Review

Dunkle Gewässer sind Mief

John Fawcett konnte sich mit dem starken, weiblichen Werwolfreisser „Ginger Snaps“ zu Beginn des Jahrtausends auf alle Horrorlandkarten gesetzt. Doch danach konnte er daran nie mehr auch nur halbwegs anschließen, war fast ausschließlich in der Serienbranche als Auftragsarbeiter unterwegs. Mit dem auffällig generisch betitelten „The Dark“ wollte er es 2005 aber nochmal im Genre und (Heim-)Kino wissen - und lieferte einen zwar in Ansätzen brauchbaren, insgesamt aber egalen Familiengrusler in der walisischen Meeresbrandung ab, wo eine getrenntes Ehepaar den Tod durch Ertrinken ihrer Tochter einfach nicht verarbeiten kann und vor allem die Mutter (die enorm attraktive Maria Bello) unter mysteriösen Visionen leidet…

Wo Trantüten Trauer tragen

Das Überzeugendste an „The Dark“ sind wirklich noch die tollen Küsten und Landschaften Wales'. Maria Bello ist natürlich ähnlich ansehnlich. Es gibt ein noch gerade so brauchbares „Jenseits“ und dämonische Schafe (!) ließen mich immerhin schmunzeln, wenn auch aus den falschen Gründen. Zudem gibt’s ein besseres und böseres Ende auf der Kaufdisc und die Laufzeit ist in jedem Fall mit deutlich unter 90 Minuten sparsam. Das war’s dann aber an Partei, die ich für Fawcetts Grusler ergreifen könnte. Das Meiste hier ist nämlich ein lauwarmer Aufguss viel besserer, kreativerer und vor allem spannenderer Filme, egal ob auf der Insel, in Hollywood oder im J-Horror-Bereich. „The Dark“ ist im Endeffekt dann doch genauso austauschbar und stupide wie sein Titel. Kein DTV-Tipp, keine Videothekenentdeckung, kein Geheimtipp. Für mich zumindest. Denn auch emotional und vom seelischen, psychologischen, elterlichen Standpunkt bleibt alles lauwarm, trüb und blass. Null Chemie zwischen Bello und Bean. Ein kruder, moosiger Mix aus „The Ring“ und „The Sixth Sense“, nur eben in wesentlich blöder. Sehr seichte Gewässer. Kein Green Irish Tweed, nichtmal ein Cool Water. Fragheads wissen, wovon ich rede. Da muss man „Ginger Snaps“ wirklich als Ausrutscher nach oben ansehen. „The Dark“ stand schon lange auf meiner Watchlist und ich hatte mir viel mehr versprochen. Vertane Zeit.

Mother Snaps

Fazit: lange Zeit ist „The Dark“ trotz schönem Wales genau der Konservenhorror, den man bei dem Titel erwartet. Das fiese „alternative Ende“ auf der Disc wendet dann Schlimmstes ab. Die „Zwischenwelt“ aus dem Finale könnte auch James Wan und seinem „Insidious“ Pate gestanden haben. Dennoch bleibt „The Dark“ insgesamt fahrig, wässrig, manchmal sogar nervig. Und absolut nicht gut. Nah an Abwasser. 

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