Review

So ist das nun mal mit Scheidungskindern und ihren Problemen. Daran wird sich nie etwas ändern, weder hier noch in Amerika, ob in den 80ern geschehen oder in zehn Jahren.
Regisseur und Autor Noah Baumbach erzählt eine teilweise autobiographische Geschichte, die er als Kind in den 80ern erlebt hat, - als Scheidungskind.

Baumbach schildert das komplexe Porträt einer Familie:
Bernard , ein kleiner Patriarch, der sich für den besten Schriftsteller gleich hinter Charles Dickens hält und Frau Joan, deren erste literarischen Versuche bereits hohen Anklang finden, trennen sich nach 17 Jahren Ehe und beschließen ein gemeinsames Sorgerecht für ihre Kinder Walt(16) und Frank(12), was natürlich nicht ohne kleinere und größere Probleme abläuft.

Kleine, aber fiese Machtspiele führen dazu, dass die Kinder Partei ergreifen und Mom oder Dad nicht mehr sehen wollen, die sich jeweils in neue Beziehungen stürzen. So etwas färbt natürlich auch auf die Kinder ab, so versucht Walt eine Beziehung zu einer Mitschülerin aufzubauen, obwohl er ihre Sommersprossen unästhetisch findet und eigentlich lieber etwas mit Studentin Lili anfangen würde. Aber die interessiert sich mehr für seinen Vater.
Etwas graphischer werden die Probleme des zwölfjährigen Sohnes Frank dargestellt: Er trinkt anfangs „nur“ Bier, greift später zu härteren Drinks und kloppt sich einen in der Schulbibliothek, um das Ejakulat über die Bücher zu schmieren.
Die sexuelle Komponente ist stark ausgeprägt, für meinen Geschmack zuweilen etwas zu sehr.

Dafür ist die Herausarbeitung der Charaktere sehr feinfühlig ausgefallen und wird von einem hervorragenden Darstellerensemble vorgetragen. Ob nun Jeff Daniels oder Laura Linney als Eltern oder die beiden Jungmimen Jesse Eisenberg als Walt und Owen Kline (Sohn von Kevin Kline) als Frank – alle agieren realitätsnah, so dass man keine Mühe hat, sich in die Figuren hineinzuversetzen.

Wer allerdings bei diesem Scheidungskrieg ein ähnlich dramatisches Werk wie „Kramer gegen Kramer“ erwartet, dürfte enttäuscht werden, denn hier wird „nur“ erzählt und das sehr realitätsnah und ohne große Überraschungen. Das ist auf der anderen Seite allerdings auch ein Nachteil, da die Situation von Scheidungskindern nun mal alltäglich ist und auch diese Geschichte keine Ausnahme macht. Der Film liefert quasi einen Auszug von alltäglichen Situationen, keinen Plot-Twist, keine Pointe, kein eindeutiges Ende. Insofern schon etwas ideenlos und unspektakulär, aber – sehr schön erzählt, so dass es nie uninteressant wird.
Neben den guten Darstellern sind es auch die Dialoge, die man mit ihnen erleben darf. Mal nachdenklich, mal witzig oder überaus zynisch, - alles andere als hohle Phrasen kann man vernehmen und mit dem Einbau einiger Metaphern liefert Baumbach noch einen kleinen Bonus ab.

Da ist zum einen das Tennisspiel gleich zu Beginn: Vater will einfach nur gewinnen, Mutter stellt sich zickig an und die beiden Söhne stehen bereits auf der jeweiligen Seite des Spielfeldes, für die sie sich später entscheiden werden.
Dann der Kater, der der ganzen Familie gehört: Ständiges Hin und Her mit den Besuchen der Söhne, bis es ihm zuviel wird und er ausbüchst.
Und nicht zuletzt der titelgebende Wal, der einen Tintenfisch im Maul hat( als Skulptur in einem Museum). Ein Machtspiel, wenn es um Leben und Tod geht. Ein Machtspiel, wenn es beim Scheidungskrieg um die Kinder geht.

Zugegeben, die Thematik gibt zwar nicht allzu viel her, aber Baumbach hat ohne Dazutun von künstlicher Dramatik einen ansprechenden Film geschaffen, der authentisch wirkt und mit notwendiger Tiefe vorgetragen wird.
7 von 10 Punkten

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