Man sehe sich „Silent Hill“ an, reduziere alle Szenen in der geisterhaften Stadt auf gute fünf Minuten zusammen und köchele das alles mit ein wenig mehr Familiendisfunktionalität bzw. Schuld und Sühne auf und erhalte schlußendlich „The Dark“ – vielleicht den perfekten Film für alle Töchter, die ihre Mütter hassen.
Der Zerfall der Familie war ja schon immer ein starker Ausgangspunkt für das Übernatürliche, hier sind die Eheleute (Maria Bello, Sean Bean) schon geschieden, aber Töchterlein hält es bei der Mutter nicht mehr aus und will zu Dad, der residiert jedoch an der Küste des hintersten Rektums von Wales und dort gibt’s vor allem Klippen, Schafe, Sand und Meer. Und natürlich ein düsteres Geheimnis und das regt sich baldigst, als sich diverse Wollköppe lemmingsgleich über das Klipp stürzen.
Doch es dauert nicht lange und auch die Tochter verschwindet im Meere, was nicht nur bei der Mutter schleichendes Schuldbewußtsein freilegt, sondern auch ein lang verschollenes Mädchen ins Reich der Lebenden zurückholt, die Opfer einer mystischen Familientragödie wurde.
„The Dark“ ist nicht halb so schlecht, wie ihn beim Kinostart ein Großteil der Tagespresse machte, ein ruhiger Gruselfilm, der sich allerdings mehr für das Zerbrechen familiärer Bindungen interessiert als für seine Horror-Komponente.
Die wiederum basiert auf einer walisischen Legende, nachdem das Opfer eines Lebens jemanden aus dem Totenreich wieder zurückholen kann. Was als große Tragödie wirksam zu lesen wäre, erliegt aber im Film ein bißchen der Offensichtlichkeit, denn kaum ist die Legende auf dem Tisch, sind die Pferde bis Filmende sozusagen gesattelt.
So sind auch die kurzen 87 Minuten insgesamt eher überraschungsarm, obwohl sich die arme Maria Bello emotional den Allerwertesten abschuftet, um uns ihr Dilemma möglichst nahe zu bringen.
Das aber ist nicht einfach, denn in der Vergangenheit hat sie sich nicht eben als „Mutter des Jahres“ qualifiziert, was natürlich alles noch offensichtlicher macht.
Das Grauen könnte hier landschaftsabhängig atmosphärisch wirken, doch was die karge Landschaft hergeben könnte, unterläuft TV-Regisseur John Fawcett (löbliche Ausnahme: „Ginger Snaps“) leider durch zu viele und zu abgedroschene handelsübliche Rückblende blitzartigen Zusammenschnitts, die einem das Folgende geradezu dauerhaft entgegenschreien.
Ansonsten kriecht die Schuld natürlich nur bruchstückhaft zum Zuschauer durch, teilchenhaft erzählt und erst ganz am Schluß den ganz großen Umfang offenbarend, wie es nach der Asia-Horror-Welle inzwischen landläufig ist.
Am Ende wechselt man dann ins Totenreich, aber das Finale kann den ganz großen Clou nicht mehr bieten, selbst das unbedarfteste Publikum dürfte die finale Wendung erahnen. Immerhin wird man mit extrem groben Bildern bzw. besonders viel Blut verschont, was schon mal ganz angenehm ist.
Leider wird Sean Bean wieder einmal in einer besseren Nebenrolle verschenkt, kommt aber recht sympathisch zum Tragen. Das ist aber nicht schwer, da Bello sehr sperrig gezeichnet ist und der Film eigentlich sonst mit fünf Rollen auskommt.
Das latent versöhnliche Ende kommt aber letztendlich bemüht rüber, das alternative Ende auf der DVD ist wesentlich finsterer und konsequenter, aber bezüglich der Charakterentwicklungen auch nicht angemessener.
Immerhin in punkto Stimmung ein angenehm ungewöhnlicher Film, wenn auch erzählerisch nicht gerade Neuland betretender Film, der die Ware von der Stange halbwegs brauchbar umgeht. (5/10).