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Das 10-kleine-Negerlein-Prinzip (ich spar mir jetzt mal die political correctness) ist ja eines der beliebstesten, wenn es um Spannungskino geht, von Agatha Christies klassischem Roman bis zum gemeinhin formelhaften Splatterkino macht das Runterzählen zum Bodycount immer noch am meisten Spaß, sofern man dabei wenigstens ein bißchen überrascht wird.

„House of 9“ bedient sich ebenfalls bei dieser Plotkonstruktion, geht allerdings weg vom überbordenen Blutverbrauch hin zum Thrillerkino zurück und greift auf Miss Christies Wurzeln zurück: neun Menschen in einer hermetisch abgeriegelten Wohnung ultramodernen Zuschnitts, die ohne erkennbares Muster von der Straße weg entführt wurden. Eine Stimme teilt ihnen mit, daß sie an einem Unterhaltungsspielchen teilnehmen, bei dem es fünf Millionen zu gewinnen gibt, aber nur für denjenigen, der als Letzter lebend das Domizil verläßt.
Sonst gibt es keine Infos, nur verschlossene Türen, Kameras, Mikrofone und die langsam aufkommende Gewißheit, daß Apathie und Handlungsverweigerung mit Nahrungsentzug bestraft werden.

Natürlich brechen da alsbald die ersten, ohnehin vorhandenen Konflikte auf, denn die Figuren sind jetzt eben nicht (was subtiler gewesen wäre) stinknormale Menschen, sondern so ausgewählt, daß sie sich alsbald an die Gurgel gehen müssen. Da gibt es den Cop, der auch eine geladene Waffe bei sich hat, die vorbestrafte Drogendealerin, den cophassenden Rapper, ein Ehepaar dessen Lebensbund marode geworden ist, ein Priester, ein zum Partymäuschen mutierter Ex-Tennisstar, einen schwulen Modedesigner und das harmlose Final Girl, dessen Hauptaufgabe in verzweifeltem Heulen besteht.

Das ist jetzt weder besonders originell, noch ein ungesehenes Wunderwerk, denn ähnliche Grundkonstellationen haben Serien wie „Saw“ oder „Cube“ schon ausgiebig zu (kreativem) Tode geritten
Erfreulich kurz an dem Ganzen ist die Laufzeit, die mit 86 Minuten nicht in überflüssigem Gehibbel das Interesse erstickt, sondern mittels einiger Songs (eine Anlage und Alkohol sind ebenfalls vorhanden) sogar noch etwas Weltuntergangspartystimmung verbreiten, um über die Zeit zu kommen.

Interessant ist aber vor allem nicht, wer das alles schließlich überlebt (das ist relativ schnell klar), sondern auf welche Art und Weise die Konflikte die übrigen 8 Personen über den Jordan schicken werden – und das sind nur im ersten Fall ein Unfall und nur einmal (möglicherweise) ein Selbstmord. Kleingeistige Konflikte und nackte Angst provozieren hier den Gewaltausbruch – reduziert wird das alles auf kreatürliche Grundbedürfnisse wie Lust oder Gier nach Essen, die Egoismus nach sich zieht.

Von den Initiatoren erfährt man nichts – mit der Info, daß das alles zum Amusement veranstaltet wird, versetzen die Macher den Zuschauer selbst in die mögliche Identität des Veranstalters, denn schließlich delektiert man sich ja an diesem Hexenkessel. Interessant im Wesentlichen dann noch die gut gewählte Pointe, die den Film dann mit einem netten Magenschwinger abrundet.
Ein solider kleiner Film, bei dem man auf die Rappassagen hätte verzichten können und in dem Dennis Hopper seine Rolle (als Priester) souverän nebenbei runterleiert, weil er mal wieder einen netten Scheck brauchte.
B-Entertainment, wie es sein sollte. (7/10)

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