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Adrien Lester spielt einen jungen, afroamerikanischen Harvard-Abgänger und Enkel eines bekannten Bürgerrechtlers, der in die Wahlkampfcrew eines Gouverneurs, gespielt von John Travolta, aufgenommen wird. Ursprünglich idealistisch eingestellt und bemüht einen ehrlichen Wahlkampf zu führen muss der Kandidat jedoch schnell feststellen, dass sein Gegner einen dreckigen Wahlkampf führt und wird zudem in immer mehr Skandale verwickelt, die seine Kandidatur für das Präsidentenamt immer weiter gefährden.

Mit seiner Tragi-Komödie "Die Reifeprüfung" setzte Mike Nichols einen Meilenstein und zeichnete sich seitdem mehrfach mit hintergründigen Komödien und Satiren aus, wie z.B. "Birdcage" oder zuletzt "Der Krieg des Charlie Wilson" und auch "Mit aller Macht" ist eine durchaus gelungene Polit-Satire, die gerade deshalb zu Denken gibt, weil sie glaubhaft und realistisch gemacht ist.

Nichols zeigt von Anfang bis Ende, wie sich die Kandidaten verstellen, Schutzkampagnen veranstalten und sich vor jeder Zielgruppe anders präsentieren, nur um doch noch ein paar Stimmen zu ergattern. Die verschiedenen Wahlkampftaktiken, sowohl die sauberen als auch die dreckigen, werden am Beispiel von der Hauptfigur selbst, dem ersten Gegenkandidaten und dessen Vertreter hervorragend dargestellt. Die Hauptfigur des Jack Stanton ist dabei hervorragend konstruiert. Einerseits ist er durchaus ein Lebemann, der sich die eine oder andere Affäre gönnt, andererseits setzt er im Wahlkampf jedoch auf faire Taktiken und bleibt auch sportlich, als sein Gegner mit Dreck schleudert. Die anschließende Wandlung, hin zum genauen Gegenteil, zum unmoralischen und skrupellosen Politiker wird dabei ebenfalls perfekt dargestellt und bleibt zu jedem Zeitpunkt realistisch und sowohl politische Karriere als auch Privatleben werden genau unter die Lupe genommen. Der Kreis seiner Anhänger, allen voran der junge Harvardabsolvent Henry Burton, ist ebenfalls gut konstruiert und bleibt ebenfalls im Rahmen des Realistischen. Die Handlung an sich ist unvorhersehbar, überrascht damit immer wieder und ist perfekt auf das einerseits tragische, andererseits aber auch offene und damit zum Nachdenken anregende Ende zugespitzt.

Bei der Inszenierung spielt Nichols seine gesamte Routine aus. Nichols baut keine weiteren Subplots ein, konzentriert sich ausschließlich auf das Wesentliche und lässt sich dabei ausreichend Zeit, um die Veränderung der politischen Situation und der Charaktere ausreichend darstellen zu können, auch wenn der Film so nur schwerlich an Fahrt gewinnt und im Mittelteil durchaus ein paar Längen hat. Narrativ gibt es an dieser, durchweg interessanten und unterhaltsamen Polit-Satire nicht viel zu bemängeln, zumal auch die Dialog-Szenen einfach klasse geworden sind. Nichols setzt seine Darsteller dabei perfekt in Szene und spielt sie alle hervorragend aus. Handwerklich ist der Film ansonsten auch recht gut gelungen, die Filmmusik ist passend, wenn auch nicht sonderlich auffällig und optisch gibt es ebenfalls keine Mängel. Sonderlich viele Lacher gibt es nicht, zumal sich der Film beinahe ausschließlich auf Sarkasmus beschränkt und Klamauk erst gar nicht zulässt, aber das hätte der Film auch nicht nötig gehabt. Der Sarkasmus über die amerikanischen Wahlen zündet nämlich voll und ganz, zumal er von den exzellenten Darstellern beißend serviert wird. Wenn die Längen im Mittelteil nur nicht wären....

Der Cast ist nahezu perfekt. John Travolta bringt für die Rolle des Politikers das nötige Charisma und die nötige Ausstrahlung mit und spielt zudem in absoluter Hochform auf, bietet beißenden Sarkasmus, aber auch emotionale Momente. Vom typischen aufgesetzten Politiker-Lächeln, bis hin zum geheuchelten Mitgefühl passt bei ihm einfach alles. Emma Thompson ist als Ehefrau ebenfalls überragend und spielt enorm realistisch und authentisch. Kathy Bates, die für "Mit aller Macht" völlig verdient eine Oscar-Nominierung erhielt überzeugt mit ihrer schlagfertigen Art voll und ganz und auch Adrien Lester, der den jungen Wahlkampfhelfer , aus dessen Perspektive der Film erzählt wird, spielt, bringt eine ordentlich Leistung. Billy Bob Thornton ist jedoch der charismatischste und auffälligste Darsteller von allen. Er wirft immer wieder zynische Kommentare ein, ist als ungehobelter Wahlkampfhelfer klasse besetzt und verbucht mit so die meisten Lacher von allen. Der restliche Cast ist ebenfalls gut.

Fazit:
Mit seiner vielschichtigen und realistischen Handlung, seinem beißenden Sarkasmus, der starken Inszenierung von Mike Nichols und seinem perfekten Cast ist "Mit aller Macht" eine gelungene Polit-Satire, die im Mittelteil leider einige Längen aufweist.

73%

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