Der Film "Mutant Chronicles" steht bei den OFDB-Usern derzeit wohl hoch im Kurs. Ich wette allerdings, dass die meisten davon noch nie Jean Rollin´s "Killing Car" gesehen oder geschweige dessen davon gehört haben. Im WWW kommt der Streifen leider nicht immer gut weg. Zeit für eine Gegendarstellung also.
"Killing Car" ist Rollin´s wohl unbekanntestes Werk. Das liegt wohl daran, dass weder weibliche Vampire noch die übliche morbide Poesie darin auftauchen. Statt dessen geht es um eine asiatische Schönheit, die einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen einpaar schlimme Leutchen ausübt...
Teilweise fast schon amateurhaft wirkt dieser Film, dem man sein ziemlich niedriges Budget deutlich anmerkt. Statt Friedhöfen oder Schlössern wählt Rolling hier unfertig gestellte Neubauten, verregnete Rummel- oder Schrottplätze, einsame Bauernhöfe etc. Manchmal könnte man fast meinen, er sei der Poesie des Hässlichen verfallen, so schnörkellos und unverblümt kommt "Killing Car" daher. Trotzdem macht sich in dem gesamten Werk eine seltsame Tristess und Hoffnungslosigkeit breit. Hauptdarstellerin Tiki Tsang wirkt wie ein Todesengel, der - wie einst die Killerlady in Abel Ferrara´s "Ms. 45" (OT) - alles und jeden mit der Knarre umpustet, der sich ihr in den Weg stellt. Nach ca. 90 Minuten Film ist der Body Count zweistellig. Auf allzu detaillierte Gewalt verzichtet Rollin allerdings.
Auch ist der Streifen ein ziemlich krasser Spagat zwischen Kunst und Trash. Einmal klaut Rollin ganz unversehens die Score bei einem italienischen Horrorfilm (dessen Titel mir spontan leider nicht einfällt...), ein anderes Mal klingt der Soundtrack verdammt nach Michael Jackson´s "Thriller". Auch fast jede aus der weiblichen Darstellerriege darf mal aus den Kostümen hüpfen. Hinzu kommen einige verwackelte Einstellungen mit der Kamera...
Trotzdem ist "Killing Car" ein interessanter Film, den jeder rollinesque Infizierte mal gesehen haben sollte. Der Unterhaltungswert ist eigentlich konstant hoch, die schauspielerischen Leistungen sind ordentlich. Und der künstlerische Aspekt ist mal wieder so bizarr, dass ihn vermutlich bloß der Meister selbst versteht. Bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber mir hat "Killing Car" gut gefallen! 8 von 10 Punkten.