Review

Um etwas Geld für die Universität aufzutreiben, veranstalten einige Filmstudenten mit ihrem Lehrer eine wilde All-Night-Horror-Show, gespickt mit diversen lustigen Gimmicks (wie z. B. Aroma-Rama beim Film The Stench), die selbst William Castle stolz gemacht hätten. Die Veranstaltung ist ein voller Erfolg, platzt das Dreamland Theatre doch fast aus allen Nähten. Doch leider befindet sich im Gebäude auch ein irrer Killer, der die Studenten der Reihe nach abmurkst.

Mark Herrier, der den ursprünglichen Regisseur Alan Ormsby (Deranged) nach drei Wochen Drehzeit ersetzte, marschiert mit Popcorn schnurstracks und mit erhobenem Haupt in die Durchschnittlichkeit und setzt sich gekonnt zwischen zwei Stühle. Die Filme, die im Film Popcorn anläßlich der Horrorfilmnacht gezeigt werden, sind liebevoll gestaltete Hommagen an das Monsterkino der Fünfziger (Mosquito! in 3D), an den Science-Gone-Wrong-Trash der Sechziger (The Electrified Man) und an die japanischen Science-Fiction-Streifen der Siebziger (The Stench). Das wurde mit viel Enthusiasmus, sehr stimmungsvoll und ungemein charmant umgesetzt, sodaß kein Zweifel daran besteht, wo denn die Sympathien der Macher liegen. Und während die Filme laufen und dabei vom respektlosen Publikum von der Leinwand gelacht werden, treibt ein verunstalteter Mörder sein Unwesen, der einem der so zahl- wie einfallslosen Slasherfilme der vorangegangenen Dekade entsprungen zu sein scheint. Das häßliche und ziemlich nervende moderne Monster (eine Art Freddy Krueger/Phantom der Oper-Verschnitt) verblaßt gegen die naiv-netten Kreaturen bzw. gegen die überagierenden Bösewichte aus vergangenen Zeiten, und so ist es nur konsequent, daß der öde Killer am Ende symbolisch vom klassischen Mutantenmonster besiegt wird.

Das ambitionierte Konzept ist interessant und muß auf dem Papier verdammt gut geklungen haben, doch da es Herrier allen recht machen will, ist das Ergebnis weder Fisch noch Fleisch. Die Mischung will einfach nicht so recht zünden. Die diversen Mordszenen wurden zudem so blutleer und uninspiriert umgesetzt, daß man zu hoffen beginnt, das Augenmerk möge sich doch bitte wieder auf die "Filme im Film" richten. Außerdem sind mit Ausnahme von Maggie (Jill Schoelen), auf die es der Killer natürlich abgesehen hat (wobei sein Motiv haarsträubend hanebüchen ist), sämtliche Figuren so uninteressant und eindimensional, daß sie dem Zuseher schlichtweg egal sind. Jill Schoelen, die erst später zum Team stieß und bei Ormsby gar nicht mit von der Partie gewesen wäre, macht das beste aus ihrer laschen Rolle, schafft es aber leider nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ebenso wenig wie die immer wieder gern gesehene Dee Wallace (The Howling), die als Maggies Mutter Suzanne zu sehen ist.

Popcorn
wurde in Jamaika gedreht, was auch die Reggae-Band erklärt, die zwischen den gezeigten Filmen für etwas Stimmung sorgt. Interessante bzw. exotische Locations sucht man jedoch leider vergebens, da der Filmschauplatz Kalifornien ist. Technisch gibt es an dem Streifen wenig auszusetzen; vor allem die Kamera ist sehr ordentlich, war hier doch mit Ronnie Taylor (Opera) ein echter Könner am Werk. Am Ende bleibt man als Zuschauer etwas ratlos und enttäuscht zurück, denn was ein echter Knaller hätte werden können/sollen/müssen, ist letztendlich nicht mehr als durchschnittliche Dutzendware. Recht nett, aber das war's auch schon.

Gehäutet wird übrigens, wie es der deutsche Titel vermuten läßt, niemand (im Gegensatz zu Ivan Nagys Skinner (1993) mit Traci Lords)... das "Phantom of the Cinema" stülpt sich lediglich diverse Gesichtsmasken über seine häßliche Fratze.

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