Review
von Leimbacher-Mario
Der mit dem Schwanz tanzt
Mal kein (oder zumindest nicht direkt ein) Pixar-Kurzfilm - und dennoch ein meisterhafter Tanz mit dem eigenen Schwanz! Und bevor falsche Gedanken aufkommen: in Disneys „Lorenzo“ wird ein eingebildeter, egozentrischer Kater mit buschigem Schwanz von einer Straßenkatze verzaubert - und von da an führt die prachtvolle Wirbelsäulenverlängerung ein rhythmisches Eigenleben...
„Lorenzo“ wirkt optisch fast so, als ob die Zeichner und Maler auf schwarzen statt weißen Blättern gefertigt hätten (ähnlich der „Batman“-Animationsserie), was den dunklen Gassen und knalligen Farben noch mehr Ausdruck und Dynamik verleiht. Erst recht auf einem OLED. Der Kontrast ist hoch, der Surrealismus auch, die Musik pusht, es gibt makabere und (erst recht für das Maushaus) sehr düstere Momente (wenn am Ende aus lauter Verzweiflung etwa die Schere ausgepackt wird). „Lorenzo“ ist ein Erfolg auf ganzer Linie und vergleichbar mit einer Mischung aus „Aristocats“ und dem Pixar-Short „Day & Night“. Und das von 2004, mit klassischen Zeichnungen, ohne großartig viel Computerhilfen. Ein i-Tüpfelchen, das es verdient hätte, dass man über es genauso viel redet und schwärmt wie über seine besten „Geschwister“ von Pixar. Positiv grotesk. Wunderschön freakig. Lobenswert reif. Spielerisch schwarz. Disneys „Evil Dead“.
Fazit: einer der famoseren Disney-Kurzfilme überhaupt. Nur leider weitestgehend unbekannt. Das sollte sich ändern. Audiovisuell einer der eigenständigsten Räusche, den das Maushaus je rausgehauen hat. Makaber, musikalisch, mutig. Mit Schwung und Stil. Ein verlorenes „Fantasia (2000)“-Segment?!