samt Hotelpalast abspielt, vermutlich einige hämische Lacher hervorrufen wird.
Wenn "...denn sie wissen nicht, was sie tun" nicht schon vergeben gewesen wäre, hier paßt der Titel. (3/10)