Review

THUMBSUCKER, ein wunderschönes gesellschaftskritisches Drama, das wesentlich subtiler als z. B. AMERICAN BEAUTY ist; kaum etwas wird ausgesprochen oder klar aufgezeigt. Viele kleine, aber starke Probleme unter der Oberfläche werden angedeutet. So fasse ich den Film auf, denn das Problem, was man im Kino erlebt hat, ist, dass viele den Film kaum verstehen. Was die Hauptaussage ist, muss wohl jeder für sich selbst erkennen.
Sehr schön und ungewohnt ist auch das unerwartete, nicht von anderen Filmen gewohnte Handeln der Charakteren: man ist ständig überrascht und etwas geschockt, was sie tun und sagen, aber eigentlich ist das, meiner Meinung nach, sehr real dargestellt. Man fragt sich sehr lange, wo THUMBSUCKER eigentlich hin möchte, es zeichnet sich nichts ab, was das zu lösende Problem am Ende sein könnte. Dann kann man glauben, es gehe um Drogen; doch diesen Teil hätte man weglassen oder raffen können.

Ein besonderes Lob geht an den Hauptdarsteller Lou Taylor Pucci, der für die Darstellung des Daumen lutschenden Heranwachsenden Justin Cobb (zurecht) den Silbernen Bären bei der Berlinale 2005 bekommen hat. Auch der übrige Cast um Vincent D'Onofrio und Tilda Swinton überzeugt. Mike Mills als Regisseur und Joaquín Baca-Asay hinter der Kamera sind tadellos und machen einen sehr guten Job. Die etwas komische, gefühlsverwirrte Stimmung wird am meisten von dem überragenden Soundtrack des Tim DeLaughter geprägt: zusammen mit The Polyphonic Spree und zusätzlichen Songs von Elliott Smith schafft die Musik eine grandiose Stimmung, die den Bildern noch zusätzliche Tiefe und Stärke gibt.

Einige werden meinen, dass manche Reaktionen und Handlungen totaler Unfug sind, doch genau das macht den Film aus. Die Themen und die falsche Behandlung der Probleme sind schlimm. Es wird nicht gesagt, was "das Richtige" oder "das Wahre" ist, sondern es wird gezeigt, dass häufig Falsches getan wird und keiner scheint wahrzunehmen, dass es eigentlich nicht richtig ist. Kaum etwas wird hinterfragt. Hauptsache, die Fassade sieht gut aus und das Problem ist oberflächlich bei Seite gekehrt.

Keanu Reeves' Rolle als Zahnarzt mag zwar unpassend scheinen, doch nimmt er am Ende eine wichtige Rolle ein, indem er ein paar wichtige Sätze über das Wesentliche und Elementare von sich gibt. Der ganze Film ist sehr phantastisch und traumhaft erzählt; alles scheint wie eine große Phantasie aus Ängsten und Sehnsüchten.

THUMBSUCKER ist ein DVD-Film, der alleine und in Ruhe angesehen werden sollte, kein Film für jederman, kein Popcorn-Kino, kein Filmabend-Film, keine Komödie; den einen berührt er, den anderen überhaupt nicht.

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