Review

Das Monster aus Jack Arnolds „Der Schrecken vom Amazonas“ auf Speed, - so in etwa darf man sich die Kreatur in diesem preiswert herunter gekurbelten Trash-Movie vorstellen.
Chupacabra, das Fabelweisen, welches angeblich seit Mitte der Neunziger in Mittel – und Südamerika gesichtet worden sei und Ziegen wie ein Vampir das Blut aussauge, ist eines der modernsten Filmmonster Richtung „Urban Legends“. Wie angenehm für Fans klassischer Creature Features, dass man dabei ohne CGI auskommt und sich ein Typ einen Ganzkörper-Latex-Anzug anklatschen lässt.

Erfrischend ist auch der Hauptschauplatz: Ein Luxusliner auf dem Weg in die Staaten. Man wähnt sich zu Beginn in einer einfach gehaltenen Mischung aus „Traumschiff“ und Poseidon Inferno“.
Dem skrupellos ehrgeizigen Wissenschaftler Peña ist es gelungen, den sagenumwobenen Chupacabra einzufangen und an Bord zu schmuggeln, bis zwei neugierige Bedienstete die Kiste öffnen und das Biest freikommt. Im Bund der Gegenwehr: Ein mutiger Kapitän (John Rhys-Davies), dessen unbedarfte aber mutige Tochter, ein US-Marshall mit Golf-Krieg Erfahrung und später ein paar Soldaten vom Alpha-Team.

Am Rande auch noch ein paar bunte Gestalten wie eben jener Wissenschaftler, eine neureiche Dame mit Hundchen, ein Safeknacker und degradierte Köche. Dass diese dem Monster nach und nach ebenfalls zum Opfer fallen, ist nur folgerichtig, denn eingeführt werden sie, passend zum Ambiente eines Trash-Films, herrlich naiv und einfältig durchschaubar.
So richtig dem Anlass entsprechend, dass alle beim Diner am Tisch des Kapitäns sitzen, der dann irgendwann die Meldung über die Schulter erhält: „Captain, wir haben ein Problem…“.

Ergo dauert es nicht lange, bis die Chose an Tempo aufnimmt. Und die hat so ihre (leider nur wenigen) spannenden Momente, die durchaus für Unterhaltung sorgen, etwa, als eine Wäschekammer oder der Müllplatz nach dem Vieh durchsucht werden.
Die beengten Räume können phasenweise für klaustrophobische Atmosphäre sorgen, allerdings verkommt der Auftritt des Monsters zu einer weniger spektakulären Angelegenheit.

Splatterfreunde werden angesichts der FSK16 nur leidlich bedient, - meistens spritzt lediglich Blut an die Wand und nur selten schlägt das Ungetüm derber zu mit offenen Halswunden oder einem Verstümmelten, dessen Unterkörper nur noch aus Gedärm und Glibber besteht.
Der Chupacabra selbst ist eine etwa 1,50 große Bestie, überzogen mit echsenartiger, dunkelgrüner Haut und einem geknautschten Werwolf-Gesicht mit kleinen Hörnern. Zum Fürchten ist diese Erscheinung gewiss nicht, eher belustigen manche Momente, wenn der Schauspieler und dem Latex auch noch versucht, Körperhaltungen als Reflektion vom Verhalten einiger Figuren ins Spiel zu bringen.

Demgegenüber ist das Erzähltempo angenehm hoch, was zu nicht zu unterschätzender Kurzweil führt. Immer wieder befinden sich Figuren in Bewegung, auf der Flucht oder mit schweren Kalibern im Vorwärtsgang. Schnell erfolgen Schnitte von Grüppchen zu Einzelpersonen, man hält sich zu keiner Zeit mit unnötigem Zwischenmenschlichem auf, selbst den potentiellen Helden wird keine Love Story eingeräumt.

So befinden sich zwei Typen in der leeren Bar, andere gehen einer Spur zum Kasino nach, weil man per Überwachungskameras etwas wahrgenommen hat, eine komplette Evakuierung des Schiffes steht an und der Commander will es auch noch mal wissen, da er bereits einige seiner Männer verloren hat.
Am Ende kommt alles so, wie man es erwartet hat, Überraschungen bleiben selbstverständlich komplett aus, aber die bunte Mischung kann das Interesse bis zum Abspann aufrechterhalten.

Es ist ein ausgemachter Streifen für Trash-Fans unter Gleichgesinnten, die einmal mehr einen flotten, aber kaum markanten Beitrag in geselliger Runde verknusern möchten.
Inszenatorisch solide, darstellerisch immerhin noch brauchbar, stellt der Film einen nicht ernst zu nehmenden Monster-Horror dar, der flockig leicht zu konsumieren ist, aber genauso schnell wieder vergessen sein wird.
6 von 10

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