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Der Name Peter Maris (Delirium, American Steel) steht nicht unbedingt für Qualität, auch seine siebte Regiearbeit "Hangfire" ist höchstens Durchschnittskost. Selbst der namhafte Cast vermag die Actionarmut nicht zu übertünchen, zudem wirkt Hauptdarsteller Brad Davis (Kalt wie Stahl, Der Amerikaner) fehlplatziert. Leider verstarb Davis noch im selben Jahr, "Hangfire" war seine letzte Hauptrolle, ein besserer Abgang wäre ihm zu wünschen gewesen.

In New Mexico kommt es zu einem tragischen Unfall, bei der eine giftige Chemikalie freigesetzt wird. Deswegen muss das Gefängnis von Barnes (George Kennedy) umgehend geräumt werden. Doch dabei kann der mehrfache Mörder Kuttner (Lee de Broux) mit einigen Mitgefangenen fliehen. Ihre Flucht endet in einer abgelegenen Wohnsiedlung. Dort nehmen sie alle Bewohner als Geiseln, der Polizei Lieutenant (Yaphet Kotto) ist machtlos. Auch der hinzugerufene Colonel Johnson (Jan-Michael Vincent) bekommt die Lage nicht in den Griff. Doch Kuttner hat nicht mit dem ehemaligen Vietnamveteranen und jetztigem Sheriff Isaac "Ike" Slayton und dessen Kumpel Billy (Ken Foree) gerechnet. Die Beiden nehmen den Kampf auf.

Aus diesem Plot hätte man wahrhaftig einen echten Kracher auf die Leinwand zaubern können, doch Drehbuchautor Brian D. Jeffries (Helden USA IV) verhaspelt sich in unnötigen Dialogen und zuvielen Charaktere. Eigentlich erhoffte ich mir von "Hangfire" ein kurzweiliges "Stirb Langsam" Plagiat, doch dem ist weit gefehlt. Immerhin geht alles recht schnell, der Chemieunfall wirkt zwar ein bisschen gekünstelt, bietet aber eine fast bildschirmgroße Explosion. So macht sich eine Giftwolke Richtung Gefängnis auf und dank der stümperhaften Evakuierung kann Kuttner mit einem Bus voller Sträflinge fliehen. So gibt es zu Beginn eine kleine Verfolgungsjagd, die Polizei stellt sich mal wieder dermaßen unfähig an, so kann Kuttner in die Siedlung fliehen und jede Menge Geiseln nehmen.

Zuvor kidnappte er schon die Staatsanwältin Maria Slayton (Kim Delaney), die Frau von Sheriff Ike. Der und sein Kumpel Billy sind die einzigen, welcher der Attacke von Kuttners Mannen entgehen können. Die trommeln nämlich alle Bewohner zusammen und pferchen sie in einen Raum, doch Ike und Billy schalten Kuttners Männer aus, leider völlig unspektakulär. Überhaupt muss der Zuschauer komplett auf Zweikämpfe verzichten, ein paar Shootouts, recht ordentlich choreographiert, dominieren die Action. Leider darf es erst im Showdown richtig krachen, die kleinen Schusswechsel zuvor sind höchstens als Intermezzos zu bezeichnen und kaum der Rede wert. Da helfen auch die blutigen Einschüsse nicht weiter. Nebenbei müssen sich Ike und Billy noch mit dem großkotzigen Colonel Johnson herumschlagen, dessen hirnrissige Aktionen schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. So dümpelt "Hangfire" vor sich hin, anstatt zu handeln hocken Ike und Billy im errichteten Basiscamp und Kuttner versucht Maria anzubaggern. So gibt es statt Action jede Menge Leerlauf.

Eigentlich schade um die vielen bekannten Gesichter. Nur Brad Davis will man den ehemaligen Vietnamveteranen nicht so richtig abnehmen, aber er hat auch nicht sonderlich viel zu tun. Dagegen ist Ken Foree (Dawn of the Dead, Leatherface) wirklich gut platziert und auch ein sympathischer Charakter. Jan-Michael Vincent (Airwolf, American Soldier) mimt überzeugend den arschlöchigen Colonel Johnson, Yaphet Kotto (Leben und sterben lassen, Running Man) hat zu wenig Screentime. Lee de Broux (Skyscraper, Wild Bill) ist als Fiesling Kuttner recht brauchbar, so auch Kim Delaney (Body Parts, Delta Force) und George Kennedy (Giganten am Himmel, Deathship) hat nur eine Minirolle als Gefängnisdirektor.

Wenn die Story schon nicht viel hergibt, so sollte man versuchen mit möglichst vielen Actionszenen zu punkten. Doch "Hangfire" hat ausser den bekannten Darstellern, der netten Kulisse mit Westerntouch und einem actionreichen Finale nicht viel zu bieten. Trotz der kurzen Laufzeit von 85 Minuten schleicht sich erstaunlich viel Leerlauf ein, so dass es bei mir nur für knappe 5 Punkte reicht.

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