Senator Stoddart (James Stewart) kehrt zur Zeit des Wilden Westens in seine ehemalige Heimatstadt zurück, weil ein Bekannter von ihm, Tom Doniphon (John Wayne) verstoben ist. Einem Reporter gibt er ein Interview, in dem er seine Lebensgeschichte erzählt, wie er als aufstrebender Anwalt in die Kleinstadt Shinbone kam und wie er den berüchtigten Verbrecher Liberty Valance erschoss.
John Fords "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" darf zu den prägendsten Western seiner Zeit gezählt werden. Als einer der letzten Vertreter des klassischen Westerns entkräftigt Ford höchstpersönlich bekannte Mythen, an denen er selbst einen beachtlichen Anteil hatte.
In diesem Film sieht man kaum etwas vom gelobten, weiten Land, in dem alles möglich ist und Leute mit Gerechtigkeitssinn wie Stoddart zu Ruhm und Ehre gelangen. Das gelingt ihm zwar, doch nur mittels eines Mordes, dank dem er zur Legende wird. Also doch ein möglicher Heldenstatus für jedermann, der Mann genug ist, eine Waffe abzufeuern? Wohl kaum, denn mit Hilfe einer tollen Wendung verabschiedet sich Ford auch von diesem Klischee und zeigt uns den wahren Helden Doniphon, der schließlich einsam und verlassen stirbt, während sich Stoddart vor einer steilen Karriere als Politiker sieht.
Das alles wird mittels Rückblende in klassischem schwarz-weiß erzählt, obwohl 1961 Farbtechnik verbreitet gewesen wäre. Doch Ford wollte das nicht und sparte auch in der Ausstattung an allen Ecken und Enden. Da sieht man beispielsweise beim Überfall am Anfang auf die Postkutsche nur allzu deutlich die Pappkulissen, schöne Landschaftsaufnahmen gibt es kaum. Das ist durchaus gewöhnungsbedürftig, spiegelt aber wohl eher den echten Wilden Westen dar.
Zwei wichtige Elemente des Films sind zudem eine Liebesgeschichte, die man sich meiner Meinung nach hätte schenken können. Die dient nur dazu, die Unterschiede zwischen dem klassischen Revolverhelden John Wayne und dem aufstrebenden, gerecht denkenden James Stewart zu verdeutlichen. Des weiteren legt Ford ein großes Augenmerk auf Politik, was diesem Western eine noch realistischere Note verleiht, aber eine herausragende Wertung meinerseits verwehrt. Denn alle Szenen rund um den Wahlkampf ziehen sich viel zu sehr in die Länge und nehmen der Geschichte jeglichen Drive, was besonders kurz vor der finalen Wende deutlich wird.
Die ist dann wieder fantastisch gelungen und bietet zusammen mit der Schlusspointe ein schönes Gesamtbild von einem der letzten Vertreter seiner Zunft, der aber bei weitem nicht mehr so klischeebehaftet ist wie viele seiner Vorgänger. Und wenn, dann ist es Absicht.
Für Fans klassischer Western ein Pflichttermin, obwohl die Geschichte durchaus Längen aufweist.