"Is dat Columbo, ey?" - "Ne, glob ick nich. Der loft doch hier nich mit dem schäbigen Mantel rum." (Himmel über Berlin)
Lady in Waiting ist die 5. Episode von Columbo (bzw. die 7., wenn man die beiden Pilotfilme dazuzählt), und zweifellos eine der weniger bekannten. Zumindest wenn ich eine Referenz bin, wo ich doch dachte, schon alle Folgen zu kennen. Vielleicht war ich deswegen etwas aufmerksamer als sonst.
Dann taucht Leslie Nielsen auf, in einer Gast-Rolle. Das hat mich echt umgehauen. Eine ernsthafte Rolle! Hätte ich doch gewettet, Naked Gun wäre 1987 sein erster Film gewesen. Natürlich nicht! Der Mann hat seit 1950 über 300 TV Episoden gedreht, die Mehrzahl davon ernste Sachen. Jetzt war ich wirklich gespannt.
Ich verstehe schon, warum diese Folge von Columbo selbst bei Fans nicht so ankam. Eine Mörderin am Rande der Unzurechnungsfähigkeit, das passt so gar nicht ins Konzept der kühlen Verbrecher. Auch die Tatsache, dass man gleich errät, was letztlich der Beweis sein wird, dürfte den geneigten Kriminologen zum Nichtstun verdammen oder zum Ausschalten. Schade, entgeht ihm doch ein psychologisches und schauspielerisches Bravurstück.
Der Regisseur drehte zuvor rund 20 Alfred-Hitchcock-Episoden. Das merkt man, denn statt der akribischen Beweissuche gibt es ein von vornherein drohendes Damoklesschwert, dessen Gewicht sich im Laufe des Films auf die Täterin niedersenkt. Susan Clark wurde später recht bekannt mit der Comedy-Serie Webster (150 Folgen). Hier zeigt sie sich als manische Despotin, lange genug unterdrückt und schließlich selbst durchgeknallt.
Ihr zur Seite steht ein charmanter, gut aufgelegter Leslie Nielsen. Von Naked Space noch nichts zu spüren. Wann hat der Mann wohl seine komische Seite entdeckt? Das würde ich ihn gerne mal fragen.
Die Story stammt von jemandem, der vorher schon Episoden für Bonanza geschrieben hat, für Time Tunnel, Lost in Space, und sogar Lassie. Da brauche ich jetzt glaube ich mal ein Taschentuch...
Tja, jetzt sollte dieses Review wohl enden, aber ich habe noch zu berichten, dass Columbos Pointen gerade diesmal alle messerscharf sitzen, angefangen von der Zeitung, die er in seiner ersten Szene durchblättert, auch wenn man erst später versteht, warum. Mit einem Hund legt er sich an, die versnobte Mutter der Mörderin blamiert er mit Leichtigkeit, sein Auto fährt er diesmal mit offenem Verdeck, seine Zigarre sorgt für Kopfzerbrechen, seine Frau zitiert er gleich mehrfach, und er geht auch mehrmals hinaus, um dann doch noch mal mit einer Frage zurückzukommen. Für Fans ist alles dabei, für Perlensucher wie mich ein Volltreffer.