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Italo-Regisseur Lamberto Bava („Dämonen“) versuchte sich 1983 erstmals an einem Giallo und damit am Genre, das sein legendärer Vater Mario Bava ins Leben gerufen hat. Doch Vergleiche zwischen beiden erübrigen sich, denn dass Lamberto bei Weitem nicht mit dem Talent seines Vaters gesegnet wurde, ist hinlänglich bekannt.

Die Handlung ist schnell wiedergegeben: Bruno (Andrea Occhipinti, „Der New-York-Ripper“) hat sich in eine Villa eingemietet, um in Ruhe den Soundtrack zu einem Horrorfilm komponieren zu können. Doch das Haus hat seine eigene unheimliche Geschichte und während er so am Klavier sitzt und vor sich hin klimpert, tauchen immer wieder irgendwelche Leute auf – vom Türenabschließen scheint Bruno nicht viel zu halten -, um anschließend auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Diese werden nämlich grausam ermordet und es dauert eine Weile, bis Bruno versteht, was los ist, und es zur finalen Konfrontation mit dem Mörder kommt.

Das Kinoplakat, das eine unheimliche Fratze über einer Kellertreppe zeigt sowie der deutsche Alternativtitel „Das Haus mit dem dunklen Keller“ suggerieren einen gruseligen, atmosphärischen Thriller; der Prolog, in dem der Junge Giovanni Frezza (Bob aus „Das Haus an der Friedhofmauer“) sich scheut, die Kellertreppe hinabzusteigen, um einen Tennisball wiederzuholen und dafür von seinen Freunden verspottet wird, tragen ihr Übriges zu dieser Erwartungshaltung bei. Doch Pustekuchen, denn wirklich düstere Atmosphäre vermag Bava kaum zu erzeugen, von einem in irgendeiner Weise unheimlichen Keller keine Spur. Der De-Angelis-Soundtrack klingt zunächst noch sehr angenehm, nutzt sich durch seine ständige Wiederholung aber bald ab. Die Darsteller, unter ihnen Michele Soavi („Tenebrae“) sowie einige mehr oder weniger attraktive Damen agieren recht hölzern und Hauptdarsteller Occhipinti bleibt blass. Die Morde indes sind Giallo-typisch und zumindest zum Teil sehr ansprechend umgesetzt worden, wenngleich ein Teppichmesser als Mordwerkzeug zunächst in erster Linie Schmunzler hervorruft.

Das Drehbuch legt erfolgreich einige falsche Fährten, so dass zumindest mir gegen Ende der eigentliche Täter, der bereits früh vorgestellt wurde, tatsächlich nicht mehr sonderlich gegenwärtig war. Das Motiv orientiert sich am Traumapsychologischen beispielsweise eines Argentos, erreicht aber bei Weitem nicht die gleiche Klasse oder Schockwirkung. Und ein paar Kamerakniffe à la Italiano machen auch noch keinen M. Bava oder Argento. Der Sleazegehalt hält sich stark in Grenzen, die Schmuddelfraktion zählte offenbar nicht zur Zielgruppe.

Bavas „A Blade in the Dark“ ist letztlich ein nicht unangenehmer, aber wenig origineller, späterer Genrebeitrag, der ganz passabel unterhält, manchmal aber auch etwas nervt und – zugegebenermaßen möglicherweise verstärkt durch die deutsche Synchronisation – bisweilen unfreiwillig komisch wirkt. Für Giallo-Allesgucker sicherlich Pflicht, alle anderen können, aber müssen ihn sich nicht angucken, möchte ich sagen.

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