Schon nach wenigen Sekunden ist Jeunes filles impudiques zweifelsfrei als ein Film von Jean Rollin zu identifizieren, auch wenn hier weit und breit keine Vampire zu finden sind. Gedreht kurz nach dem wundervollen Requiem pour un Vampire unter dem Pseudonym Michel Gentil erzählt der Film die Geschichte von zwei jungen, hübschen, naiven, lebenslustigen Mädchen, die in die Fänge eines brutalen, skrupellosen Gangster-Trios geraten. Zu Beginn wandern die brünette Monica (Joëlle Coeur, Les Démoniaques) und die blonde Jackie (Gilda Arancio, Swedish Sex Games) unbekümmert durch einen Wald, entdecken ein großes, altes, abgelegenes und scheinbar verlassenes Haus und machen es sich dort für die Nacht bequem, lesbische Sexspielchen inklusive (das erste Drittel des Streifens ist äußerst sexlastig; danach rückt der Sex zunehmend in den Hintergrund). Wie sich jedoch bald herausstellt dient der Safe des Hauses als Versteck für gestohlene Juwelen, und als ebendiese Juwelen spurlos verschwinden, fällt der Verdacht der drei Verbrecher (Marie Hélène Règne, Pierre Julien sowie Willy Braque mit monströsem Schnauzer) natürlich prompt auf die beiden Mädels. In die Sache hineingezogen werden noch ein lascher Privatdetektiv (François Brincourt) mit seiner heißen Sekretärin (Reine Thirion, die einem Fetisch-Bildband entsprungen zu sein scheint), und am Ende erscheint Rollin höchstselbst auf der Bildfläche und trägt einiges zur Aufklärung der verzwickten Situation bei.
Zugegeben, Jeunes filles impudiques ist weder große Kunst noch ein Highlight in der Filmographie von Jean Rollin, aber für Fans des französischen Auteurs gibt es auch in dieser Auftragsarbeit genug Schmackhaftes zu entdecken, um bis zum Ende dran zu bleiben und viel Spaß zu haben. Die altbekannten Ingredienzien, welche sich in Rollins Oeuvre mit schöner Regelmäßigkeit wiederholen, findet man auch hier. Zwei junge, unschuldige Frauen stolpern in ein ungewöhnliches Abenteuer, das ihnen zum Verhängnis zu werden droht. Der Hauptschauplatz ist ein altes Gemäuer, die Stimmung ist unwirklich und märchenhaft, und die Geschichte ist so simpel wie die beiden Protagonistinnen hübsch sind. Des Weiteren ist der Sex zärtlich und schön anzuschauen... man küßt sich, streichelt sich, erkundet die jeweiligen Rundungen, und versetzt seine Partnerin langsam aber zielstrebig in Ekstase. Softer, harmloser, neckischer Sexspaß fürs Auge, der Lust und Freude vermittelt. Das ändert sich plötzlich, als eines der beiden Mädels in die Hände der Anführerin des Trios fällt, denn die schreckt auch vor (sexueller) Folter nicht zurück. Die hilflos Gefesselte muß nicht nur zahlreiche Peitschenhiebe über sich ergehen lassen, ihre Brüste werden auch noch mit einer großen Eisenzange malträtiert, und als Draufgabe müssen sogar einige Haare (einer Perücke) dran glauben. Die Szene sticht heraus, da der brutale, unangenehme Ton in krassem Kontrast zur eher lockeren, teilweise auch heiteren Grundstimmung des Filmes steht.
Die manchmal sprunghaften Stimmungsschwankungen werden durch Pierre Raphs gelungener, oftmals jazziger Musikuntermalung zusätzlich verstärkt, was einerseits etwas befremdlich ist, andererseits aber dem Unterhaltungswert gewiß nicht schadet. Die tolle Kameraarbeit geht auf das Konto von Jean-Jacques Renon, der für Rollin u. a. auch Le Frisson des Vampires, La Rose de Fer und Les Démoniaques abgelichtet hat. Obwohl das übernatürliche Element durch Abwesenheit glänzt ist Jeunes filles impudiques ein fröhlich-nettes Sexfilmchen, das echte Fans des Franzosen nicht missen möchten, da hier sowohl Rollins besonderer Stil als auch die eigenwillige Atmosphäre, welche dem Großteil seiner Werke anhaftet, in rauhen Mengen vorkommen. Überzeugt euch selbst.