Offenbar erlebt der Terrorfilm momentan seinen zweiten Frühling, nach „Hostel“ wird nun auch in Australien Jagd auf Touristen gemacht.
Darf man denn nun nirgends in Ruhe seinen Urlaub verbringen, oder wie stellt sich die Filmindustrie das vor? Soll ja wieder einmal auf wahren Tatsachen beruhen, da in Australien angeblich jedes Jahr 30000 Leute vermisst werden…
Entweder die haben sich alle in den Outbacks verlaufen oder es handelt sich um Kängurus.
Aber der Terror soll ja auch einen authentisch wirkenden Hintergrund erhalten und so erlebt der Zuschauer das harte Schicksal dreier Rucksacktouristen, die an einen verrückten Schlachter geraten, - könnte also jedem von uns passieren…
Die drei – Liz und Kathy aus England, Ben aus Sydney – wollen sich den großen Krater bei Wolf Creek ansehen, die Rückfahrt gelingt nicht, weil ihr Auto nicht anspringt. Der nette einheimische Mick schleppt sie ab und schon geht der Terror los…
Na ja, ganz so schnell kommen die Nervenkitzeljunkies nicht auf ihre Kosten, denn Regisseur und Autor McLean lässt sich richtig viel Zeit mit dem Vorgeplänkel.
Erstmal feuchtfröhliche Poolparty, doofe Songs mit Gitarrenbegleitung und anzügliche Bemerkungen Einheimischer an einer Raststätte und zwischen Ben und Liz gibt es noch ein paar zurückhaltende Küsschen (aber irgendwie süß, die Szene).
Bis es wirklich zur Sache geht, vergehen tatsächlich fast 50 Minuten!
Natürlich beeindrucken die Naturaufnahmen der australischen Landschaft, schön in kräftigen Farben eingefangen und teilweise mit Farbfilter unterstützt. Der riesige Krater ist wirklich ein faszinierender Schauplatz, doch um drohendes Unheil einzuläuten, bedarf es beileibe nicht so vielem Drumherum.
Klar, der Zuschauer riecht schon den makaberen Braten, wenn der ach so hilfsbereite Mick über seine Vergangenheit als Jäger erzählt und die Musik gemächlich ins Unheilvolle schwenkt.
Da werden zunächst noch Witzchen gemacht, „Crocodile Dundee“ zitiert und um die Wette gerülpst. Noch ahnt niemand der drei Twens das bevorstehende Unheil.
Kurz darauf erfolgt ein Schnitt und im nächsten Moment sieht man ein Close-Up von Liz Augen, die sich allein und gefesselt in einem kleinen Raum befindet.
Ab jetzt heißt es mitzittern.
Und es geht schön reihum, jeder bekommt seine Folter oder kann sich zunächst befreien, - je nachdem. Geschickt spielt McLean mit den Hoffnungen und Ängsten des Zuschauers, indem er den beiden Frauen zunächst Sicherheit gewährt und Ben eine ganze Zeit außen vorlässt, - der kommt dann mit kleinem Plot-Twist etwas später zurück.
Spiel mit der Angst des wehrlosen Opfers, Flucht mit dem Auto, einige Finten, Rückkehr zum Terrorhaus…doch, die zweite Hälfte bewirkt ein paar spannende Momente, aber der Nervenkitzel hält sich in Grenzen.
Insgeheim hatte ich gehofft, ein zweites, leicht differenziertes „Hostel“ serviert zu bekommen, doch irgendwie fehlt hier die Würze.
Die Gewaltszenen sind nicht sonderlich blutig oder explizit, das Tempo nicht wirklich hoch und die vier Darsteller performen zwar recht brauchbar, doch die nackte Angst kann ich ihren Gesichtern nicht entnehmen.
Auch die Musik hält sich dezent zurück und überlässt den manchmal etwas dumm handelnden Figuren das Feld. Da steckt natürlich viel Panik dahinter, wenn der Schlachter bereits am Boden liegt und man ihm eigentlich nur den Schädel zertrümmern müsste, ihm aber nur auf den Rücken klopft, damit dieser wieder zu sich kommt…
Und wenn man sich möglichst unbehelligt aus dem Staub machen will, wird man wohl kaum Scheinwerfer einschalten, um auf sich aufmerksam zu machen…
Aber generell hat mir ja schon der Urfilm des Backwoodterrors – Texas Kettensägen Massaker – gut gefallen und seitdem mag ich diese Filme, bei denen unbescholtene Bürger einem oder mehreren Inzuchtprodukten zum Opfer fallen.
Bei „Wolf Creek“ hätte ich etwas mehr Nervenkitzel und intensiveres Spiel mit der Angst der Opfer erwartet, doch das Tempo in der zweiten Hälfte passt und ich kann zufrieden nach Hause gehen:
Kreis Lippe, großräumiger Teutoburger Wald, Bauern, die noch nie ein Handy gesehen haben, aber eine Kuh mit einem Taschenmesser schlachten können…ich sollte umziehen…
7 von 10 Punkten