Die erste Dokumentation, die mich nach "Bowling for Columbine" interessiert hat - aber das erste Mal eine Tierdoku. "Deep Blue" steht seit Monaten im Schrank, verstaubt aber langsam, und "Nomaden der Lüfte", „Genesis“, „Mikrokosmos“ usw. haben nie ein besonderes Interesse geweckt. Aber da es diesmal um Pinguine geht, konnte ich mich nicht zurückhalten und bin ins Kino gegangen. Und verließ es mit gemischten Gefühlen...
Der Zuschauer erlebt einen Winter mit den Kaiserpinguinen mit. Diese machen sich auf einen langen Weg zu der einzigen geschützten Brutstätte, wo hunderte von ihnen neues Leben schaffen werden. Nach der Paarung wird das Ei vom Vater geschützt, während die Mutter zurück zum Ozean geht, um Futter für sich und das Kind zu holen. Erst nach Wochen, wenn sie zurückkommt, schlüpft der kleine Pinguin, der daraufhin bei ihr bleibt, während nun der Vater "essen geht". So geht es einige Wochen hin und her, bis die Kleinen stark genug sind, um alleine zu überleben...
Diesem Prozess schaut man 80 Minuten gespannt zu, sollte sich aber leider fernab der Bilder auf keinen Geniestreich, zu dem er liebend gerne gemacht wird, da er immerhin der 2. erfolgreichste Dokufilm in den USA (nach "Fahrenheit 9/11") ist, einstellen, da ihm einfach Informationen fehlen. Das liegt zum Großteil an der Tatsache, dass man sich hier nicht für einen klassischen Erzähler entschieden hat, sondern viel mehr auf die Kinder abzielte und das Schicksal einer Pinguinfamilie verfolgt. Diese "denkt", zunächst Mutter und Vater, später nach der Geburt aber auch das Kind, den ganzen Film über (Beispiel: "Nun machen wir uns wieder auf den weiten Weg..."). Um hie und da mal einen kleinen Fetzen Information zu finden, bedarf es genauem hinhören, denn auch dort vermochte man nicht genügend Infos reinzustopfen, sodass man sich als Dokufan ziemlich verlassen fühlen müsste. Der fehlende Erzähler ist da dann noch die Krönung.
Der zweite wichtige Punkt der Tierdokus wurde dann aber glücklicherweise konsequent, klassisch durchgeführt: die Bilder. Die sind hier das einzige, was den Zuschauer über elf wach halten kann. Hervorragend eingefangen, sind es einzig die Bilder der tollpatschigen, durch die Gegend watschelnden Tiere, die den Film vor der Bedeutungslosigkeit retten. Man kann praktisch die Kälte im Kinosaal spüren und freut sich, dass man sich diese Qualen nicht antun muss. Angefangen bei dem Auftauchen aus dem Ozean, hin zu der langen Reise (wenn ich mich nicht irre, wird nicht mal gesagt, wie weit dieser Weg wirklich ist), bis zu dem Paarungs“tanz“ und dem anschließenden Ausbrüten. Wenn hunderte der Pinguine dicht gedrängt aneinander stehen und versuchen, sich gegen den Schneesturm zu schützen, vergisst man glücklicherweise, dass es bald wieder einen, nennen wir ihn ruhig mal so, Off-Kommentar geben wird (irgendwie passt Wesley Snipes Synchronstimme auch nicht zu dem Männchen). Genauso erfreulich ist es, dass es, auf Grund der Informationsleere, des Öfteren mal einige Minuten still ist, man eine beruhigende Musik genießt – ebenso wie die dazu passenden Bilder. Die Entscheidung, obwohl es sicherlich nicht so unendlich viele Informationen über diese Reise geben kann, hier auf die drei unterschiedlichen Sprecher
auszuweichen, ist leider vorgenommen worden. Warum man sich nicht wie in den USA dazu entschied, den Film klassisch zu erzählen, wird ein Rätsel bleiben. Das reißt den Film leider ein gutes Stück runter. Dann doch lieber ganz ohne Stimmen, das hätte die älteren Semester wohl doch noch versöhnlich stimmen können.
Ein Meisterwerk ist es sicher nicht geworden. Aber familientaugliche Unterhaltung schon, gerade in Hinsicht auf das Sprecherproblem, was nur den älteren Besuchern auffallen wird, denn die kleinen in der Reihe vor mir, hatten ihren Spaß. Der ein oder andere „Oh, ist das süß“-Effekt wird auch, zumeist wohl, die Frauen überkommen (Freundin mit ins Kino nehmen), während die Männer hiermit wohl viele Schwierigkeiten haben dürften. Dafür ist es einfach zu kindergerecht ausgefallen. Allerdings gibt es hinsichtlich der beeindruckenden, wunderschönen Bilder nichts zu bemängeln und auch der ein oder andere Lacher – Tollpatschigkeit sei dank – ist zu verbuchen (insbesondere die frisch geschlüpften, kleinen Pinguine sind noch sehr orientierungslos und verwirrt). Die zwei Millionen in den deutschen Kinos, die der Verleih anstrebt, wird er, denke ich, nicht erreichen. Wer keinen typischen Dokustreifen sehen will und sich nicht an der Informationsarmut stört, wird unter Umständen begeistert sein. Alle anderen werden hingegen enttäuscht sein. Ein Hin und Her – wie es die Pinguine auf ihrer Reise auch durchmachen. Ein Auf und Ab der Gefühle, je nach dem ob gerade „gedacht“ wird oder nicht. Grandiose Bilder, tolle „Darsteller“, die aber besser nicht denken sollten oder wenigstens Infos offenbaren sollten. Die Pinguine sind auch froh, wenn der Winter dann vorbei ist. Und ich war es nach diesem Film auch ein wenig. Muss nicht, kann aber durchaus gefallen – bei entsprechender Erwartungshaltung…