Neun einander fremde Leute werden in einem isolierten Gebäude sich selbst überlassen.
Hey, endlich mal etwas vollkommen neues, „Cube“ ist ja mittlerweile auch schon fast wieder vergessen, werden die einen sagen und sogleich abwinken.
Die anderen werden sich gierig draufstürzen und sagen „Her damit!“
Ich gehöre zur Gruppe der letztgenannten und werde mit meiner positiven Meinung über „House of 9“ möglicherweise ein wenig im Abseits stehen, denn zugegeben, negative Kritikpunkte finden sich einige.
Neun Personen werden im Umkreis von London entführt und finden sich kurz darauf in einem großräumigen, mindestens zweistöckigen Haus wieder, dessen Ausgänge allesamt zugemauert sind. Eine Stimme erklärt über Lautsprecher kurz die Regeln: Nur einer von ihnen wird das Spiel überleben und das Haus mit 5 Millionen Dollar verlassen. 75 Kameras und Mikrophone überwachen das Geschehen, den „ultimativen Test des menschlichen Charakters“.
Die neun Personen: Ein Priester, ein Cop, eine Tänzerin, ein ehemaliges Tennisluder, ein Junkiegirl auf Bewährung, ein schwuler Modedesigner, ein farbiger Rapper, ein Komponist und dessen Frau.
Freunde von „Saw“ und „Cube“ werden sofort nach den bösen und hinterhältigen Fallen und Aufgaben fragen und enttäuscht aus der Wäsche gucken: Es gibt keine!
Genauer gesagt, gibt es nur zwei Einflüsse durch den „Spielleiter“, nämlich einmal das Bereitstellen von Nahrung und das scheinbare Aufdrehen der Heizung, - damit Aggressionen unter den Protagonisten gefördert werden. Der Spielleiter ist zu keiner Zeit zu sehen, es wird nur deutlich, dass er einige Helfer hat, die die Personen betäuben und entführen.
Ansonsten sind die Leute auf sich allein gestellt.
Zunächst sind sich alle einig, das Spiel nicht mitzuspielen und einen Ausgang zu finden.
An dieser Stelle erscheint es wenig nachvollziehbar, dass die Personen nach wenigen Anstrengungen mittels Graben und mit Tisch vergeblich eine Wand einzurammen, bereits aufgeben und sich dem Schicksal Gefangener hingeben.
In den ersten 50 Minuten geschieht nichts, was für den Anhänger von Gewaltdarstellungen von Bedeutung wäre.
Die Charaktere werden dem Zuschauer näher gebracht, doch die Auswahl der Figuren ist leider ein wenig stereotyp ausgefallen: Der Rapper fühlt sich ständig diskriminiert, pöbelt aber seinerseits herum, der Cop versucht die allgemeine Ruhe und Kontrolle zu bewahren und der schwule Designer hat Angst um seinen teuren Anzug, der Ex-Tennisstar zickt nur, der Junkie auch und der Priester macht nur das, wofür er bekannt ist: Beten.
An dieser Stelle wäre es einmal angebracht gewesen, beim „Querschnitt“ auch wirklich einen solchen zu präsentieren und mal auf einen Dicken, eine Rentnerin oder einen Obdachlosen zurückzugreifen.
Wie gesagt, die erste Hälfte beschränkt sich auf Personeneinführung.
Zimmer für die Übernachtung werden per Los zugeteilt, flüchtig familiäre Hintergründe ausgetauscht und der Rapper bringt ein paar lächerliche Reime, die zumindest auf deutsch peinlich klingen (und im Original auch nicht besser), was Dennis Hopper mit einem entsprechenden Gesichtausdruck quittiert.
Etwas später wird Alkohol bis zum Erbrechen zu sich genommen, getanzt und geflirtet und weil ein festes Paar unter der Gruppe ist, kommen erste körperliche Auseinandersetzungen auf, bei der das erste Todesopfer, - eher aus Versehen - zu verzeichnen ist.
Von da an kommt Misstrauen auf, Verdächtigungen werden laut und das anfängliche Miteinander entwickelt sich zu einem fiesen Spiel aus Intrigen und Heimtücke.
Zudem wird im Zuge des ersten Opfers die Essensration erhöht und das schürt bei einigen Teilnehmern die Gier nach dem versprochenen Gewinn.
Interessant ist im Verlauf, dass sich nicht vorhersagen lässt, wer bis zuletzt am Leben bleibt, oder schon früh den Löffel abgibt.
In der zweiten Filmhälfte geht es dann recht temporeich zu: Plötzlich wird gemordet, verfolgt und Fallen gestellt, Figuren zeigen ihr wahres Gesicht oder werden Opfer ihres eigenen Stereotyps.
Ein fast zu derber Kontrast zur ersten, weitaus ruhigeren Hälfte.
Dann wartet man gespannt auf die Auflösung und die, soviel sei verraten, ist in dieser Form ein echter Knaller und (zumindest für mich) absolut nicht vorhersehbar.
Zu der Darstellerriege lässt sich noch anführen, dass niemand eine schlechte Leistung im Rahmen seiner Figur abliefert. Dennis Hopper ist vielleicht nicht die beste Wahl als Priester, aber das Beten bekommt er ganz gut hin und die Synchro von Joachim Kerzel holt das Beste für ihn heraus.
Der Rapper (auch in Wirklichkeit einer) hält sich mit der Mimik etwas zurück, die übrigen Kerle fallen nicht weiter auf und von den Damen bieten immerhin drei von vier einen angenehmen Anblick, was besonders bei Model Kelly Brook durch entsprechende Kameraführung bestätigt wird.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir „House of 9“ von Beginn an zugesagt hat.
Wenn auch die ersten 50 Minuten etwas schleppend verlaufen, so gleicht das darauf folgende Tempo, sowie ein Hammer-Ende doch einige Schwächen aus
Psychologisch betrachtet, ist dieser Beitrag zwar um einiges harmloser, als Artverwandte wie „Saw“ und man mag auch den fehlenden Blutgehalt bemängeln (bis auf eine Mehrfach-Zuschlag-Szene), aber ansprechend fand ich´s trotzdem.
Eine Fortsetzung, die durchaus drin wäre, würde ich zumindest begrüßen.
7 von 10 Punkten