Review

„The Ring“, „The Grudge“ und jetzt „The Dark“. Nachdem in der Rockmusik zuletzt die „the-Bands“ grassierten, erwischt es nun auch die Filmtitel.
Und würde einem dies nicht schon fließbandig genug vorkommen, drehen sich diese „the-Filme“ auch immer um die selben Dinge.

The Reißbrett:
Eine vom Alltagsleben generell schon mal angeknackste Blondine wird mit allerlei wüstem Hokuspokus konfrontiert, der sich in knarzenden Türen, undichten Rohren und blässlichen kleinen Mädchen manifestiert und sie somit in den Wahnsinn zu schicken droht, wenn sie nicht durch beherzte Recherche dem Grund für das Gewusel auf die Spur kommt.
Dies war (von der Haarfarbe mal abgesehen) jedenfalls immer das Gerüst, das sich in jedem modernen japanischen Horrorfilm unter der Oberfläche abzeichnete.
Dankbar saugte Hollywood diesen Trend auf und setzte die Filme mit marginalen Unterschieden einfach nochmal in Szene.
„The Dark“, obgleich aus England stammend und in allen Aspekten ein Vertreter diesen Zuschnitts, kann dabei noch nicht einmal auf eine Nippon-Vorlage verweisen. Das ist doch mal was: Ein Remake, welches gar kein Original benötigt. Die Kopie der Kopie. Oder so ähnlich.

The Macher:
Regisseur John Fawcett, der seit seinem coming-of-wolf-Film „Ginger Snaps“ einen ganz dicken Kiesel im Brett der Horrorfans hat, legt hier nun seinen zweiten Nervenzerrer vor. Produziert haben das Ganze Paul Anderson (ja genau, Mr. „Resident Evil“) und sein Kumpel Jeremy Bolt, der auch schon bei Andersons „Event Horizon“ die Finger mit im Spiel hatte. Allesamt keine großen Namen, aber zumindest ausreichend, um den einen oder anderen Filmfan aufhorchen zu lassen. Dasselbe gilt auch für die Schauspieler.
Nach Naomi Watts und Sarah Michelle Gellar darf jetzt Maria Bello etwas Wasserstoffblond und besorgte Blicke ins Dunkel werfen. Und ihren umsorgenden Ehemann mimt Boromir himself, der verlässliche Sean Bean.
Der ist inzwischen schon so bekannt, dass ihn ein Kino in meiner Nähe im Programmheft als „Sean Penn“ titulierte. Glückwunsch.

The Grundidee:
Die alleinerziehende Mutter Adele und ihre Tochter Sarah besuchen den auf der Isle of Man lebenden Papa James. Auf den freut sich das Töchterchen besonders, ist ihr Verhältnis zu ihrer Mami doch mehr als gespannt. Alle frische Luft hilft aber nichts, selbige ist dick in der Familie, und Mami sieht sich zunehmend als Rabenmutter. Doch dann verschwindet Sarah eines Tages. Ist sie im Meer ertrunken? Während James immer und immer wieder Suchaktionen in Küstennähe durchführt, beginnt Adele mehr und mehr abseitigen Gedanken zu verfallen. Ist ihre Tochter womöglich in eine andere Welt hinübergewechselt, aus der sie errettet werden kann? Haben ein totes Kind und durchgedrehte Schafe etwas damit zu tun? Kein Wunder, dass ihr Mann sie nicht mehr für voll nimmt…

The Umsetzung:
…und auch der Zuschauer dürfte es schwer haben, in diesem Gemisch aus Familiendrama, keltischer Mystik und „Buh“-Film den tieferen Sinn zu finden. Sicher, die Isle of Man ist ein glücklich gewählter Handlungsort, die Darsteller vermögen durchaus zu überzeugen und es wird auch mit allem aufgewartet, was Horror so ausmacht (knarzende Dielen, Kinderrufe, fanatische Landbevölkerung, etc.), aber das entscheidende Argument, warum man diesen Film nun empfehlen sollte, lässt sich einfach nicht finden. Spannung wird auf die gute alte wir-drehen-den-Sound-auf-Methode erzeugt, und wenn die Handlung mittendrin etwas lahm wird, schneidet man halt ein fiebriges Flashback dazwischen. Und dann noch mal. Und noch mal. Und… jaaa, wir haben´s ja kapiert! Fehlen euch Ideen? Alles schon mal gesehen, gezeigt, geschrien. Nun kann ich ja schwerlich diesem Film die Routine eines ganzen Genres vorwerfen, aber etwas mehr Mut hätte diesem Projekt gut zu Gesicht gestanden. Und ich rede hier nicht von sinnloser Gewalt, so ein Film ist das hier nicht. Nein, nur hier und da mal ein Klischee vermeiden, das kann Wunder bewirken. Aber wenn man als Zuschauer eh schon ahnt, dass es hinter der nächsten Ecke wieder knirscht und klopft…
Gut, dies schreibt jemand, der sich schon eine Menge solcher Streifen reingezogen hat, da ist es natürlich schwer, überrascht zu werden.

The Pluspunkte:
Atmosphärische Kameraarbeit, nette Darsteller, Zombieschafe.
Der Regisseur beweist einmal mehr sein Händchen für Horrorgeschichten mit starken Frauenfiguren. Nach geschwisterlichen Beziehungen in „Ginger Snaps“ nun ein Mutter-Tochter-Konflikt.

The Wertungsdrücker:
Alles schon mal dagewesen, kopiert nur aktuell gängige Muster, speziell zum Ende hin konfuser Handlungsablauf.
Der Regisseur beweist sein Händchen für plumpen Ideenklau, manche Einstellungen werden 1:1 aus „The Ring“ übernommen. (Stichwort Klippe)


The Fazit:
Wer noch nicht so viele Horrorfilme gesehen hat, darf hier gerne mal einen Blick riskieren. Handwerklich ordentlich und schauspielerisch überzeugend, da gibt es wahrlich Schlimmeres da draußen. Allerdings auch Besseres, soviel sollte einem klar sein.
Hardcoregucker werden hier nicht glücklich.

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