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Basierend auf einem wahren Fall: Jodie Foster spielt eine junge Frau, die von mehreren Männern vergewaltigt wird. Nachdem ihre Anwältin, gespielt von Kelly McGillis, die Täter wegen fahrlässiger Körperverletzung hinter Gitter gebracht hat, starten die beiden auch einen Prozess gegen die Zuschauer, die die Täter in der Bar bei der Vergewaltigung anfeuerten.

Gerade, wenn man wahre Kriminalfälle verfilmt ist es wichtig, einerseits im Rahmen des Realistischen zu bleiben, andererseits aber auch das Interesse des Zuschauers zu wecken, in dem man sich auf die wichtigsten Fakten beschränkt und die Charaktere sauber konstruiert und all dies ist bei "Angeklagt" im Großen und Ganzen der Fall. Die Charakterkonstruktion ist realistisch und relativ vielschichtig gelungen und sowohl dem Opfer, dem als schlechter Leumund nicht geglaubt wird und der engagierten Anwältin wird so ein Gesicht gegeben. Beide Figuren werden einerseits relativ sympathisch, andererseits aber auch mit Ecken und Kanten konstruiert. Die Handlung an sich ist ebenfalls gut wiedergegeben und die wichtigsten Elemente eines gelungenen Justiz-Thrillers sind definitiv enthalten. Da es sich um einen wahren Fall handelt entspricht die Story keiner Stereotype und ist nicht vorhersehbar. Gerade, weil es auf einer wahren Begebenheit basiert, ist "Angeklagt" damit ziemlich interessant und sehenswert. Darüber hinaus gibt es einen stellenweise verstörenden Einblick in die menschliche Seele und gerade bei diesem Verbrechen, bei dem dutzende Zeugen einfach zusahen und sogar anfeuerten gibt es einigen Stoff zum Nachdenken.

Die Inszenierung von Regisseur Jonathan Kaplan ist solide, aber nicht sonderlich auffällig. Die Filmmusik bleibt die meiste Zeit im Hintergrund, mit den starken Darstellern kann Kaplan aber dennoch eine relativ emotionale Atmosphäre aufbauen und die Dramatik zum Ende hin geschickt steigern. Spannung kann Kaplan leider kaum aufbauen, da er mehr Wert auf Dramatik legt, wobei er dabei stellenweise ein wenig übertreibet und teilweise ein paar überproportionierte Emotionen liefert, aber auch hier können die guten Darsteller verhindern, dass es noch rührseliger wird. Vielleicht hätte es sich bei "Angeklagt" empfohlen, die Vergewaltigungsszenen noch ein bisschen härter darzustellen, um das Werk noch verstörender und abschreckender wirken zu lassen, aber auch so ist das Werk nicht sonderlich leicht zu schlucken. Das Erzähltempo hält Kaplan recht hoch, womit "Angeklagt" alles in allem ordentlich unterhalten kann, aber bei diesen guten Darstellern und dem interessanten Fall wäre vermutlich auch mehr drin gewesen. Außer "Angeklagt" gelangen Kaplan in seiner Karriere kaum weitere nennenswerte Filme.

Schon als Kind gehörte Jodie Foster zu den besten Darstellerinnen Hollywoods und zeigte beispielsweise in Martin Scorseses "Alice lebt hier nicht mehr" und "Taxi Driver", dass sie ein aussichtsreiches Talent ist und bestätigte diesen Eindruck mehrfach. Für "Angeklagt" erhielt Foster schließlich den Oscar als beste Hauptdarstellerin und gehörte endgültig zu Hollywoods erster Reihe, noch bevor sie drei Jahre später die beste Leistung ihrer Karriere in "Das Schweigen der Lämmer" brachte und einen zweiten Oscar erhielt. Jodie Foster liefert auch hier eine überaus emotionale Vorstellung ab und gibt ihrer Figur emotionale Tiefe. Mit viel Einfühlungsvermögen überzeugt sie von der ersten Minute an und zieht das Mitleid des Zuschauers die ganze Zeit über geschickt auf sich. Allein für diese Leistung von Jodie Foster, die über jeden Zweifel erhaben ist, lohnt sich das Ansehen des Films. Kelly McGills wurde einst selbst vergewaltigt und so merkt man hier, dass sie es definitiv ernst meint. Sie meistert die Rolle der Anwältin überzeugend und verleiht ihrer Figur die nötige Tiefe und läuft nach "Der einzige Zeuge" wieder zur alten Hochform auf, wobei sie neben der brillierenden Jodie Foster eher eine Randnotiz darstellt.

Fazit:
Mit einer vielschichtigen und interessanten Story nach einem wahren Fall gibt "Angeklagt" einige Denkansätze und ist allein wegen der brillierenden Jodie Foster schon sehenswert. Schade, dass die Inszenierung eher unauffällig geworden ist und "Angeklagt" damit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dennoch empfehlenswert.

70%

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