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Der frischgebackene Regisseur Hyun-seong (JANG Hyun-seong) aus Seoul verzweifelt an einem Schaffenstief. Nur oberflächlich dient dies als Grund, seinem Alltag zu entfliehen und sich einige Tage auf der schönen Insel Udo niederzulassen. In Wahrheit will er ein altes Versprechen einhalten. Mit seiner damaligen Lebensgefährtin hat er vereinbart, sich nach 10 Jahren wieder in dem selben Hotel zu treffen, indem sie gemeinsam einige Zeit verbracht haben. Mit der Hoffnung, dass auch sein Gegenpart das Versprechen einlöst, verbleibt Hyun-seong einige Tage und lernt sowohl Insel, als auch die Hotelbesitzerin So-yeon (LEE So-yeon) kennen und lieben.

Ursprünglich sollte 'Feathers In The Wind' nur einer von drei Kurzfilmen der Sammlung '1.3.6.' werden. Doch das wahrscheinlich schönste koreanische Stück Film aus dem Jahre 2005 wurde berechtigterweise kurz nach der Premiere in Seoul als eigenständiger Streifen veröffentlicht.

So simpel die Geschichte ist, so wunderschön ist sie auch inszeniert und für das Publikum anzusehen. Nach beeindruckenden Werken wie 'Flower Island' und dem mysteriösen 'Spider Forest' wagt sich Regisseur SONG Il-gon an ein für Südkorea typisches Melodrama, und hat damit einen unglaublichen Erfolg unter Liebhabern des sensiblen Kinos. Immer wieder fokusiert der Streifen sich auf poetische Details und ästhetisch wunderschöne Momente des zwischenmenschlichen Miteinanders. Positiv hinzu kommen die atemberaubenden Naturaufnahmen der kleinen Insel Biyang-do, die das Gesamtbild des Filmes noch einige Stufen aufwerten. Denn kaum ist es jemandem zuvor gelungen, die Schönheit von Koreas Insellandschaft so traumhaft einzufangen. Dass der Film ausschließlich mit Handkameras gedreht wurde (ein Markenzeichen von Regisseur SONG), verleiht ihm nur zusätzlichen Flair und kommt alles andere als amateurhaft rüber. Unterstrichen wird das warme Bild des Werks dann noch durch den wundervoll dezenten Soundtrack.

Unglaublichen Charme versprühen auch die beiden sympathischen Hauptdarsteller, um die sich das Werk dreht. JANG Hyun-seong stellte bereits in Filmen wie 'Shiri', 'Nabi' und 'Kiss Me Much' sein vielseitiges Talent unter Beweis und gibt hier eine atemberaubende und ehrliche Vorstellung eines innerlich zerbrechlichen Charakters. Die zauberhafte LEE Hyun-seong steht dem ins nichts nach und überzeugt in ihrer bis dato bedeutendsten Rolle.

SONG Il-gon versteht es, aus ganz wenig sehr viel herrauszuholen. Und wer aus einer solch simplen Geschichte ein derart wunderschönes, bis ins Detail traumhaft inszeniertes Kunstwerk macht, verdient tiefste Anerkennung. 'Feathers In The Wind' - wenn auch nicht 100% makellos - stellt alle Konkurrenten des Jahres in den Schatten und bleibt tief im Inneren des interessierten Zuschauers verankert. Jeder der bereits selbst zu sehr an schmerzhaften Erinnerungen hing, die er besser vergessen hätte sollen, wird die Seele dieses Films verstehen und zu schätzen wissen.

Vergleichbar mit Werken wie LEE Young-jaes 'Harmonium In My Memory', erfindet 'Feathers In The Wind' nichts neu, präsentiert seine Geschichte aber so schön und wohldosiert, dass man getrost von einem zeitlosen Juwel sprechen kann. Es entstand ein simples, aber sensibles und romantisches Low-Budget-Meisterwerk, welches ohne Zweifel seines Gleichen sucht. Und einmal mehr festigt Regisseur SONG Il-gon seine Position als einer der vielversprechendsten und talentiertesten Filmemacher Südkoreas. Denn trotz der minimalistischen Mittel erschafft er immer wieder verblüffende Kunstwerke, die dem Zuschauer für lange Zeit in Erinnerung bleiben. Und 'Feathers In The Wind' ist dabei keine Ausnahme. Ein Film, der so schön ist, dass man weinen könnte...

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