Ein kleines, ländliches Krankenhaus in Japan. Das Pflegepersonal unterbesetzt und übermüdet. Die Ärzte haltlos überfordert. Auf den Fluren irren geistig verwirrte Patienten aus der Neurologie herum, die meinen, Geister zu sehen. In der Notaufnahme kollabieren einige wegen den langen Wartezeiten. Chaos. Zermürbung. Dann: Bei einer Not-OP wird einem Verbrennungsopfer ein falsches Medikament verabreicht, an dessen Folgen er verstirbt. Nach kurzem Hin- und Herschieben der Schuldfrage zwischen Schwestern und Ärzten wird beschlossen, den Vorfall zu vertuschen.
Und noch nicht genug mit schlechtem Karma geschlagen: Im Einfahrtsbereich der Notaufnahme wurde ein aufgebahrter Patient zurückgelassen bzw. vergessen, von dem die Sanitäter behaupteten, er hätte eine hoch infektiöse Krankheit unbekannter Herkunft mit bereits am ganzen Körper aufgetretenem Ausschlag…
Manchmal (aber nur ganz manchmal) schwemmt die mittlerweile - Gott sei’s gepriesen - etwas rückläufige Flutwelle des asiatischen Horrorfilms doch tatsächlich ein echtes Leckerli in die deutschen Videotheken. Nach unzähligen schwarzschopfigen Mädchen mit übers Gesicht gekämmten Monsterponys nun das Fundstück: „Infection“, im Original „Kansen“, von Regisseur Masayuki Ochiai („Hypnosis“, Us-Remake von „Shutter“). Und der zieht in Sachen Gänsehaut sämtliche Register:
- dunkle Keller
- quietschende Geigen
- Taschenlampen-Optik
- unheimliche Reflektionen
- blaue und grüne Farbfilter
- in die Kamera starrende Psychos
- wie von Geisterhand in Bewegung gesetzte Schaukeln
- sich zu Schleim verflüssigende Patienten…
Das Resultat lässt ganz klar Erinnerungen an Lars von Triers „Hospital der Geister“ wach werden. Der Umstand, dass alle der Seuche zum Opfer fallenden Personen dann ziemlich rapide dem Wahnsinn verfallen, erinnert dann auch ein bisschen an „Uzumaki“ und geht vom Weirdo-Pegel her fast schon in Richtung Lynch. Unterm Strich geht das Ergebnis aber schon als sehr eigenständig durch. Über den Grad an Innovation, den die einzelnen Szenen an den Tag legen, lässt sich zwar gewiss streiten, nichts desto trotz hat man es hierbei aber mit einem von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnden und bei den Eiern packenden Hardcore-Grusler zu tun, wie er wahrscheinlich wirklich nur aus Japan kommen kann – so gruselig wie Stromausfall in der Leichenhalle, so dunkel und pessimistisch als würde morgen die Welt untergehen. Der Schluss ist zwar nicht der beste und fällt fast schon ein wenig übertrieben abgedreht aus, aber an dergleichen dürfte man ja gewohnt sein, ist man in dieser filmsichen Hemisphäre etwas bewandert.
Grusel: (+)(+)(+)(+)(+)
Schocker: (+)(+)(-)(-)(-)
Düster: (+)(+)(+)(+)(+)
„Na los, lass uns unsere Venen suchen!“
Fazit:
„Silent Hill“ in der Notaufnahme. Ein Alptraum auf Zelluloid gebannt.
Ich mach dich Krankenhaus. Dann siehst du scheiße aus.