Nach dem 1980 erschienenen "Battle Creek Brawl" gab sich der asiatische Actionmeister Jackie Chan fünf Jahre später in seinem zweiten echten US-Streifen namens "The Protector". Drehbuch und Regie lag in den Händen von Regisseur James Glickenhaus, der in seiner gesamten B-Action Laufbahn nur allenfalls mittelmäßige Streifen hervorweisen kann.
Jackie Chan mimt den asiatischen Cop Billy Wong, stationiert bei der New Yorker Polizei. Eines Tages nach Feierabend geht er mit seinem besten Kollegen Michael noch einen trinken. Eine falsche Entscheidung, denn genau in diesem Moment entschließt sich eine Bande Gangster die Bar zu überfallen. In der Ballerei kommt Michael ums Leben und Billy rächt sich darauf brutal an den Mördern seines Kollegen. Gar nicht begeistern davon ist sein Vorgesetzter, der ihn strafversetzt. Von nun an ist Billy der Partner von Danny Garoni (Danny Aiello), dessen neuster Auftrag lautet, bei einer Modenschau Security für die Tochter des reichen Geschäftsmannes Shapiro zu spielen. Trotz ihres Einsatzes können vermummte Verbrecher mit Maschinenpistolen die junge Frau entführen. Die New Yorker Polizei vermutet hinter der Tat den asiatischen Drogendealer Ko. Danny und Billy werden von ihren Vorgesetzten nach Hong Kong geschickt, um den Fall zu lösen. Dort angekommen, erwarten sie nur Schwierigkeiten und ihr Leben ist schnell in Gefahr.
Selbst auf dem ausgelutschten Sektor der Copmovies gab es schon frischere Geschichten, aber wer Glickenhaus' Handschrift kennt, weiß nur zu gut, dass storytechnisch von selbigen nicht allzuviel zu erwarten ist. Alle denkbaren genreüblichen Klischees lassen sich beim Protector auffinden, was den Film leider etwas hilflos, schäbig und altbacken rüberkommen läßt. Einzelne Handlungssequenzen sind im Prinzip nur Mittel zum Zweck, um irgendetwas in die Luft zu jagen oder jemanden zu vermöbeln. Insgesamt gesehen kann Glickenhaus keine einzige neue Idee präsentieren, was für Kenner der klassischen B-Actionstreifen etwas fade rüberkommt. Vereinzelte Peinlichkeiten und deutlich überstrapazierte Klischees lassen das Treiben unfreiwillig billig erscheinen. Ein Beispiel wäre der schon armselige Versuch, einige nackte Tatsachen im Drogenlabor zu präsentieren. Auch die Charaktere können mit nichts aufwarten. Alle sind recht schroff und oberflächlich. Einblick in die Psyche jener oder irgendeinen Tiefgang braucht man nicht zu erwarten - den plumpen Actionfan wird's vielleicht erfreuen. Allerdings darf man sich schon über die facettenlosen 08/15-Cops und Bösewichte ärgern - da wäre mit etwas Feingefühl viel mehr drin gewesen.
Wenigstens die Action bewegt sich auf einem ordentlichen Level. Glickenhaus weiß seine explosiven und bleibetonten 80er Jahre-Demolierszenen zu inszenieren. Shootouts in der heimischen Bar, Hubschrauber- und Bootverfolgungsjagden und explodierende Autos können sich für einen 80er-B-Flick durchaus sehen lassen. Etwas mehr Feingefühl hätte man sich bei den Martial Arts-Szenen erhofft. Ein paar nette Ideen kann der Film zwar in seinen Prügeleien aufweisen, aber allgemein wirken diese zu langsam und damit etwas arg gekünstelt. Manchmal sieht man es den Fieslingen förmlich an, wie sie darauf warten, geschlagen zu werden.
Was noch positiv auffällt, sind die düsteren und heruntergekommenen Locations - sowohl die dreckigen Hinterhofgassen in Amerika, als auch die grellen, mit Neonlichtern gepflasterten Marktstraßen in Hong Kong. Das erschafft einen schmutzigen Charme, der die Atmosphäre des Streifens ausmacht. Ein paar gut photographierte Einstellungen können dem Film dann doch einige Pluspunkte beschaffen. Auch die düsteren Hallen und die riesige Baustelle des Finales passen sich prima an.
Weniger vom Hocker hauen die Schauspieler, die allesamt höchstens mittelmäßig agieren. Sowohl unsere Cops Chan und Aiello, als auch die Fieslinge legen keine atemberaubende Show hin, für das Genre geht die Sache aber schon in Ordnung. Das Treiben auf dem Fernsehschirm hinterlässt beim Zuschauer eben dank dem dünnen Plot und grottigen Dialogen einen gewissen Nachgeschmack - das bleibt wie immer an den Akteuren hängen.
Wie Fans vielleicht bekannt sein dürfte, hatten Regisseur James Glickenhaus und Schauspieler Jackie Chan Meinungsverschiedenheiten beim Dreh. Für Chan fehlten einfach Szenen, in denen er seine kämpferischen Fähigkeiten präsentieren konnte. Außerdem war er nicht sehr angetan von den zugegeben überflüssigen Nackteinlagen. Im Nachhinein drehte er explizite Szenen für die Hong Kong Version. Einige neue und rasante Kampfszenen wurden zusätzlich in den Film geschnitten, aber auch einige Seitenhandlungen fanden noch Platz. Sämtliche Nackteinlagen mussten sich vom asiatischen Cut verabschieden und der finale Kampf mit Superfoot Wallace wurde komplett neu inszeniert. Dieser wirkt wesentlich schneller und gefährlicher als in der internationalen Version. Jackies Szenen, in denen er sich gegen den Fiesling mit der Kreissäge wehren muss, sind zum Beispiel prima gelungen. Im direkten Vergleich muss man dennoch sagen, dass keine der beiden Versionen besonders hervorsticht. Die Action in der Hong Kong Version ist lediglich an einigen Stellen etwas perfektionierter - dem schwachen Film an sich hilft das allerdings nicht viel. Auch die zusätzlichen Handlungssequenzen sind eher vernachlässigbar. Einige Komikeinlagen der HK-Version passen ebenfalls weniger in die düstere Atmosphäre, die Glickenhaus beabsichtigte. Jackie Chan Fans ist ein Blick auf den asiatischen Print ans Herz gelegt, der Rest verpasst mit dem internationalen Cut nicht viel.
Als Fazit bleibt die Anmerkung, dass "The Protector" ein grobkörniges und durchschnittliches US-Actionfließbandprodukt aus den 80er Jahren ist. Eine klischeebeladene und unoriginelle 08/15-Story, schwache Charaktere und eine gewisse Monotonie und Semiprofessionalität lassen sich mit recht akzeptabler Action leider nicht ausgleichen - und so kann man den Streifen ausschließlich Fans der 80er Jahre Actionflicks und Chan-Komplettisten empfehlen. Alle anderen dürften von dieser hirnfreien B-Produktion enttäuscht sein.