Meine ersten freien 90 Minuten in den Osterferien wollte ich besonders sinnvoll (sinnleer) verbringen und deswegen habe ich meiner Lieblingsvideothek einen Besuch abgestattet.
Die Ausbeute beinhaltete unter anderem den Low Budget Streifen „Reeker“, von einem Regisseur namens David Payne.
Und dieser Name ist Programm.
Payne präsentiert einen Film, der mit jeder Minute, die ich über ihn nachdenke, immer besser wird.
Dieser Horrorfilm (obwohl er das im klassischen Sinne gar nicht ist) beginnt mit einem klischeeverseuchten Anfang, der aber Gott sei Dank nicht wirklich viel, mit dem Rest des Films zu tun hat; und dessen Bedeutung man so oder so erst nach Genuss des ganzen Films verstehen und einordnen kann.
Nach dieser Szene und dem Vorspann beginnt der eigentliche Film und es geht slasher(un)typisch weiter:
5 junge Erwachsene (vollbepackt mit überschüssigen Hormonen und Drogen) sind auf dem Weg zu einer Rave.
Die Rollen sind ganz klar verteilt:
Es gibt die dummen Blondchen (einmal männlich und einmal weiblich), den coolen Typen, der bezeichnenderweise Trip heißt und seinen Dealer bestohlen hat (sieht aus wie Anfang Dreißig, schmeißt sich E Tabletten ein, fährt auf seinem Skateboard und reißt dämliche Sprüche), die biedere Schwarzhaarige (die schon so aussieht, als würde sie überleben) und (eigentlich ganz innovativ) einen Blinden.
Während der Einführung dieser Figuren musste ich das erste Mal schmunzeln, denn der Blinde behauptet dafür verantwortlich zu sein, dass keine Dartpfeile mit Eisenspitzen mehr produziert werden, weil er durch solch einen Pfeil (angeblich) sein Augenlicht verloren hat. Trip wirft ihm daraufhin an den Kopf, dass seit diesem Zeitpunkt das Dartspielen einfach keinen Spaß mehr macht. Köstlich.
Im Zuge dieser Szene kommt es auch zu einem amüsanten Dialog: „Man hat die Braut scharfe Brüste.“ „Reibs mir bloß unter die Nase.“ „Warum?“ „Weil ich blind bin.“
Frau Biedermann erfährt, im Zuge der weiteren Handlung von den Drogen, hält an, wirft Mr. Cool hinaus und entschließt sich dann doch, ihn zurück zu einem Diner ganz in der Nähe zu bringen.
Hier kommt es zum Umbruch in der Geschichte, die bis zu diesem Zeitpunkt (ausgenommen vom Anfang) doch relativ gemächlich dahingetümpelt ist.
Ab jetzt dominieren verdammt souveräne Maskeneffekte, Schockszenen, Spannung, abartige Todesarten (Blondchen wird, während sie auf der Toilette sitzt, von unten, mit einer Art Rotor aufgeschlitzt), ein cooler „Killer“ (Wenn man ihn so nennen kann) mit Kutte, eine tolle Atmosphäre und ein innovatives (zuerst etwas gewöhnungsbedürftiges) Ende.
Einziges Manko ist, dass zu nahezu jedem Zeitpunkt des Films, leider die grottigen Dialoge dominieren; aber die soliden Effekte, blutigen Todesarten (Vergleichbar mit Final Destination) und die Grundidee machen das locker wieder weg.
Die Darsteller würden natürlich auch eher die „Goldene Himbeere“ als den „Oscar“ verdienen, schlagen sich aber trotzdem recht ordentlich.
Außerdem hellt der Auftritt von Michael Ironside („Starship Troopers“), der einen Trucker auf der Suche nach seiner Frau mimt, die Darstellerriege auf.
Kommentare wie „Ein Blinder mit einer Waffe ist ein Akt der Verzweiflung“ haben mir einige Male sogar ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.
Davon, dass sich der Grundplot wie die Gebrauchsanweisung „Wie mache ich einen typischen Teenieslasher“ anhört, sollte man sich nicht täuschen lassen, denn „Reeker“ ist eher ein übersinnlicher Thriller, als ein tumber Horrorslasher (Obwohl einem das erst am Ende so richtig klar wird).
Apropos Ende:
Zuallererst dachte ich mir wirklich: Was soll das denn jetzt?!
Aber nachdem ich ein wenig über das besagte Ende nachgedacht hatte, fügte sich alles zusammen.
Die Lebensrettungsversuche des Drogendealers, die vermeintliche Kussszene (Beatmung), die Radioansagen, die eigenartigen Todesszenen und der Beginn des Films.
Fazit:
Nicht zu unterschätzender Lowbudget Horrorthriller, Marke „Sehenswert“, der mit einem überdurchschnittlich guten Schluss (wenn man das Händchenhalten, ganz am Ende ausklammert) aufwarten kann und mir um einiges besser gefallen hat als „Final Destination 3“.