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"Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt" ist der Abzählreim, den englische Kinder noch heute zu den sechs Ehefrauen von Henry VIII. kennen. Er ist die Verkörperung des Renaissance-Herrschers. Hochgebildet sprach er mehrere Sprachen, komponierte und korrespondierte mit den geistigen Größen seiner Zeit. Aber er war auch ein hemmungsloser Genussmensch, bekannt für tagelange Gelage, zügellose Gier und natürlich für seine sechs Ehefrauen, von denen er zwei wegen Untreue hinrichten ließ.

Das waren noch Zeiten, als auf Englands Thron nicht solche Langweiler, wie Prince Charles, saßen, sondern eben noch schillernde Monarchen vom Schlage Heinrichs des Achten. Seine Geschichte wird hier in drei Stunden auf zwei DVD´s aufwendig und sehr authentisch geschildert. Das Leben könnte dabei so schön sein, wenn er nicht seinem Vater am Sterbebett versprochen hat, die Blutlinie fortzuführen, was zu damaligen Zeiten eben hieß, ein Sohn muß her.
Ein echter Risikojob damals war die Position der Königin. Heinrich gelang es in kurzer Zeit nicht weniger als sechs Damen zu verschleißen, ohne das der ersehnte Sohn geboren wird. Einige seiner Ehefrauen landen dabei gar auf dem Schafott (Überlebensquote 50%). Besonders die Liäson mit seiner zweiten Frau Anne Boleyn wird sehr ausführlich geschildert (schließlich hat man Helena Bonham Carter nicht für einen Kurzauftritt gebucht). Um sie zu bekommen setzt der König sogar sein ganzes Reich aufs Spiel, denn um zu einer Scheidung seiner ersten Frau zu kommen, sagt er sich sogar vom Papst und der katholischen Kirche los, was beinahe sogar einen Bürgerkrieg zur Folge hatte.
Historisch korrekt ist auch das Boleyn sich als ziemlich machtgieriges Luder herausstellt, das für ihre Position jeden miesen Trick zur Machterhaltung drauf hat. Genützt hat es freilich wenig, denn auch ein hübscher Hals ist nicht stärker als des Henkers Axt. Neben den nun rasch folgenden Frauengeschichten gibts noch jede Menge Intrigen und Eifersüchteleien am Hof. Alles wird säuberlich dokumentiert und vor allem die zahlreichen Kostüme lassen den Ablauf sehr authentisch aussehen.
Zu loben sind dabei auch die guten Darsteller. Selbst kleinere Rollen sind mit erfahrenen Profis besetzt, man kann getrost sagen, das trotz der langen Laufzeit nie wirkliche Hänger auftreten, man sollte sich natürlich ein wenig Zeit nehmen. Als kleine geschichtliche Nachhilfestunde ist Henry VIII jedenfalls brauchbar, zumal die DVD´s mittlerweile zum low budget Preis bereit liegen.
8/10

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