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Eigentlich von Rita Mae Brown als reine Parodie auf das Slasher Genre geschrieben, wurde das Drehbuch von The Slumber Party Massacre mehrfach von den Produzenten geändert, so daß der Film oberflächlich doch zunächst deutlich ernster wirkt. Der im Gegensatz zu Genregrößen wie Halloween, Prom Night oder Freitag der 13. im deutschen Sprachraum kaum bekannte Film sticht besonders dadurch hervor, daß sich mit Ein Hund namens Beethoven Autorin Amy Holden Jones auch auf dem Regiestuhl eine Frau eingefunden hat. Einen Unterschied merkt man dem Ergebnis allerdings nur bedingt an.
Die Belanglosigkeit einer Vorgeschichte wird gekonnt mittels einer hingeworfenen Zeitung persifliert, deren Schlagzeile den Zuschauer über einen entflohenen Maniac Killer informiert. Dieser läßt auch nicht lange auf sich warten, denn anstatt sich mit zu viel Geplänkel aufzuhalten zitiert sich The Slumber Party Massacre in gerade mal 76 Minuten flott durch die bekannten Konventionen, wobei der Mörder frei nach The Driller Killer und Der Bohrmaschinenkiller seinen großen Akkubohrer schwingt.

Das Mordwerkzeug nimmt hier tatsächlich mehr als deutlich die Position als Phallussymbol ein und steht in der Geschichte noch offensichtlicher als anderswo für die Unsicherheit Heranwachsender, die Teenslasher für eine junge Generation so zugänglich macht. Unterstreicht The Slumber Party Massacre zunächst seinen pubertären Blickwinkel durch nackte Tatsachen und zaghafte, zwischengeschlechtliche Annäherungsversuche, so sind es später die Teenager Mädchen, die ohne die Obhut der Eltern nun auf sich selbst gestellt sind. Drogen, Alkohol und Sex sind Prüfungen, denen sich die Jugendlichen zu stellen haben.
Die ungewisse Zukunft manifestiert sich in Form des Killers, der sie symbolträchtig mit seinem Mordwerkzeug zu penetrieren trachtet. Einerseits für junge Frauen als Angst vor der Entjungferung zu verstehen, läßt sich von männlicher Seite aus auch die plumpe Art, erste sexuelle Kontakte zu knüpfen in dieses Bild interpretieren. Beachtet man die neugierig durchs Fenster starrenden Jungen, wird die These dadurch gar unterstrichen.

Trotz unterschwelligem Humor mit sympathischem, manchmal dem Genre gegenüber leicht kritischem Augenzwinkern kann The Slumber Party Massacre leider nicht voll überzeugen. Natürlich ist dem Film anzuerkennen, daß er noch inmitten des Teen Horror Booms - also weit vor Scream - derart parodistische Formen anstrebte, allerdings wäre noch weit mehr Luft für morbiden Humor gewesen, ohne in den Klamauk abzugleiten. Im Gegensatz zu den großen Klassikern fehlt ein stimmungsvoller Score, aber auch die Momente um den Killer lassen surreale Anteile missen. Er ist halt nur ein Mörder ohne Maske, der gerade in Verbindung mit der Teenkulisse nicht die schmutzige Atmosphäre bietet, die andere eher realistische Charaktere versprühen konnten.
Zartbesaitet sollte man trotzdem nicht sein, denn neben fast schon zu vielen Finten gibt sich The Slumber Party Massacre ganz schön brutal. In den USA ist dies allerdings nicht so problematisch, denn die eigentliche Zielgruppe darf den Film unter 17 in Begleitung eines Erwachsenen im Kino bestaunen. (r-rated) Durch die amerikanischen Altersfreigaben läßt sich schließlich sogar eine weitere Erklärung für die Bohrerpenetrationen geben, denn während zuviel nackte Haut schnell zu einem höheren Rating führen kann, ist der Spielraum für Gewaltszenen etwas größer. Mord als Sexersatz quasi, was kulturell eigentlich einen größeren Abgrund darstellt, als die Story an sich.

Letztlich bedient der Film Standardansprüche an das Genre und kann einigermaßen kurzweilig unterhalten. Während man in jungen Jahren sowieso jeden verfügbaren, etwas anrüchigen Film konsumiert hat, bleibt The Slumber Party Massacre aber hauptsächlich für Komplettisten ein Pflichterwerb. Man ist eben der Zielgruppe doch etwas entwachsen und bekommt zu wenig Spezielles geboten. Der Film ist in sich abgeschlossen und so darf man sich auch überlegen, ob man die Fortsetzungen wirklich braucht, denn diese bewegen sich mehr im Bereich Videotrash, wobei besonders Teil 2 nur durch skurile Momente glänzen kann, die man sehen wollen muß.

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