Trotz Starpower und durchaus brisanter Thematik vergeigt William Friedkin das Potential dieses Stoffes und kredenzt einen gerade mal mittelmäßigen Mix aus Militäractioner und Gerichtsthriller, der sich einfach nicht für eine Richtung entscheiden kann. Friedkin („To Live and Die in L.A.“, „The Hunted“) tritt damit leider erneut den Beweis an, dass ihm seit seinen Klassikern „The French Connection“, „The Exorcist“ die Klasse fehlt, um durchgängig hochwertige Filmkost auf die Leinwand zu bringen. Auch sein jüngster Film „The Hunted“ wurde ja bereits im Vorfeld arg gebeutelt.
Als perfekt durchexerzierte Alternative sei hier sei hier Rob Reiners „A Few Good Men“, der sich wesentlich eindringlicher mit der Materie auseinandersetzt, empfohlen.
„Rules of Engagement“ ist ein Zwitterwesen, dass zunächst in einer Eröffnungsszene einen brachialen Ausschnitt eines Gemetzels im vietnamesischen Dschungel zeigt. Mit dabei sind die beiden ihre beiden Platoons anführenden Hodges (Samuel L. Jackson, „The 51st State“, „Basic“) und Childers (Tommy Lee Jones, „Under Siege“, „The Fugitive“). Als die beiden Gruppen sich trennen und in einen Hinterhalt geraten, werden Childers Männer aufgerieben. Hodges setzt darauf den gefangenengenommenen Kommandanten die Pistole an den Kopf und zwingt ihn so zum Rückzug seiner Truppe. Damit rettet er Childers, dem letzten Überlebenden, das Leben. Angeschossen muss sich der aber sein Leben lang hintern Schreibtischstuhl sitzen, während Hodges sein Kommando bekommt. Kurz vor Childers Pensionierung bittet Hodges ihn vorm Kriegsgericht zu vertreten. Bei einem Zwischenfall in Yemen befahl er auf die Menge zu schießen, wähnte er doch Schützen unter aufgebrachten Demonstranten. Nur leider finden sich dafür jetzt weder Beweise noch Zeugen an...
Zuallererst sind die Kriegsszenarien hervorragend gemacht – Vietnam wie Yemen. Die Kugeln fliegen einem um die Ohren, Gegner wie Kameraden werden getroffen. Es wird gerobbt, gesprungen, geflüchtet. Hodges ragt, mit Vernunft und Ruhe beschlagen, aus beiden hektischen Szenarien wie ein Fels heraus. „Rules of Engagement“ ist mit Sicherheit kein „Black Hawk Down“, aber für den Actionpuristen ein Genuss. Hier enden dann jedoch auch schon die Qualitäten des Films.
Dabei ist der hier offensichtliche Patriotismus weniger Schuld am Versagen von Friedkin. Das Küssen der Hundemarke vor dem Einsatz oder das Einholen der Fahne im Kugelhagel auf der amerikanischen Botschaft in Yemen sind nun mal traditionelle Riten, die man so unverfälscht auch zeigen darf. Andere Szenen wie Childers Besuch am amerikanischen Kriegsdenkmal und die Niederlegung einer kleinen Flagge, ganz aus dem Kontext gerissen, wirken dabei dennoch fehl am Platze.
Soldatentum ist zwangsläufig mit Kameradschaft und Ehre gekoppelt. Hodges emotioneller Ausbruch vor Gericht beweist das. Da er für das Militär lebt, nur seine Männer retten wollte und nun von um eine ruhige Lage im nahen Osten bemühten Politikern in die Pfanne gehauen wird, ist so eine Reaktion nur nachvollziehbar. Ich will den hier fast durchgängig präsentierten militärischen (und nicht politischen!) Patriotismus nicht gutheißen, aber wer selbst schon mal über einen längeren Zeitraum in Flecktarn gesteckt hat, wird dieses Verhalten zumindest nachvollziehen können.
Das Scheitern des Films erfolgt auch erst im weiteren Verlauf, weil der Gemütszustand des trinkenden, enttäuschten (weil er der großartigen Karriere seines Vaters nicht folgen konnte und der Sohn ihn verachtet) Childers dem Plot selbst gar nichts bringt, Hodges Gemüt auch nur kurz zu Bruch geht und „Rules of Engagement“ letztlich der Mut zur Konsequenz fehlt.
Der Gerichtsteil ist eine dermaßene Enttäuschung, dass Jones und Jackson ab Filmmitte auf Autopilot schalten und den Rest mit Routine runterkurbeln. Dabei sind Jones als verknitterter, schwacher Militäranwalt und Jackson abseits von Coolness, Schlagfertigkeit und Härte sowieso nicht ideal besetzt.
Der heiße Stoff, der sich hervorragend für einen wirklich spannenden Militärthriller anbietet, wird mit der Kneifzange angefasst und verkommt zu einem simplen Indizienspiel vor Gericht. Wobei das nicht mehr so wichtig ist, weil der nationale, typisch schweinische und hinterlistige Sicherheitsberater Bill Sokal (Bruce Greenwood, „Thirteen Days“, „I, Robot“) das entscheidende Tape verheizt hat und der schmieriger Major Mark Biggs (Guy Pearce als Anti-Tom-Cruise-Verschnitt, „Memento“, „The Time Machine“) sowieso gar kein Interesse daran hat den Vorfall zu klären, sondern Bilder des Massakers der Jury präsentiert und in Hodges militärischer Vergangenheit herumstöbert.
So feige wie dieses stete Ausweichen vor der Frage „Was wäre, wenn...“ kommt dann auch der enttäuschend einfallslose und sehr plötzliche Schluss, trotz Überraschungszeuge, daher. Da helfen auch die Epilog-Texttafeln, dass alle bösen Buben ihre gerechte Strafe nachkamen, nicht mehr.
Fazit:
Mit Kriegsszenarien gewürzter, militärischer Gerichtsthriller, der weder besonders gut gespielt ist, noch über ein gutes Drehbuch verfügt. Die Einsätze in Vietnam und Yemen sind jedenfalls noch das Beste an „Rules of Engagement“. Da der differenzierte, mutige Blick auf die Tatsache, dass U.S. – Marines tatsächlich auf eine (unter anderem) unbewaffnete Menge geschossen haben, fehlt und sich Friedkin deswegen lieber an einem formelhaften Gerichtsverfahrenen, einer langjährigen Freundschaft und den Standardmotiven Ehre, Moral und Kameradschaft hält, bleibt hier letztlich nur der untere Durchschnitt. Mutlos, inkonsequent, unkritisch und ohne das nötige Fingerspitzengefühl für das Thema.