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„Actionorgie der Gehirnzwerge von übermorgen“ so lautete die Uraufführungskritik der Münchner Abendzeitung zu diesem Streifen. Woraus man schon ersehen kann, daß sich ihr das satirische Element von „Death Race 2000“ nicht so recht erschließen wollte.
Das große Manko des Films ist schnell benannt: Für einen ernstzunehmenden Action-Reißer fehlte es den Machern an Geld, für eine annehmbare Satire an Talent.
Ein Jahr nach Norman Jewisons „Rollerball“ entstanden, zeigt auch „Death Race 2000“, wie ein autoritäres Regime versucht sein Volk durch Brutalo-Sportveranstaltungen mit modernen Gladiatoren von den bestehenden politischen Verhältnissen abzulenken.
Während „Rollerball“ allerdings millionenschweres Hollywoodkino der Major-League war, ist Paul Bartels Film ein Produkt der Roger-Corman-Factory. Also Low-Budget in Reinkultur.
Zwar führt ein kleines Budget sehr oft zu großer Inspiration und tollen Filmen, was ja nicht zuletzt Roger Corman und seine Schützlinge in unzähligen Genrebeiträgen bewiesen haben, aber gerade im Science-Fiction-Film erntet man schnell einiges Hohnlachen, wenn die monetären Voraussetzungen keine adäquate Umsetzung des Sujets zulassen.
So wird das titelgebende Autorennen zwischen New York und Los Angeles zwar vollmundig als das bedeutendste Sportevent der westlichen Hemisphäre angekündigt, das Ganze wirkt aber eher wie eine Provinzrallye mit zur Originalgröße mutierten Matchboxautos, übertragen vom Sat-1-Frühstücks-Fernsehen.
Regisseur Paul Bartel ging daher mit seiner karikierenden Inszenierung den richtigen Weg, obwohl sein Mentor Roger Corman ursprünglich der Meinung war, das „Death Race“ nur als ernstzunehmendes Car-Crash-Movie Kasse machen würde.
Die Story wirkt wie eine jener berühmt-berüchtigten Genre-Persiflagen des "MAD"-Magazins.
Besonders perfide ist die Idee, das den Teams für das Überfahren von Fußgängern zusätzliche Bonuspunkte winken, wobei die höchste Punktzahl vergeben wird, wenn man es schafft Passanten die der Ü-75-Altersklasse angehören, unter die Räder zu kriegen. Das lädt natürlich zu einigen schönen, schwarzen Gags ein. Zum Beispiel schiebt das Personal eines Pflegeheims die Patienten im Rollstuhl auf die Strecke, um seinem Favoriten einen ordentlichen Punkteregen zu bescheren, wenn dieser dann stattdessen die Ärzte- und Schwesternschaft niederbrettert, ist der Spass dann vollkommen.
Überhaupt hat der Film seine besten Momente in den Szenen, wenn die Boliden Jagd auf mehr oder weniger hilflose Fußgänger machen oder mitunter auch vom Jäger zum Gejagten werden.
Leider schafft es Bartel aber nicht einen geradlinigen Stil beizubehalten und versinkt deshalb immer wieder im reinen Trash. Zwischen einigen gelungenen Passagen staut sich einfach zu viel uninspiriertes Flickwerk. Es gibt ein paar herkömmliche Stunts und Explosionen, etwas Tits and Ass, ein paar kurze Splatter, eine Menge dummes Gefasel und viel schlechte Musik.
Die Darstellung der Fahrer, unter anderem mit Sylvester Stallone als Gangsterverschnitt Machine-Gun Joe Viterbo, Roberta Collins als Mathilda die Hunnin und ihrem Nazi-Navigator Herman the German, die schon mal ein lautes „Sieg Heil“ brüllen, wenn sie gepunktet haben, oder David Carradine als Frankenstein im Karnevalskostüm, soll anscheinend eine witzige Reminiszenz an die Schurkenklischees des amerikanischen Films sein, ist aber nur blöder Mummenschanz.
Hätte ein talentierterer Regisseur, vielleicht Meister Corman selbst, hier die Fäden in der Hand gehabt, wäre dies vielleicht eine lustige kleine Preziose des schwarzen Humors geworden. So bleibt es eben nur bei einer kurzweiligen Siebziger-Trash-Gurke.

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