Ein 55-jähriger Werftarbeiter, Peter Mullan, weiß, nachdem er arbeitslos geworden ist, nicht mehr weiter. Das Verhältnis zu seinem Sohn beginnt zu bröckeln und Mullan verfällt in immer tiefer werdende Depressionen. Als seine Freunde ihn damit aufziehen, dass er jetzt Zeit hätte, um den Ärmelkanal zu durchschwimmen, hat sein Leben wieder einen Sinn und, was als Spott gemeint war, wird in die Tat umgesetzt. Mullan stellt sich dieser persönlichen Herausforderung und beginnt für die Durchquerung des Kanals zu trainieren, womit er sich noch weiter von seiner Familie absondert.
Die Story ist innovativ und nicht so leicht vorherzusehen. Die Grundidee um einen verzweifelten Mann, der sich einer großen Herausforderung stellt ist nicht schlecht. Die Wendungen können zum Großteil überraschen, da der Film nicht nach gängigen und vorhersehbaren 0815-Mustern gestrickt ist. Die Hauptfigur wurde charakterlich solide konstruiert und sehr liebenswert gestaltet. Auch die Nebenfiguren kommen nicht zu kurz. Das beste ist jedoch die hervorragende Darstellung, wie weit ein scheinbar ausgebrannter Arbeitsloser durch pure Willenskraft kommt. Alles in allem eine ordentliche Story.
Der Film läuft ein wenig langsam, da erst einmal die wichtigsten Charaktere in Ruhe vorgestellt werden. Vor allem der Mittelteil ist sehr gut gelungen. Man fiebert als Zuschauer mit der Hauptfigur mit und da die Frage, ob er seine Herausforderung besteht, bis zum Ende aufrecht erhalten wird, bleibt der Film immer unterhaltsam. Zwischendurch wird der Film öfters emotional, wobei die guten Darsteller verhindern, dass er in den Gefühlskitsch abrutscht. Darüber hinaus gibt es ein paar amüsante und lustige Stellen, die den Film aber nicht ins Lächerliche ziehen. Das Finale ist dann richtig spannend und sehr emotional. Der Film wird hervorragend beendet und lässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück.
Die Umsetzung ist ebenfalls ordentlich. Obwohl er bisher kaum durch andere Filme in Erscheinung treten konnte, leistet der unerfahrene Regisseur Gaby Dellal gute Arbeit. Die Musik ist jederzeit dezent und relativ melancholisch und kann den Film damit ordentlich unterlegen. Die Kulisse ist hervorragend. Vor allem bei der Durchquerung des Ärmelkanals kann Dellal durch hervorragende Aufnahmen und Unter-Wasser-Perspektiven beeindrucken. Auch der Schnitt gelingt gut und das Erzähltempo stimmt. Die wenigen Witze sind gut dosiert, genauso, wie die emotionalen Momente. Alles in allem leistet Dellal überraschend gute Arbeit.
Der Cast verfügt kaum über bekannte Darsteller. Peter Mullan, der bisher kaum durch größere Blockbuster in Erscheinung treten konnte, leistet gute Arbeit. Seine Darstellung ist schlicht und größtenteils gefühlsarm und passt damit hervorragend zum Film. Billy Boyd, der bisher immerhin eine größere Rolle in der "Der Herr der Ringe Trilogie" vorzuweisen hat, spielt ebenfalls gut. Außerdem ist die Oscar-Nominierte Brenda Blethyn (Grasgeflüster, Lügen und Geheimnisse) mit von der Partie. Wirklich alle Darsteller leisten hervorragende Arbeit.
Fazit:
Obwohl der Film eigentlich sehr unbekannt ist und kaum über prominente Darsteller oder einen erfahrenen Regisseur verfügen kann, ist er wirklich gut und empfehlenswert. "An einem klaren Tag" ist einfach erfrischend anders und innovativ und somit ein echter Geheimtipp. Die Story ist gut, der Film wird nicht langweilig und ist komisch, emotional, traurig und spannend. Darüber hinaus lassen die guten Darsteller den Film niemals in den Gefühlskitsch abrutschen. Wer jedoch ein Gagfeuerwerk erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Ansonsten: Unbedingt ansehen!