Review

Ende der 80er Jahre erlebte das Subsubgenre von Monsterfilmen, die in den Untiefen des Meeres spielten, durch James Camerons "The Abyss" eine kurze Blüte, bzw. bewirkte der Film des Starregisseurs ein flottes Ripoff-Treiben; ein Zug, auf den die Italiener ("Alien from the Deep") genauso aufsprangen wie die guten B-Filmer ("Deep Star Six"; "Leviathan"), in einer Zeit als B-Filme noch durchaus hoch anzusehen waren. Doch natürlich waren die Möglichkeiten begrenzt und die Welle, die an Land schwappte, lief bald schon wieder aus, nicht ohne allerdings mit einem "Cheapo" zu enden, der dem U-Boot den Todesstoß versetzte, sofern ihn jemand überhaupt sah.

Zwanzig Jahre später fliegen den Fans die billigen am PC getricksten Seemonsterfilme nur so um die Ohren, 1990 war ein Film über Genmutationen und Killeralgen allerdings fast schon originell (womit "Sirene 1" allerdings eher in die Nähe von "Leviathan" rückt und weniger in den Alien-Bereich). Handarbeit war noch angesagt, also schickte Juan Piquer Simon seine Besatzung in die Untiefe eines submarinen Grabens, um dort nach dem Schwesterschiff einer Bootsneuentwicklung zu suchen (eben der titelgebenden "Sirene 1", von der außer einem Wrackteil jedoch nichts gefunden wird, weswegen der Film eigentlich "Sirene 2" heißen sollte!). Doch 25.000 Fuß Tiefe findet man erst einen Algenwald (!), dann eine angriffslustige Riesenmolluske oder Amöbe, schließlich eine große Höhle, in der jemand DNS-Experimente abgezogen hat, woraufhin überall wilde Mutationen amphibischer, insektoider oder reptiloider Natur rumkrauchen, deren Biss sofort furchtbare eigene Mutationen auslöst. Und an Bord ist eine schnell wuchernde Killeralge unterwegs, die bei Berührung sofort den Schlußpunkt setzt.

Das klingt natürlich alles ganz prachtvoll, wenn man es liest, allein sollte man durch den Namen des Regisseurs vorgewarnt sein. Piquer (ein Spanier), macht sich durch die ganzen 80er einen Namen als Regisseur unglaublicher Kuriosa auf dem phantastischen Bereich, riß zunächst ein paar Abenteuerfilme mit Verne-Touch vom Stapel (darunter der vielgesendete "Das Geheimnis der Monsterinsel), reüssierte dann mit "Pieces" im Splatterbereich und ließ dann Killerschnecken in "Slugs" auf die Menschheit los, ehe seine Kinokarriere nach "Sirene" mit dem infernalisch blöden "Cthulhu Mansion" endlich strandete. Große Qualität war also nicht zu erwarten, aber mit einer knackigen Crew und tollen Effekten aus der Gummikiste konnte man auch so manches reißen.

Darauf muß der Zuschauer aber selbst bei 79 Minuten Laufzeit erst mal lange warten, denn Simon hat eine all american crew zusammengesammelt und breitet erstmal alte Klischees aus. Held der Arbeit ist nämlich Bootsentwickler Wick Hayes (ein Name, bei dem man sofort ein Kratzen im Hals bekommt!), dargestellt vom Krimi-TV-Darling Jack Scalia, der nicht nur einen tollen Body, sondern auch eine Original-90er-Haarspraytolle zur Schau trägt, die jede Jeansmama in den Schreikrampf treibt. Der darf sich dann erstmal mit R.Lee Ermey zoffen (das ist der nette Ausbildungsschleifer aus "Full Metal Jacket"), der mit gruseligem Haarschnitt und schneidiger Statur ihn erstmal aus dem Klassenraum bzw. von der Kommandobrücke schickt. Deborah Adair als "Nina" hatte mal was mit unserem Hero, doch das spielt im weiteren Verlauf keine Rolle, muß aber den Eindruck erwecken, sie könne etwas analysieren und bestimmen (woran sie scheitert). Und dann sind am Keyboard als PC-Techniker noch Ray "I killed Laura Palmer" Wise mit Fielmannbrille, womit klar wäre, wer hier der schleimige Verräter sein wird.
Dazu kommt eine Crew aus aufmüpfigen Hängern und Großmäulern, die in der äußerst sparsamen U-Boot-Kulisse Kompetenz vortäuschen müssen, bis sie zu Monsterfutter werden (ja, alle!).
Ist die Ausstattung innen schon nicht überzeugend, sieht das Modell von außen erst recht aus wie...naja...ein Modell. Ein knuffiges "Yellow Submarine", dem man die vier Etagen innen keinesfalls abnimmt. Und das schippert dann durch alle Höhen und Tiefen, drinnen zofft man sich und gibt Wick die Schuld (hihi) am Verlust des ersten Bootes und irgendwann kommt dann der böse Algenwald. Zwar werden wir pflichtschuldigst unterrichtet, daß es in 8000 Meter Tiefe keine Photosynthese geben dürfte, aber als Lee dann seinen schwedischen Taucher Sven (prust!) im knallroten Gummianzug in dieser Tiefe mal eben zum Probensammeln rausschickt, fliegt zum ersten Mal das Essen an die Wand, allein der Wasserdruck hätte den Blondmann natürlich zum Brühwürfel formen müssen. Viel besser wirds dann auch nicht mehr in der Folge: Sven wird im Kampf gegen die Algen (und irgendwelche Krakententakel) leider nur Zweiter (nachdem er konstruktiv verschwiegen hat, daß er gerade eine Leiche gefunden hat), der Riesenamöbe erwehren wir uns mittels Polaritätsumkehr (aka: Stromschlag) und wenn man dann endlich in der nebligen Unterwassergrotte (yo!) auftaucht, darf sich Make-Up- und Creature-Künstler Colin Arthur endlich so richtig austoben (für Niveauinteressierte verrate ich mal, daß Arthur auch für die Quatermain-Filme mit Richard Chamberlain verantwortlich war, das sagt eigentlich alles).

Genrefans werden dann vermutlich ihre Freude an den Mutationen, Killerraupen und einer sinistren DNS-Maschine haben, die von einer Riesenmutation bewacht wird, die ausschaut wie eine Kreuzung aus Seestern, Sonnenblume und beißfreudigem Mitteltentakel, während die mäßig bewegten Killeralgen an Bord (ummantelte Kabel) alles an Besatzung langsam wegmutieren lassen. Das wird aber leider nicht genügend breitgetreten, sondern viel zu schnell hinter sich gebracht, ohne Raffinesse und ohne Betonung der Schauwerte.
Was wirklich stört, ist die akute Blödheit fast aller Figuren, die sich störend, unbequem oder unproduktiv benehmen. Die Dialoge sind mehr als dürftig, die Aktionen hirnrissig, das Verhalten der meisten mehr als suspekt. Mit der Biologie und Physik wird amoklaufend jongliert, der Plot ist ein Alibi für umständliche Erzählweise und alles in allem ist das so aufregend wie ein Badeausflug an den Wannsee nach einer Flasche Chloroform.
Trashfreunde haben da bestimmt etwas zu feiern, so mancher Moment stimmt geistlos andächtig, aber Piquer ist einfach ein zu schlechter Regisseur, um aus seiner (oh ja, es ist seine) Geschichte irgendetwas Bedrohliches rauszuholen. Die übliche U-Boot-Beklemmung geht hier permanent flöten und das alles wirkt wie eine ruhige Ausflugsfahrt im Studioset (was es ja auch war).
Da der Film nicht so leicht zu bekommen ist, hier noch einmal der Hinweis, daß außer Trashfreunden und jeden, denen eine Handvoll FX genügend Existenzberechtigung in einer Filmsammlung sind, hier wirklich gar nichts geboten wird, schon gar kein vergessener Geheimtipp rund um ein spekulatives Thema. Für alle anderen: streckenweise lustig. Mit Bier. (2,5/10)

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