Selten einen besseren und realistischeren Horror gesehen! Eine Story, die sich ganz langsam in beeindruckender Naturkulisse aufbaut, erstklassige Darsteller, die man zu 100 Prozent sympathisch findet, eine prima passende und gut entwickelte Story und dann ein Killer – der alle Fantasiewesen wie Freddy Krüger & Co. in den Schatten stellt.
Regisseur Greg McLean hat damit eines der vielversprechendsten Regiedebuts der letzten Jahre geschaffen und macht Appetit auf mehr!
Im Prinzip kann man die Intensität von Wolf Creek nur mit „Tanz der Teufel“ vergleichen. Tatsächlich gibt es auch Ähnlichkeiten, beispielsweise haben sowohl Sam Raimi (TDT), als auch Greg McLean (Wolf Creek) ihre Filme als absolute Nonames gemacht.
Beide hatten kaum Geld zur Verfügung (Fertigstellung des Films war ständig gefährdet), aber durch extreme Inspiration (u. a. eigenes Drehbuch) haben sie diesen Nachteil mehr als wettgemacht.
Aber gleichzeitig ist der Vergleich vollkommen falsch, denn Tanz der Teufel ist reine Fiktion, lebt von übernatürlich bösartigen Zombies und dem im Wald begrabenem Bösen – Alles Dinge, die Wolf Creek nicht braucht. Hier ist das Böse real und deshalb gefällt der Film auch deutlich besser.
Jeden kann der hier gezeigte Horror treffen. Das ist eine Botschaft, die nach dem Film garantiert jeder Australienurlauber mit nach Hause nimmt – und garantiert nie wieder vergessen wird (und das erinnert an Spielbergs "Weisser Hai" - danach wollte keiner mehr an der Westküste baden - Jetzt die Frage: wer hat Lust auf Urlaub im abgelegenen Australien?).
Gut beobachtet ist bei Wolf Creek auch, wie das „sogenannte Böse“ funktioniert: Anfangs ist es unscheinbar, allerhöchstens etwas seltsam ... und dann entfaltet es sich mit einer Brutalität, die man so nicht erwartet hat und die deshalb auch richtig weh tut.
Aber trotz aller – hier recht drastischen Szenen – ist Wolf Creek kein gewaltverherrlichender Film. Alles hier Gezeigte wirkt abstoßend brutal, passt in die Situation und erzeugt dadurch größtmögliche Angst. Im Prinzip hat das fast schon Spielberg Qualitäten (Soldat James Ryan). Jedenfalls gibt es bei Wolf Creek keinen Gewalt-Selbstzweck oder genüsslich zelebrierte Schlachtorgien (wie beispielsweise in „Hills have Eyes“).
Manche Kritiker haben den Film mit Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre verglichen, aber tatsächlich gibt es kaum Parallelen. Wer sich TCM ansieht, merkt schon nach den ersten Minuten, dass die gesamte Szenerie hochgradig irreal ist. Hooper wollte schockieren - das ist ihm auch gelungen - aber eine Einbettung in die Realität war ihm scheinbar egal. Spätestens nach dem die Wochenendausflügler den verrückten Anhalter mitgenommen haben, steigt man als Zuschauer aus. Dann ist unbestreitbar klar, dass man in einer parallelen Fantasywelt angekommen ist. Dadurch geht leider viel Spannung flöten. Unangenehm wirkt dann auch noch die extrem billige Optik.
Nichts davon bei Wolf Creek. Die Landschaftsaufnahmen sind erstklassig und das wirklich erstaunliche ist, dass McLean zunächst eine ganz flüssige Geschichte erzählt (ähnlich wie Raimi in Spidermans erster halber Stunde). Die handelt von drei Jungen Leuten, die partytauglich sind und im Australienurlaub Naturdenkmälern suchen.
Ihre Dialoge sind realistisch, die Geschichten hat ihren Reiz. Alles ist so stimmig inszeniert, dass sich daraus ohne Probleme eine Beziehungsgeschichte entwickeln könnte – aber dann ... geht der Horror los. Und der ist so furios inszeniert, dass man den Film nur empfehlen kann.
Meiner Meinung nach der beste Horror des Jahres!