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Das Recht des Reicheren?

„Accused“ ist ein sehr realer und unangenehmer Thriller und ein hartgekochtes Gerichtsdrama, wo eine junge Frau zusammen mit ihrer verzweifelnden Anwältin um Gerechtigkeit und Wahrheit kämpft, nachdem sie in einer Bar von mehreren Männern vor einigen Zeugen eiskalt vergewaltigt wird…

Rape & Gerichtssaal-Revenge?

In der Tradition von „Wer die Nachtigall stört“ oder dem späteren „Die Jury“ ist „Accused“ ein äußerst schmerzhafter und glaubhaft geschilderter Kampf gegen Unrecht, Täter, Lügen, Windmühlen, Männer außer Rand und Band. Mit einer der heftigsten Vergewaltigungsszenen, die je in Hollywood inszeniert wurden. Da kommen selbst harte, verrufenere, verbotene Horrorschocker nicht mit. Das tut richtig weh. Und wie oft man auch heute noch hört, dass Frauen sich zu knapp gekleidet hätten, zu aufreizend getanzt hätten, zu leise oder gar nicht Nein gesagt hätten, dann kann man „Accused“ gar nicht hoch genug loben. Mutig, heftig, absolut nicht unrealistisch. Bitter und am besten auf leeren Magen zu genießen. Jodie Foster mit einer All-Timer-Performance von der man zu keiner Sekunde die Augen lassen kann. Ganz sicher kein hohler, einfältiger Angriff auf das männliche Geschlecht. Sondern begründet, authentisch, fast eher auf die Gesellschaft an sich, die Erziehung, die Sexualisierung, das Rechtssystem. Nicht einseitig, sondern wahr. Von Barbaren und Tieren, von Schweigen und Gruppendynamik, von Gerechtigkeit und Wahrheit, von Schuld und Schaden, von Sex und Straftaten. Kelly McGillis als Anwältin ist ebenso nicht zu verachten. „Accused“ nutzt jede Minute sinnvoll und ist über jeden Zweifel erhaben. 

Der Anti-„Roadhouse“?

Fazit: ein Film, der aggressiv und sprachlos macht. Damals wie heute. Harter Tobak, viel zu oft wahre Begebenheiten, eine magische Jodie Foster. „Accused“ ist provokativ, wichtig und noch immer zurecht mehr als wütend. Ein weiterer Qualitätsfilm aus '88. 

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