In der letzten Zeit hab ich häufiger auf Tipps von wirklichen Kennern der Materie auf Twitter vertraut, die sich auch den relativen Bodensatz anhand einiger Features oder Kameraeinstellungen schön reden können – immerhin kommt man so auf Empfehlungen, die man im Leben nicht selbst gefunden hätte.
Allein: die Erwartungen bei so etwas sollte man gepflegt zurück schrauben, denn das Gesamtbild sieht meist anders aus.
Anhand der Fotos aus „One Dark Night“ hatte ich schon einen passablen Grusler erwartet, thematisch (und weil die Bezüge immer wieder kolportiert werden) eine Mixtur aus „Poltergeist“ und „Mausoleum“.
Wer tiefer forscht, entdeckt allerdings eine von diesen „troubled productions“ eines Debütregisseurs (Tom McLoughlin wurde später ein stabiler TV-Angestellter mit einem soliden Output), dessen „fast fertiges“ Werk von der Produktionsfirma aus seinen Händen geschweißt wurde, um es mit nachgedrehten Szenen und umgeschnitten zu einem Kurzeinsatz in den Kinos rauszuhauen.
Das Ergebnis war für alle Beteiligten unbefriedigend, allerdings bin ich nicht bereit, in diesem Fall nach einem „Director’s Cut“ zu fragen, denn das Ergebnis ist jenseits von wirklich denkwürdig.
Worum es geht: irgendein mit Lebensenergie experimentierender Meisterokkultist hat der Blitz beim Geschirrabwaschen getroffen, weswegen sein kompletter Tellervorrat samt Besteck nun halb in den Wohnungswänden steckt. Behördlich noch schlimmer sind allerdings die sechs Frauenleichen in der Speisekammer. Wie das geschehen konnte, ahnt keiner, aber die Leiche des Magus gibt immer noch Stromstöße ab, das ist ein gewisses Kribbeln vorprogrammiert. Das bringt, angeleitet von einem mysteriösen Informanten, die verstoßene Tochter des Okkultisten ab Beerdigung auf den Plan, wenn diese sich auch erstmal gegen ihren desinteressierten Ehemann durchsetzen muss (hier ist TV-Batman Adam West leider mal wieder in einer nichtssagenden Rolle zu sehen, die er mehr wegen anhaltender Arbeitslosigkeit zugeschustert bekam).
Parallel dazu haben wir ein schnuckeliges Teenagermausi, welches liebend gern in eine bitchige Schwesternschaft aufgenommen werden möchte. Dazu muss sie aber die Nacht in einem großen Mausoleum verbringen, wo – wir ahnen es – besagter Okkultist gerade in seine ganz persönliche Nische eingelagert wurde. Warum sie zu diesen Arschlöchern will (also denen aus ihrer Schule), wird nicht ganz klar, aber die Hellste ist sie auch nicht, hat aber einen hübschen Freund.
Gespielt wird das Haserl von einer Meg Tilly in der Blüte ihrer Jugend, der gemäß Produktionsinfos so sehr die Muffe ging, in diesem Begräbnispalast spielen zu müssen, dass ihre offensichtliche Abscheu wohl echt war.
Nach etwa einem Drittel setzt sich der Film dann in dem Beerdigungsbau fest und sitzt da wie mit dem Arsch angeschraubt. Allein, es passiert erst mal noch wenig. Ein paar Vasen fallen runter, hier und da kriegt eine Wand Risse und zur Ergänzung wollen zwei der drei Bitches den Spaß noch eine Runde weiter treiben und steigen unbemerkt ein. Derweil nimmt der Boyfriend die Verfolgung aucch, später auch noch des Okkultisten Töchterlein.
Nur bringt das nicht viel, denn außer Location hat der Film so lange nüscht zu bieten, bis Occu-Karl Rhamarevich dann endlich die ganzen Särge aus den Nischen schubsen lässt und die darin befindlichen Leichen in verschiedenen Verwesungsstufen sich eckig auf die Stümpfe machen. Ihr Ziel: nach den Lebenden greifen (jaja, stimmt in diesem Fall), gegen sie laufen, sie anschubsen, sich auf sie fallen lassen und unter sich begraben. Kann sein, dass Karl damit dann noch Lebensenergie abzapft, man weiß es nicht.
Karl selbst ist ein flottes Prop-Vieh, welches ordentlich Blitze zucken lässt und dreinschaut wie die Barbievariante des Predigers aus dem zweiten Poltergeist, eine geradezu prophetische Wahl.
Der Rest des Films ist dann blanke Hysterie mit einer anrückenden Leichenfront, aber da das alles nicht mehr hergibt, werden nun endlose Wiederholungen von angeschobenen und semibeweglichen Leichenprops ins Bild gezerrt, immer wieder, immer mehr, immer wieder..sorry, war kurz eingenickt.
Hilfe ist natürlich nah, denn Friend und Tochter des Böslings eilen zur finalen Konfrontation, die aber auch ausschließlich für den Video-Markt taugt – mir ein Rätsel, wie ein so bemüht gedehnter Film wirklich für einen Kinoeinsatz infrage kam.
Ein Fest für alle, die diese Leichenbastlerarbeiten mögen, für einen wirklich spannenden Film genügt es nicht, außer man sieht sich an der Location satt. Wäre Karl mal so richtig als Typ und mit Dialog wieder auferstanden, wäre es vielleicht lustig geworden, aber so passiert in 89 Minuten einfach zu wenig und ist nicht meisterhaft genug in Form gepresst, wie es ein Carpenter vielleicht geschafft hätte. Zurecht heute ein Kuriosum aus einer aufregenden (Horror)-Zeit. (3/10)