Review

Fünf Jahre ist es nun her – wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht – dass ich zum ersten Mal Fight Club gesehen habe. Unter all den Eindrücken, die dieses Meisterwerk unter den Meisterwerken bei mir hinterlassen hat, war ein ganz spezieller dabei: Seit ich zum ersten mit ansehen durfte, wie der Erzähler in seiner Höhle auf sein Krafttier trifft, bin ich fasziniert von Pinguinen. Egal, wo ich sie sehe, ich kann meine Augen nicht von ihnen nehmen. Gebissen wurde ich auch schon von einem.
Nun weiß ich nicht, was für ein prägendes Erlebnis Luc Jacquet in seiner Jugend hatte, fest steht: Er vergöttert diese Tiere auch, und mit seinem aktuellen Werk „Die Reise der Pinguine“, das in einer adäquaten Übersetzung eigentlich „Die Wanderung des Kaisers“ heißen müsste, baut er ihnen den ultimativen Altar.
Neun Monate begleiteten er und sein Team eine Kolonie Kaiserpinguine auf ihrer beeindruckenden und beschwerlichen Reise, deren einziger Zweck die Arterhaltung ist. Ständig Luft- und Wasserraubtieren, der eisigen Kälte, dem peitschenden Wind und ihrer eigenen Erschöpfung ausgesetzt, marschieren sie wochenlang vom Ozean zu ihrem Brutplatz. Nach der Paarung müssen die Weibchen zur Nahrungsbeschaffung zum Ozean zurück, während die Männchen das Ei ausbrüten. Es vergehen erneut Monate bis die Weibchen zurückkehren und die nun geschlüpften Jungen hüten und die ausgehungerten Männchen sich wieder auf den Weg zum Ozean machen. Erst nach erneuten harten Wanderungen ist für kurze Zeit noch mal die gesamte Pinguinkolonie vereint.
Interessant an dem Film ist, dass er überhaupt nicht mehr wie ein Dokumentarfilm daherkommt, sondern sich fast schon als Spielfilm versteht. Das gravierendste und wohl auch fragwürdigste Stilmittel ist das Fehlen eines neutralen Erzählers, der stattdessen von drei Ich-Erzählern ersetzt wird, die stellvertretend für die Pinguine reden. Was diese Erzähler so von sich geben, ist zwar durchaus informativ, kommt aber auch sehr aufgeblasen und zuweilen kitschig rüber. Trotzdem helfen sie dabei, das Gezeigte eindringlicher zu gestalten, so dass wohl gerade bei jüngeren Zuschauern der Lerneffekt größer ist. Das Drehbuch wurde laut Abspann übrigens von Luc Jacquet und den Kaiserpinguinen verfasst.
Hinzu kommt ein eigens für diesen Film verfasster Soundtrack von Emilie Simon, die mit ihrer wunderschönen Musik eine wahrlich zauberhafte Atmosphäre erschafft, als ideale Ergänzung zu den großartig eingefangenen Bildern. Und die sind überhaupt letztlich das große, ultimative Plus am Film. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen, die einem den Atem stocken lassen, Unterwasseraufnahmen jagender Pinguinweibchen, erstaunlich nahe Aufnahmen der Brütenden, und wer sich an Pinguinen sowieso nicht satt sehen kann, kann bei diesem Film gar nichts falsch machen. Bei solchen Bildern sieht man sogar über gewisse Albernheiten wie das Verwenden von Raubkatzengebrüll beim Angriff der Raubvögel hinweg.
Vielleicht ist es auch nur mein eigenes persönliches Faible für diese ausdauernden Überlebenskünstler, aber ich halte „La Marche de l’empereur“ trotz den aufgezählten Schwächen für einen der besten bis dato existenten Dokumentarfilme. Also Frack angezogen und rein ins Kino!

Details
Ähnliche Filme