Review

Auf meiner scheinbar nie enden wollenden Suche nach obskuren, möglichst leicht schmierigen europäischen Filmen zwischen 1965 und 1980 (ein von mir auf Grund meiner Erfahrungen relativ willkürlich gewählter Zeitrahmen, den man natürlich auch erweitern kann) stieß ich vor kurzem auf die italienisch-deutsche Koproduktion von 1980 eines Romans des renommierten italienischen Autors Alberto Moravia, nämlich "Desideria". Meine Neugier wurde durch die Besetzung zusätzlich geweckt: die wunderschöne Lara Wendel, Klaus Löwitsch (!) und Stefania Sandrelli.

Desideria ist der Name der Hauptfigur. Zu Anfang noch ein pummeliges, eher hässliches Teenagermädchen, das von ihrer attraktive Mutter Viola (Stefania Sandrelli) ignoriert und schlecht behandelt wird. Bei einem der üblichen Konflikte zwischen Beiden kommt heraus, dass Viola nicht ihre leibliche Mutter ist, sondern vielmehr eine namenlose Prostituierte und da Viola mit ihrem verstorbenen Mann keine Kinder zeugen konnte, adoptierte sie Desideria. Aber lieben tut sie sie nicht wirklich und so hat das Kind krankhafte Fettsucht und gibt sich stets die Schuld für alles, was nicht läuft. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch jedoch und einem Internatsbesuch nimmt sich Desideria (Lara Wendel) ein neues Leben vor, nimmt ab, wird schön und gemein, denn sie will sich an ihrer Pflegemutter für all die erlittenen Demütigungen rächen. Außerdem will sie dabei die Pflegemutter/Viola gesellschaftlich ins Abseits stellen, in dem sie stiehlt, den Geschäftspartner und Liebhaber (Klaus Löwitsch) von Viola verführt und zum Stehlen bringen will und sich mit einem Anarchisten (Vittorio Mezzogiorno) einlässt. Das alles kann nicht gut enden...

Nun ja, was soll man sagen: ich fand dieses leicht schmierige, etwas wirre Sozialdrama mit Softsex-Elementen durchaus unterhaltsam, allerdings haperte es auch an vielem. So sind die Dialoge (gerade von Desideria) oftmals eher hanebüchen, v. a. in ihrer Revoluzzerphase, die Schnitte wirr, die Regie holprig und die Musik vom sonst exzellenten Pino Donaggio versprühen eher den Charme eines besonders üblen Erotikfilms, aber das kann ja auch nett sein. Wenn man den Film als Porträt eines Mädchens sieht, dass sich gegen seine bürgerliche Umgebung aus Hass und Aversion wendet, um sich an ihrer fiesen Pflegemutter zu rächen, so hat der Film durchaus positive Seiten. Desiderias unausgegorene, rein privat fundierte Abneigung gegen die Gesellschaft muss scheitern. Interessant ist auch, dass sie zwar mit sämtlichen Männern spielt, sie aber nie emotional und sexuell an sich heran lässt. Als sie schließlich Sex hat, ist es eher deprimierend.
Nun zur Hauptperson, Lara! Ja, sie macht sich frei und man hat manchmal ein komisches Gefühl, schließlich war sie zur Herstellung des Films maximal 15. Damals hat man das wohl eher unkompliziert gesehen, was man an der Vielzahl der Filme sieht, in der sie als Minderjährige mitgespielt hat und in denen sie die Hüllen fallen ließ. Allerdings gibt es eine Szene (Traumsequenz), in der sie offensichtlich von einem Körperdouble dargestellt wird, was bizarr ist, schließlich war sie in ein paar Szenen zuvor eh nakkich zu sehen. Dennoch bleibt ein etwas ungutes Gefühl. 
Nun gut, so hübsch sie ist, schauspielerisch ist ihre Leistung keine Offenbarung, auch Hr. Löwitsch chargiert munter. Am besten fand ich noch Vittorio Mezzogiorno und Stefania Sandrelli.
Insgesamt eine skurrile Sache, durchaus interessant und unterhaltsam, mit politischen Untertönen, aber doch oberflächlich, obwohl man oft den Eindruck hat, der Film wolle viel mehr. Der Regisseur Gianni Barcelloni dreht danach noch eine Doku über Mutter Teresa. Vielleicht war das mehr sein Ding. Naja, sein Kinodebüt ließ technisch auch noch einiges zu wünschen übrig.
Die Suche nach schmierigen Filmen geht auf jeden Fall weiter!!

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