Review

Grauenhaft schlechter Militärthriller, der sich bemüht ein Mäntelchen aus Kontroversität umhängt, aber dann im entscheidenden Moment nicht den Mut hat, mit seinem durchaus anspruchsvollen Thema auch mal Ernst zu machen.

Dazu hat man zwar ordentlich Starpower versammelt, aber trotzdem geht der Schuß nach hinten los. Der Prolog im seligen Vietnamkrieg dient lediglich dazu, die Richtungen vorzugeben, die das Leben der Protagonisten zwangsläufig nehmen wird und legt fest, wer später mal dem anderen helfen wird.

Der Einsatz im Yemen, der als Sicherung und Evakuierung der amerikanischen Botschaft anfängt und in einem Massaker unter Einheimischen endet, bietet einen spannenden Höhepunkt auf die Ereignisse, die dann noch folgen sollen. Die aufgeworfene Frage, ob der leitende Offizier, dargestellt von Samuel Jackson, nun eine Fehlentscheidung getroffen hat und militärisch dafür zur Verantwortung gezogen werden muß, verkommt zu einer optischen Finte für die Zuschauer.

Die bekommen nämlich nur ausschnittweise zu sehen, was geschieht, damit sie später „überrascht“ werden können. Der Film „faked“, daß Jackson eine Fehlentscheidung getroffen hat, um dann gleich böse amerikanische Politiker zu präsentieren, die ein Überwachungsvideo verstecken (und dann verbrennen), das die Wahrheit präsentiert, nämlich, daß die Soldaten von zwei Seiten unter Beschuß genommen wurden.
So wird aus dem Thriller ein simples Betrugsdrama, das natürlich vor Gericht in kaum widerlegbaren Anschuldigungen eines fiesen Anklägers mündet (Guy Pearce in einer an Klischees kaum zu übertreffenden Rolle). Tommy Lee Jones müht sich dann selbst nach Yemen, um Gegenbeweise zu finden und sortiert sich reichlich Anhaltspunkte zusammen, was geschehen sein könnte (und auch geschehen ist).
Nur ist der Keks damit bereits gegessen, aus der Kontroverse wird der Leidensweg eines aufrechten Militärs vor seinen Untergebenen und der Zuschauer hofft natürlich auf die große Überraschung, wenn die Wahrheit vielleicht doch noch ans Licht kommt.

Nur: das passiert nicht. Den Drehbuchautoren ist nichts, aber auch gar nichts mehr eingefallen, um das Thema noch zu retten. Das Video ist weg, die Beteiligten halten schön den Mund, beweisen kann Jones gar nichts...und dennoch wird Jackson freigesprochen. Einfach so, weil wir ja alle ein Happy End brauchen.
Und als der schwarze Offizier unter Ehrenbezeugung in sein Auto steigt, decken ein paar erklärende Schlußtitel auch noch den letzten Rest an Realitätsnähe zu, indem sie uns informieren, daß alle Bösen später bestraft und entlassen wurden.

Da fragt man sich, was man mit so einem Film eigentlich anfangen soll – vermutlich hätte man ihn wie das Video verbrennen sollen. Ein Mahnmal an verschenkten Möglichkeiten und das lange Warten nach einem brauchbaren Film über die Vorgänge beim US-Militär in Krisengebieten geht weiter. Diesen Versuch erschieße ich standrechtlich wegen Feigheit vor dem Thema. (2/10)

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