„Ein Wunder – das ist alles, was sie will…“
„Ein Hauch von Mord“ ist der Auftakt der dritten Staffel der beliebten US-TV-Krimireihe „Columbo“, deren Alleinstellungsmerkmal neben Peter Falks unnachahmlicher Verkörperung des sich gegenüber den Verdächtigen absichtlich kleinmachenden Inspektors der Verzicht aufs Whodunit? ist, indem die Straftat bereits samt Täterin oder Täter ausführlich im Prolog gezeigt wird. Die stargespickte Episode – neben Vera Miles („Psycho“) als Antagonistin geben sich Martin Sheen („Apocalypse Now“) und Vincent Price („Die Verfluchten“) ein Stelldichein – wurde vom französischen (oder französisch-stämmigen) Regisseur Jeannot Szwarc („Tochter des Teufels“) inszeniert und am 23. September 1973 erstausgestrahlt.
„Sie haben sicher schon gemerkt, dass das hier so’ne Hippie-Umgebung ist…“
Viveca Scott (Vera Miles) gehört ein regelrechtes Kosmetikimperium, das jedoch zuletzt finanziell zunehmend instabil wurde. Besserung verspricht eine neue Anti-Falten-Creme, die ihr alkoholkranker Chemiker Dr. Murchason (Fred Draper, „Ehemänner“) jedoch für unwirksam erklärt. Aber ist sie das wirklich? Bald steht der Verdacht im Raum, Vivecas Laborassistent und ehemaliger Liebhaber Karl Lessing (Martin Sheen) habe die Probe manipuliert, weil er das Original gewinnbringend an Vivecas direkten Konkurrenten David Lang (Vincent Price) verkaufen möchte. Viveca bekam Wind davon, weil sie ihre Mitarbeiterin Shirley Blaine (Sian Barbara Allen, „Ausgeliefert“) bei Lang als spionierende Sekretärin eingeschleust hat. Als sie Karl zu Rede stellt, eskaliert die Situation und sie schlägt ihn mit seinem Mikroskop derart hart nieder, dass er stirbt. Viveca versucht, den Mord zu vertuschen, muss sich jedoch bald nicht nur mit Inspektor Columbo herumplagen, sondern auch mit Shirley, die sich als nicht sonderlich loyal erweist…
„Ich hab‘ das Gefühl, Sie gehörten zur Familie – wie das Krümelmonster!“ (Columbo lässt all seinen Charme gegenüber Viveca spielen…)
Szwarc eröffnet seine Episode mit eher ans Horror- denn ans Krimigenre gemahnenden, scheinbaren Gesichts-OP-Vorbereitungen in beunruhigender Nahaufnahme (tatsächlich handelt es sich um den lediglich übertrieben inszenierten finalen Hautcreme-Test) und installiert im direkten Anschluss eine Modenschau mit vergifteten Dialogen zwischen Viveca und Lang, die das professionelle, aber von tiefer gegenseitiger Abneigung geprägte Verhältnis beider zueinander veranschaulichen. Auch Shirley lernt man dort bereits kennen, ohne bereits zu ahnen, welche Rolle sie spielt. Wer hier wer ist und welche Absichten der- oder diejenige jeweils verfolgt, ist ohnehin nicht ohne Weiteres zu erfassen, versteckt sich gerade in diesem Milieu das wahre Antlitz doch häufig unter einer daumendicken Make-up-Schicht. Nach dem Tötungsdelikt – eher Totschlag denn Mord – tritt Columbo auf den Plan und plaudert erst einmal viel von seiner Frau, wofür diese Episode natürlich prädestiniert ist, wenn er nicht gerade nach Salz für sein Frühstücksei fahndet. Seine Frau verwende ausschließlich Produkte Vivecas, womit er ihr neben zahlreichen Komplimenten kräftig schmeichelt, mit seinem knittrigen Mantel und seiner tapsigen Art aber so gar nicht in dieses Umfeld der Reichen, Schönen und Oberflächlichen passen will – was einen der Reize dieser Episode ausmacht.
„Was für eine Welt!“
Neben einigen Indizien – Karl hatte Langs Geheimnummer und erwartete eine hohe Geldsumme – fördert der weitere Verlauf zahlreiche Einblicke ins Haifischbecken Kosmetikbranche und die Gefahr der Industriespionage zutage, baut aber auch Shirleys Rolle auf ambivalente Weise weiter aus: Die sympathische junge Frau, ketterauchend, aber wenig gefährlich erscheinend, passt optisch beinahe ähnlich schlecht in dieses Milieu wie der Inspektor und avanciert zu einer überraschend verschlagenen, ebenfalls in erster Linie auf den eigenen Vorteil bedachten Gefahr für Viveca, bis sie am eigenen Leibe erfahren muss, dass Rauchen tödlich sein kann… Ein Drogenrausch wird mittels verschwommenem Bild visualisiert, die Nackedeis, die Columbo in Vivecas bizarr erscheinendem Schlankheits-Beauty-Bootcamp-Tempel erblickt, bekommt man hingegen leider nicht zu Gesicht.
„Also wirklich, Sie gehören ja ins Museum!“
Wann immer sich jemand an den Händen kratzt, erklingt von der Tonspur ein Ratschefisch, der, zuweilen auch in anderen Szenen vorkommend, immer mehr an Bedeutung gewinnt, da er in Kombination mit den entsprechenden Bildern Zweifel sät, ob die neue Wundercreme nicht vielleicht doch schädlich ist. Die allergische Reaktion, die den Juckreiz auslöst, spielt schließlich auch eine entscheidende Rolle bei Vivecas Überführung, deren Zeitpunkt verdeutlicht, dass die 70 Minuten Laufzeit dieser Episode bereits beinahe um sind. Dass sie damit etwas zu kurz erscheint, spricht für ihren Unterhaltungswert, wenngleich die Auflösung einmal mehr lediglich wie ein weiteres Indiz denn ein handfester Beweis anmutet. Dass die so herrisch und kühl auftretende Viveca, die am Ende sogar den Sergeant herumkommandiert, sich nicht weiter herauszuwinden versucht, scheint in erster Linie der knappen Laufzeit geschuldet und lässt „Ein Hauch von Mord“ etwas unrund erscheinen. Zudem wirkt Vincent Price mit seinen nur zwei Auftritten fast schon verschenkt, zumal er leider nie Gelegenheit bekam, einmal den Mörder innerhalb der „Columbo“-Reihe zu mimen.
Die wie gewohnt um einige humoristische Momente ergänzte Handlung überzeugt nichtsdestotrotz mit ihrem Kontrast aus dem Inspektor auf der einen und Viveca auf der anderen Seite, der von vornherein derart offensichtlich ist, dass es etwas weniger die jeweiligen Positionen und Weltbilder auslotender Dialoge als in anderen Episoden bedarf. Eine ganze Reihe ausdrucksstarker Bilder, das versierte Schauspiel und die netten audiovisuellen Spielereien machen „Lovely But Lethal“ (so der etwas stimmigere Originaltitel) der nicht ganz befriedigenden Auflösung zum Trotz auch heute noch zu einem Vergnügen.