“Stockdunkel!“ - “Dafür ist es ein Keller!“
Später, nicht zu später Olsenbanden-Film, zwanzigjähriges Jubiläum quasi, sollte sogar noch etwas folgen, die Popularität ungebrochen. Neue Generationen haben die Abenteuer des kriminellen Trios entdeckt, wurden von dem Vorgänger damit bekannt gemacht und groß gezogen, in der Begeisterung angesteckt. Es ist immer noch das gleiche Team vor und hinter der Kamera, hat man vor dem allerersten Auftritt auch andere Werke, dann immer wieder dieselben, nicht die gleichen gedreht. Und: Man hat hier die verkauften Tickets des Vorgängers Die Olsenbande stellt die Weichen (1975) auf einen Schlag nahezu verdoppelt, auf die insgesamt höchste Zahl von 1,2 Mio. verkauften Tickets:
Nach der Entlassung aus dem Gefängnis in Vridsløselille und dem Empfang durch seine Kumpane Benny Frandsen [ Morten Grunwald ] und Kjeld Jensen [ Poul Bundgaard ] plus Ehefrau Yvonne [ Kirsten Walther ], wird Egon Olsen [ Ove Sprogøe ] gleich von zwei Dingen überrascht. Kjelds Sohn Børge [ Jes Holtsø ] hat eine Freundin namens Fie [ Lene Brøndum ], die er heiraten will, wofür auch bereits das Aufgebot bestellt, Yvonne selber aber von Egons ständigen Verhaftungen nicht wirklich angetan ist. Um die Ausgaben zu decken, wird der neue Plan trotzdem akzeptiert, das Stehlen einer chinesischen Vase im Wert von 1,5 Millionen Dollar, die an einen niederländischen Käufer verkauft werden soll.
Balling und Bahs als die Macher dahinter, die kreativen Köpfe, die Urheber, die Ideengeber, mit der schwierigen Aufgabe betreut, eine nicht unendlich dehnbare Formel immer wieder neu zu erzählen und trotzdem das Publikum nicht zu vergällen, nicht zu vergraulen. Egon frisch raus aus dem Gefängnis, die Papierpakete unter der linken Seite, längst einen neuen Plan geplant, die Zeit hinter schwedischen (oder hier dänischen) Gittern nicht vertan und nicht vergeudet. Die alten Freunde freuen sich, es gibt immer noch die Rückprojektion beim Autofahren, auch die Leute sehen im Grunde noch gleich aus, vor allem die Kleidung und auch die Wohnung, die Dekoration bleibt gleich. Es geht voran aber, man wird älter, Kjeld wird schon Opa, darauf gibt's ein Pilsener, mehr als Trost als aus Freude; eine Heirat steht bevor, die Zeit verrinnt, sie bleibt nur optisch stehen, sie wird nur konserviert, nicht konsequent reduziert. Viele Jahre sind ins Land gezogen, zwei Dekaden, viele Geschichten wurden erzählt, oft (nicht immer) mit dem gleichen Ausgang, wurde auch mal ein erfreuliches Ergebnis zum Abschluss gewählt. Egon auch hier wieder als Retter in der Not gedacht, kaum entlassen, wird er schon 'überfallen' von seinen beiden Kumpanen und vor allem auch dem Anhang, soll er die Situation retten, die Misere lösen, die Millionen herbeizaubern, die finanziellen Schwierigkeiten klären.
Tausend kleine Dinge sind zu disponieren, der Duft der Freiheit wird nur kurz geschnuppert, es geht um 50.000 nur, uralter Erbadel, fast legal noch, diesmal doch nichts mit gefährlich oder auch nichts mit Millionen. Die dänische Fahne hängt über allem, es geht um stolze Kapitel der Historie, “Ein Schelm, der denkt!“ lautet hier ein Leitspruch, es geht um eine Mehrgeneration, und ein Coup bloß pro forma, es wird noch komplizierter, viele verschiedene Dinge sind zu beachten, die Inszenierung wie üblich, am Dirigieren und Betrachten. Mit Spielfreude wird das weiterhin gehandhabt, keinen Verdruss oder Überdruss zu vermelden, eher eine Rückkehr zum Liebgewonnenen, kleinere Abweichungen sind vorhanden, ansonsten Bekanntes und Bekannte in den bewegten Bildern zu vermelden. Ein leichter Gelb- bis Braunstich in der Optik, gerade in der Behausung der Jensens, in der gewohnten Bekleidung der beiden Mit- und Zuarbeiter sowieso, wird auf Retro gesetzt und auf Vintage, wird auf Vereinbarung und Versprechen gespielt, auf Franz Jäger, Berlin als Safe, diesmal mit Prunk und Protz verziert. Natürlich hat man Pech im Glück, gelingt manches, manches Anderes dann wieder nicht, eine “Amateurpfuscherei“ am Werk. Die Handlung schlägt Haken und Ösen, eine Übergabe bei Sonnenaufgang lässt Böses erahnen und Schlechtes vollziehen, die Geschichte beginnt erst noch, es wird auf Überraschungen insistiert.
Eine erste Haft, eine zweite Haft, dazu eine bevorstehende Hochzeitsfeier, auch der Nachwuchs wird involviert, wird hier gern im Dunkeln auch gedreht, “24:15h“ beispielsweise, man hört mehr als man sieht, entsprechend gelingt das Vorhaben: nicht. Zwei “Nieten“ und ein Anführer, dazu eine Frau, die bald als Adoptivmutter und Betreuerin des “alten Trottels“ gilt; dann wird auch noch die Polizei in die Story mit hineingebracht, der Tumult nimmt zu, mindestens drei Parteien mit grundverschiedenen Zielen. Ein Verstoß gegen jede Verordnung, ein Suchen nach Sensationen, dazu etwas Politik und Diplomatie, es geht in die höhere Gesellschaft, das Land ein Königreich, ein Lageplan in gotischer Schrift. Original und Kopie wird hier geboten, es geht um die “Ehre im Leib“ und um Rache, Die Olsenbande sieht rot, es wird integriert und intrigiert und infiltriert, mit den diversen Parteien kaum interagiert, jeder spielt sein eigenes Spiel, wird sich meist auf die Vorhaben der Gauner konzentriert. An Aufwand wird dabei nicht gespart, ein Schloss samt Jagdgesellschaft zwischendurch als Schauplatz, ein riesiges grünes Anwesen, die großmächtige Hochherrschaft, ein feuriger Stunt. Es gibt einen mittelalterlichen Geheimgang, es gibt Falltüren, es gibt ein Pfeilgitter und andere Gefahren, manche sehen Gespenster, Spuk und Geister, zudem ist der Safe von Francis Hunter, Birmingham, “fast so ähnlich. Man muss nur mehr links halten.“, Probleme werden aufgeworfen und umgangen, rechts angehäuft, mit links gelöst.
Viel Herumgeschleiche in düsteren, mit Spinnenweben verhangenen Kerkern später wird der berühmte rote Geldkoffer wieder präsentiert, dazu einige andere Erscheinungen und Wendungen, “Wir müssen mit der Zeit gehen.“ als Ausspruch, obwohl man sich der Moderne hier fast und dies auch angenehmerweise verweigert; Fehlschläge entsprechend nicht eingerechnet, obwohl diese naturgemäß, getreu der Dramaturgie passieren. Mit Slapstick wird dabei gearbeitet, mit Gruselskeletten, mit einem falschen Ochsen, und einem eingemauerten Egon. Für Land und Krone wird hier geschuftet, eine längere Sequenz außerhalb von Kopenhagen, ein spießbürgerlicher Zirkus, es wird verhandelt, zwischen Format und Spießern, selbst eine Ohrfeige fällt, vom (werdenden) Großvater Kjeld. Man behält die Tradition bei, die gleichen Methoden und Wege, zwischendurch erbeutet man fast 15.999 Kronen, als Starthilfe, als Mittel zum Zweck. Selbst dem Expressionistischen wird kurz gefrönt, der Kunst gehuldigt, die Kriminalkomödie im Königlichen Theater, in der Kavalierloge, das explosiv Pompöse, das Artifizielle und Destruktive im perfekten Timing postuliert; Schlagbohrer mit Musik ( Alternativtitel).