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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Oder doch nicht? Jedenfalls stellt „Columbo: Waffen des Bösen“ diese Behauptung auf den Kopf.

Der irische, in Los Angeles lebenden Poet Joe Devlin (Clive Revill) setzt sich öffentlich für die Opfer des Nordirlandkonflikts ein. Hinter den Kulissen besorgt er allerdings illegal Waffen über Händler, um die nationalistische Irisch-Republikanische Armee im Kampf für ein vereintes Irland zu unterstützen. Als der Waffenschieber Vincent Pauley (Albert Paulsen) ihn allerdings prellen möchte, folgt der aus seiner Sicht gerechte Mord, der den Verrat bestraft.

Columbo bekommt politische Dimensionen. Dadurch wird die Folge sehr interessant, weil das Motiv idealistischen Ursprungs ist. Dabei ist der Mord an sich nicht wirklich spektakulär. Die anfänglich geringe Verbindung zwischen Täter und Opfer durch eine sonderbare Buchsignatur bekommt Würze, weil Devlin sich in die Ermittlungen des Inspektors einmischt. Im Allgemeinen sind die Indizien dieses Mal außergewöhnlich, denn Worte verraten die wahre politische Gesinnung des Poeten. Das Zitieren und indirekte Glorifizieren eines irischen Terroristen, der gehängt wurde, gibt unter anderem den klaren Hinweis, dass Devlin ein Doppelleben führt.

Der Reiz der Sprache ist allgemein ein gutes Stichwort. Falk zeigt, wie selten zuvor, ungeheuere Spiellaune, wenn er sich mit dem Täter in irischen Pubs rumtreibt, dabei im Darten und Dichten duelliert, die Ermittlungsarbeit teilt oder das ein oder andere Gläschen irischen Whiskey inhaliert. Das Columbo-Mörder-Spieler ist nicht nur dialogtechnisch hochwertig, sondern auch feucht-fröhlich gesellig. Da stimmt die Chemie. Der stimmungserheiternde Whiskey entpuppt sich allerdings am Ende als verräterisch: „So und nicht weiter“, dann folgt die Markierung des Mörders mit dem Diamantring – ein Limit, wie weit getrunken wird. Was er nicht weiß: jeder Diamant hat seinen eigenen Abdruck, wie der Finger. Eine Marotte wird zum Verhängnis, denn Devlin verzichtet auch bei dem Gespräch mit dem Opfer vor der Tat nicht auf sein geliebtes Getränk.

Die Recherchen bringen noch weitere Highlights mit sich, beispielsweise als der Inspektor im Buchladen Interesse an erotischer Kunst findet. Ein Bild für Götter. Privat erfahren wir, dass der Neffe Columbos ein stickender Gewichtheber ist. Hehe, da ruft die blanke Wortkombination schon ein breites Grinsen hervor.

Ansonsten dreht sich in „Waffen des Bösen“ vieles um das irische Edelgesöff. Es ist schon erstaunlich, was eine Flasche alles für Informationen und Indizien geben kann. Die in Devlins bevorzugten Whiskey markierten Worte „Jeder Mann soll das bekommen, was er verdient“ sind nicht nur ein wichtiger Lösungshinweis, sondern gleichzeitig auch das Motto der Folge. Jeder Fan bekommt das, was ein hervorragender „Columbo“ bietet. Sogar mehr als das. Der Symbolcharakter, als Devlin die auf dem Boden liegende Flasche zum toten Verräter rollt, ist aufgrund der darauf geschriebenen Worte schlichtweg grandios. Ein Poet ist dann doch kein Mörder nach Schema F.

Genial ist auch das Finale, wenn im Hintergrund der im Cafe sitzenden Protagonisten das auslaufende Schiff nach Belfast gestoppt wird. Die Firmenflagge der Vettern des Mörders verrät die Lage der illegalen Ware. Vetternwirtschaft lohnt sich letztendlich anscheinend doch nicht.

Das Ende bestätigt den Gesamteindruck. „Waffen des Bösen“ verbindet pures Entertainment mit einem aufgrund des politischen Kontextes interessanten Plot, der von Peter Falk und Clive Revill mit einem grandiosen Duell auf allen Ebenen getragen wird. Daraus resultiert eine der besten Episoden der gesamten Reihe - ein Motto der IRA bekommt dabei einen doppelten Sinn: "Ourselves Alone" – oder für uns Fans alleine. (9/10)

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