Review

Eine spanisch-amerikanische Coproduktion eines Unterwasserhorrorfilms, ausgestattet mit einem eher geringen Budget, kann das gutgehen und vor allem kann das unterhalten?

Hier muss man zweimal deutlich mit "Ja!" antworten. Und wer weiß, was den Filmemachern noch möglich gewesen wäre, wenn ihnen ein größeres Budget zur Verfügung gestanden hätte.
"Sirene I" ist ein sehr unterhalsamer Unterwasserhorrorfilm, der sogar mit einer zwar im Großen und Ganzen eher konventionellen (und somit vorhersehbaren), letztenendes aber recht packenden Geschichte aufwarten kann.

Wick Hayes ist der der Konstrukteure des Unterseebootes Sirene I. Eines Morgens wird er unsanft aus dem Schlaf gerissen und zu seinen vorherigen Auftraggebern gebracht. "Sirene I" ist in einem Unterseegraben verloren gegangen. Das Schwesterschiff "Sirene II" soll in einer NATO-Mission das Verschwinden untersuchen und mögliche Überlebende retten. Nur widerwillig erklärt sich Hayes bereit mit an Bord zu gehen, ist doch sein ursprünglicher Schiffsentwurf von den Militärs nachhaltig verändert worden.
Von der Besatzung der "Sirene II" wird ihm vorgeworfen, dass Konstruktionsmängel Schuld am Verlust des U-Boots seien. Auch mit dem Kapitän des Schiffs gibt es bald nach dem Auslaufen Probleme, Hayes wird der Brücke verwiesen und zu allem Überfluss ist auch noch seine ehemalige Lebensgefährtin mit an Bord (der kundige Zuschauer weiß schon jetzt, dass sie zusammen mit Hayes höchstwahrscheinlich die einzigen Überlebenden sein werden).
In großer Tiefe (seit wann gibt es vor Norwegen einen Tiefseegraben, der mindestens ebenso tief ist wie der Marianengraben?) bekommen sie ein Notsignal, erst, wie sie glauben, von der Blackbox des verlorenen Schiffes, dann scheint es ein SOS der Besatzung zu sein.
Bei der Untersuchung eines Wrackteils der "Sirene I" kommt ein erster Taucher ums Leben, kurz darauf muss sich die Besatzung gegen eine unheimliche Lebensform erwehren und anschließend fängt die im Meer genommene Algenprobe unkontrollierbar an zu wachsen.
Nun geht es Schlag auf Schlag - ein unterseeisches Höhlensystem wird entdeckt, weitere Mutationen greifen die Besatzungsmitglieder an und ein Bösewicht innerhalb der Mannschaft versucht alle Rettungsmaßnahmen zu torpedieren.

Die Handlung erinnert an andere Genre-Klassiker wie "Leviathan", "Sphere" oder "Deep Star Six" und doch bringt dieser Film eine neue Wendung in die bekannten Abläufe hinein.  Nicht umsonst ist DeLaurentis, der schon "Leviathan" produziert hat, "inkognito" als ausführender Produzent mit dabei.

Die schauspielerische Leistung ist durchschnittlich, was bei diesem Budget zu erwarten war. So ist der Held (gespielt von Jack Scalia) eher ein blaßes Abziehbild und der Bösewicht (gemimt von Ray Wise) arg typisiert, dennoch schaffen auch sie es, den Zuschauer in die Handlung mit hineinzunehmen und ihre Handlungen "plausibel" zu vermitteln (soweit dies bei einem solchen Film zu erwarten ist). Einzig R. Lee Ermey, der den Kapitän spielt, ragt schauspielerisch ein wenig aus der Riege der B-Mimen heraus, wenngleich ihm das Drehbuch hier enge Grenzen für sein Handeln setzt.

Überhaupt geraten Drehbuch, Kamaraführung und Regiearbeit recht ordentlich und heben diesen Film deutlich (!) über das Niveau von heute vergleichbaren Low-Budget-Filmen zum Beispiel aus der Asylum-Schmiede.

Die Special Effects sind ganz annehmbar. Für mich erfüllen einige zersplatterte Mutationen durchaus die Freigabe ab 18, dennoch  ist der Film in der VHS-Version ab 16. Schade, dass es keine DVD-Wiederveröffentlichung (oder besser als Bluray) gibt, dieser Film hätte es durchaus verdient.

Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Unterwasserhorrorfilm, den Genrefans nicht verpassen sollten, zumal er derzeit eher schwer zu bekommen ist.

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