Review

Ein paar Jährchen in der DDR habe ich auch noch mitgemacht und, obwohl meine Erinnerungen an diese Zeit recht schwach sind, muss ich sagen, dass "Sonnenallee" nicht ganz die Realität von damals widerspiegelt. Viele Sachen sind doch leicht überspitzt dargestellt und bestätigen viele Klischees.

Aus dem Thema hätte man etwas mehr machen müssen, denn der "Ossi-Look" ist nur eine Hülle, die eine schwache, weltbekannte Story umgibt. Im Kern ist "Sonnenallee" fast nur ein deutscher Teeniefilm, der in der DDR-Zeit spielt. Ein paar Kumpels haben Spaß an ihrer Jugend. Dazu gehört die Liebe, die hier einen großen Teil einnimmt, und eine fast normale Freizeitbeschäftigung. Spaß machte, was verboten war und so hörte man auf ausgeleierten Tapes natürlich verbotene Musik, auch wenn sie scheiße (Die "Stones" mal ausgenommen) und in mieser Qualität war - Hauptsache verboten eben.

Im Film hätte man sich nicht ganz soviel auf die Musik konzentrieren müssen. Wenn man es tut, hätte man aber wenigstens zum Beispiel auf nähere Einzelheiten in der Musikauswahl in den Discos eingehen können, denn dort musste natürlich mehr DDR- als Westmusik gespielt werden. Es gab sogar feste Richtlinien, ca. 60% Ost- und 40% Westmusik. Aber so bleibt der Film in vielen Sachen einfach zu oberflächlich und geht nur teilweise auf das Leben eines Ossis ein. Vielmehr konzentriert er sich auf die Optik. Die Outfits beziehungsweise die Kostüme sind recht realistisch. Strumpfhosen und Unterwäsche gab es aber, welch ein Wunder, auch in der DDR. Die hätte Onkel "The Smuggler" Heinz nicht unbedingt aus dem Westen mitgehen lassen müssen. Die Wohnungseinrichtungen gehen ebenfalls in Ordnung, auch wenn sie etwas sehr trist dargestellt werden. Etwas skeptisch bin ich aber gegenüber der gesamten Atmosphäre in dem Stadtteil. Er sieht aus, als ob es in der DDR keine Farbe gegeben hätte. Das Ganze ist hier zu dreckig und grau geraten.

Alles in allem hätte "Sonnenallee" etwas tiefsinniger sein können. Kritik an dem DDR-System und ihrer Scheindemokratie (es gab übrigens auch noch andere Parteien außer der SED) wird zu selten deutlich. Der Stasi-Nachbar hätte weiter ausgebaut werden können. Oder auch die Manipulation der Bürger bei Wahlen hätte man einbringen können. Stattdessen versucht der Film nur eine Komödie zu sein und erledigt diese Aufgabe nur mittelmäßig (gut ist aber die Tanzeinlage in der Disco). Zu oft herrscht einfach Leerlauf. Die Schauspieler machen immerhin eine gute Figur. Den Ossi-Bürger nimmt man ihnen jedenfalls ab. Robert Stadlober spricht hier zwar noch wie Mickey Maus auf Helium mit einer Zange an den Weichteilen, was ein wenig nervtötend ist, aber sei es drum, über den Durchschnitt kommt "Sonnenallee" einfach nicht hinaus, da die Ossi-Zeit hier nur Ausschmückung ist.

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